Angriff der Immobilienhaie
Nicht zu früh gefreut
Symbolbild
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Kommentar. Die mögliche Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen besiegelt noch nichts.

Sollte die Fusion aus Deutsche Wohnen und der Bochumer Vonovia gelingen, würde dies den weitaus größten Wohnungskonzern Europas zur Folge haben. Falls das Bundeskartellamt das Verfahren stattgibt, würde dies die Tür für weitere marktkonsolidierende Übernahmen öffnen. Expert:innen gehen zwar aktuell von keiner unmittelbaren zusätzlichen Belastung für Vermieter:innen aus, sollte der Zusammenschluss vollzogen werden, doch das darf besorgte Beobachter:innen nicht beruhigen. Denn nach wie vor gilt, dass die beiden Konzerne die größten Preistreiber auf ihren Wohnungsmärkten sind und gleichzeitig den schlechtesten Service bieten. Eine Ausweitung ihrer Marktbeherrschung hat daher auf lange Sicht für alle Mieter:innen schlechte Folgen, da andere Unternehmen gerne Schritt folgen.

Mit der voraussichtlichen Fusion haben die Immobilienunternehmen nun ihr Schicksal besiegelt, meinen manche Aktivist:innen. Zu offensichtlich und dreist sei die Übernahme in dem Moment, in dem die Deutsche Wohnen vor einem Volksentscheid zur Enteignung steht, während der Mietendeckel geplatzt ist und Berliner:innen nun erneut mit einem Anzug der Mietpreise rechnen müssen, während die Vonovia im vergangenen Jahr Rekordgewinne einfa    hren konnte. Denn die Pandemie tat den Immobilienunternehmen gut. Deshalb sehen manche ein Eigentor in der Entscheidung. Doch dieser Schluss ist viel zu früh gefasst. Denn aktuell arbeiten Deutsche Wohnen und Vonovia vehement daran, ihr Image in der Hauptstadt zu verbessern und einen möglichen Volksentscheid zu verhindern. Die Hürde für radikale Schritte wie die Enteignung, die nach den Paragraphen 14 und 15 des Grundgesetzes möglich sind, sind hoch. Da wundert es nicht, dass der dann fusionierte Konzern dem Berliner Senat rund 20.000 Wohnungen zum Verkauf anbietet. Denn so lassen sich Politiker:innen beschwichtigen, die den Volksentscheid dann torpedieren können, so wie sich das nun bei Abgeordneten der SPD zu entwickeln scheint. Die Enteignungskampagne ist aktuell die einzige politisch umsetzbare Idee für gerechtes Wohnen in der Hauptstadt. Die Fusion aus Vonovia und Deutsche Wohnen darf deshalb nicht vom Ziel ablenken, sondern muss dieses deutlicher machen.

:Stefan Moll

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