Unter dem Ruhrgebiet lauern unsichtbare Gefahren
Nicht mehr auf Kohle gebaut
Es wird gefährlich: Wenn Sicherungen alter Schächte nicht mehr ausreichen.
Es wird gefährlich: Wenn Sicherungen alter Schächte nicht mehr ausreichen.

Bergbau. Bochum war wie viele Städte des Ruhrgebiets eine der Gewinnerinnen des Ruhrbergbaus. Doch jetzt drohen die Altlasten der Steinkohleförderung zur Gefahr zu werden.

Wie aus einer großen Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervorgeht, befinden sich unter dem Bochumer Stadtgebiet (einschließlich Wattenscheid) 2.529 ehemalige Schachtanlagen und Stollen. Dabei handelt es sich nicht nur um die bekannten und gut gesicherten Anlagen der großen Abbaugebiete, sondern um bis zu 340 Jahre alte Schächte und Stollen, die oftmals nur unzureichend gesichert sind. 

Die Folge fehlender Sicherheitsvorkehrungen können Tagesbrüche sein, wie beispielsweise vor 17 Jahren in Wattenscheid-Höntrop. Dort tat sich ein 12 bis 15 Meter tiefes und 500 Quadratmeter großes Loch auf, als Schacht 4 der ehemaligen Zeche Vereinigte Maria Anna Steinbank in einem Wohngebiet einbrach. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass nicht alle der über zweitausend Schächte und Stollen genau lokalisiert werden können. Hinzu kommt das Alter vieler Anlagen, das eine durchgehende Sicherung notwendig macht. Hierfür verantwortlich sind die Energie- und Stahlkonzerne, die die Anlagen geführt oder übernommen haben. Für das Ruhrgebiet sind dies unter anderem die Stromkonzerne E.ON und RWE, aber auch ThyssenKrupp. 1.800 Tagesöffnungen stehen darüber hinaus unter der Aufsicht der Bezirksregierung Arnsberg.

Erhöhte Gefahr? 

Dass es erneut zu einem ähnlich großen Vorfall wie dem sogenannten Wattenscheider Krater oder dem Tagesbruch am Essener Hauptbahnhof 2013 kommt, ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem sind weitere Bergbauschäden nicht ausgeschlossen. Wichtig für die Vermeidung weiterer Schäden ist die Regulierung der Grubenwasserstände. Diese Regulierung ist die so genannte Ewigkeitsaufgabe des Ruhrbergbaus. Die RAG-Stiftung investiert jährlich 100 Millionen Euro, um Grubenwasser abzupumpen. Trotzdem ist das Ruhrgebiet in einigen Gegenden in den letzten hundert Jahren um bis zu 30 Meter abgesunken. Eine erhöhte Gefahr für Tagesbrüche bestehe laut ExpertInnen jedoch momentan nicht. Dies bestätigte auch der Bochumer Nachbergbau-Experte Christian Melchers im Gespräch mit Radio Bochum.

  :Justinian L. Mantoan