Raus aus dem Haus im Spielformat
Neuer Escape Room erforscht Gründerkompetenz
Bild: mafa
Warten, dass das Licht angeht: Die RUB-Studenten Murat und Nelson suchen nach der richtigen Einstecktechnik im „Think Space“ – Escape Room und stärken damit zugleich Teamfähigkeit und Gründergeist. Bild: mafa
Warten, dass das Licht angeht: Die RUB-Studenten Murat und Nelson suchen nach der richtigen Einstecktechnik im „Think Space“ – Escape Room und stärken damit zugleich Teamfähigkeit und Gründergeist.

Unternehmensneugründung. Welche Fähigkeiten benötigen Start-Up Gründer*innen? Im neuen Escape Room „Think Space“ an der RUB soll das spielerisch erforscht werden.

Ein veganes Eiscafé hier, ein Coaching-Unternehmen da. In den letzten Jahren schienen Unternehmensgründungen, oder hipper: Start-Ups, nur so aus dem Boden gesprossen zu sein. Doch davon nicht genug, noch immer denken zu wenige Studierende nach ihrem Abschluss daran, zu gründen, sagt Dr. Yvonne Braukhoff. Laut Prof. Dr. Uta Wilkens sei besonders die Vorgründungsphase mit den damit verbundenen Unsicherheiten und Misserfolgen nicht ausreichend erforscht. Dem sind die Dozent*innen vom Institut für Arbeitswissenschaft (IAW) mit ihrem Team nachgekommen: Am 18. Juni eröffnete im UFO der „Think Space“, ein Escape Room, in dem eine Gründungssituation simuliert und erforscht wird. Dafür wurde mit Michael Prüfer zusammengearbeitet, selbst Start-Up Gründer des nicht zu verwechselnden „Think Square“-Escape Room Anbieters in Bochum.
Im Raum Eins wird ein normales Escape Room-, Prinzip verfolgt: Die Gruppen, die am „Ausbrechen“ arbeiten, haben die Aufgabe eine künstliche Intelligenz aufzubauen. Sie müssen etwa herausfinden, wie Stecker auf dem Steckboard einzustecken sind, damit es leuchtet, oder welche Codes sie in die „Kommunikations-Tafel“ eingeben müssen. Jede Kleinigkeit im Raum kann ein Hinweis sein: Prüfers Maschinenbau-Bachelorzeugnis, das herumliegt, Ausstellungsposter oder das Graffiti an der Wand. Die Modularisierung des Raums funktioniert über ein kleines Open-Source Computer-System, das Dipl. Ingenieur Ulrich Heppner installiert hat und welches via Internet von überall gesteuert werden und Ergebnisse sammeln kann. Doch was hat all das mit Gründung zu tun.

 

Zugegeben sei es eine ziemlich abstrahierte Simulation, so Braukhoff. Das fange damit an, dass viele Gründungsteams jahrelang zusammenarbeiten, anstatt nur einige Minuten. Doch werden die Spieler*innen vor ähnliche Schwierigkeiten gestellt: Knappheit von Zeit und Ressourcen, Konflikte im Team und situative Unsicherheiten etwa.  „Mut machen bedeutet vielleicht auch, etwas im geschützten Raum erst einmal auszuprobieren, bevor man in der Realität bestehen muss“, sagt Braukhoff. Vor allem gehe es darum, dass die Teilnehmer*innen lernten, über welche nützlichen Kompetenzen sie im Gründerkontext verfügen. Und: Dass erforscht wird, welche Kompetenzen für eine Start-Up Gründung überhaupt „nützlich“ sind.
Hier kommt das zum Tragen, was Michael Prüfer die „phänomenalen Facetten“ des kooperativen Projekts nennt. Während er für die Erlebniswelt verantwortlich ist, nehmen die Wissenschaftler*innen des IAW die methodisch-didaktische Dimension in den Blick. Über Computer und Videokameras werden die Spieler*innen im Escape Room beobachtet und die Ergebnisse in einem zweiten Raum ausgewertet.  „Der Coaching-Ansatz ist zentral“, betont Wilkens. Die Besprechungsphase dauere doppelt so lange wie der Spieldurchlauf; hier würden die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmer*innen besprochen. Kann jemand in einer Gruppe gut koordinieren, aufmuntern oder allein und ruhig am besten nachdenken?
Im Think Space soll ab August gespielt und geforscht werden, allerdings vorerst im Rahmen eines Studienmoduls, das ab dem laufenden Semester stattfindet und für Doktorand*innen, neun Fakultäten und 17 Masterstudiengänge geöffnet ist, darunter Psychologie, Sozialwissenschaften und UTRM. Der Think Space soll jedoch weiterentwickelt und langfristig an der Uni verankert werden. So könnte die Nutzung für weitere Studiengänge, Workshops, Teamentwicklungsmaßnahmen und Betriebsfeiern möglich werden.

:Marlen Farina