Auf dem rechten Auge blind?
Nazis, Rocker und Beamte
Bild: lewy
Logo der Antifa – und Motiv für einen Brandanschlag in Bochum?

Neonazi-Szene. Bochumer Nazigegner:innen decken rechte Umtriebe auf, die von der Polizei übersehen oder verschleiert werden.

Ende September kam es im Bochumer Stadtteil Kornharpen zu einer Schießerei, in deren Zentrum offenbar die Rocker-Gang Outlaws MC  (OMC) steht. Diese bislang eher in Süddeutschland aktive Gruppe versucht aktuell scheinbar in Richtung Norden zu expandieren. Sie konkurriert dabei mit im Ruhrgebiet bereits etablierten Mafia-Banden wie den Hells Angels und den Bandidos um die Hoheit in Wirtschaftszweigen wie Prostitution, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Seit Ende August gibt es einen Ableger der „Outlaws“ in Bochum. Der Bochumer Polizei, die nach der Schießerei die Ermittlungen aufnahm, war davon offenbar nichts bekannt. Somit konnte sie bislang auch wenig Auskunft über die neue Gang geben.

Abhilfe leistet dafür ein Recherche-Artikel auf dem Blog Indymedia. Die Autor:innen bezeichnen die OMC als „zusammengewürfelten, toxischen Haufen von brutalen Kleinkriminellen, Kampfsportlern und Neonazis“. Dieser „Haufen“ ist zugleich auch ein Netzwerk, das mindestens von Dortmund über Bochum bis nach Oberhausen reicht und in dem Kampfsport, Kleinunternehmertum und Neofaschismus eng miteinander verwoben sind. Vor allem Dortmund gilt seit Längerem als westdeutsche Neonazi-Hochburg. Zuletzt, seit dem Wegzug einiger Kader, kriselt es bei den dortigen Rechten jedoch (siehe :bsz 1282). Hinzu kommt noch, dass am vergangenen Wochenende Siegfried Borchardt, besser bekannt als „SS-Siggi“, starb. Mit dem Tod des 67-Jährigen verlieren die Dortmunder Faschisten ihre Führungs- und Vaterfigur, was den weiteren Niedergang der dortigen Nazi-Szene vorantreiben könnte. Als „zentrale Figur und Leiter“ der „Outlaws“ wiederum gilt laut dem Indymedia-Bericht der weitaus jüngere Kampfsportler Malte B., der im Internet mit Gewaltaufrufen gegen einen Linkspartei-Politiker, Witzeleien über Hitler und Aussagen wie: „Ich hasse Menschen, die Deutschland nicht lieben…“ in Erscheinung tritt. Laut Bericht mit von der Partie ist außerdem der wegen Todschlags verurteilte Neonazi Sven Kahlin, der 2005 in der Dortmunder Innenstadt den 32-jährigen Thomas Schulz erstochen hat. Die Autor:innen kritisieren abschließend, dass in „Dortmund und Bochum an den Augen staatlicher Behörden vorbei ein Netzwerk aus organisierter Kriminalität, Hooliganismus, Kampfsport, Drogenkriminalität und organisierter Neonaziszene entstanden ist“.

Es ist nicht das erste Mal in den letzten Wochen, dass antifaschistische Aktivist:innen in Bochum jene Aufgaben übernehmen, die die Sicherheitsbehörden für sich in Anspruch nehmen. So hatte das Recherchenetzwerk Exif im Juli einen Bericht über das sogenannte „Hammerskins“-Netzwerk veröffentlicht und dabei zwei Neonazis als Angestellte der Stadt Bochum geoutet. Daraufhin entließ die Kommune die beiden. Von Polizei, Staats- oder Verfassungsschutz war die Stadt bezeichnenderweise nicht auf die bekannten Rechtsradikalen hingewiesen worden.

Und auch im Fall einer Brandstiftung in Bochum-Langendreer, wo Mitte September nachts ein Wohnmobil und ein Motorrad angezündet wurden, gab die Polizei in ihrer Erklärung keinerlei Hinweise auf einen mögliches rechtes Motiv. Wie die Initiative Langendreer/Werne gegen Nazis auf ihrer Website jedoch mitteilte, ist der einzige Hinweis auf ein mögliches Motiv die Tatsache, dass an beiden Fahrzeugen Antifa-Logos angebracht waren. Würde sich dieser Verdacht bestätigen, so die Initiative, würde es bedeuten, dass nach 10 Jahren „jetzt auch im Bochumer Osten wieder Menschen mit einer rechtsradikalen Gesinnung Gewalt ausüben.“

                                      :Leon Wystrychowski