Single-Player-Videospiele aus Fanboy-Perspektive
Mudokaner, Jungdrachen und ein wirbelnder Beuteldachs
Bild: tom
Spiele, die das Erwachsenwerden begleiteten: Einige Reihen starben aus, andere entwickelten sich nur schlecht weiter. Bild: tom
Spiele, die das Erwachsenwerden begleiteten: Einige Reihen starben aus, andere entwickelten sich nur schlecht weiter.

Erfahrungsbericht. Während sich die einen in „Mario Kart“ miteinander gemessen und sich bei „Super Smash Bros“ die Franchise-Mash-Up-Rüben eingeschlagen haben, genoss ich meine Abenteuer lieber solo. Eine Spielereihe hat mich dabei besonders geprägt.

Als Playstation-One-Besitzer gab es nur die Möglichkeit, brutale, minimal FSK-16-Prügelspiele gegen Freunde zu spielen. Kein Mario hat mich freudig dazu aufgefordert, Kirby aus dem Ring zu schmettern. Das vom AStA der RUB ins Leben gerufene Retro-Gaming-Event (Seite 8), das zugegeben eher auf das Nintendo-Miteinander abzielt, möchte ich daher zum Anlass nehmen, den Videospiel-ProtagonistInnen meiner Kindheit Tribut zu zollen – und die Richtung bemängeln, in die sich ein ehemals großartiges Franchise bewegt.

Meine ersten Versuche im Playstation-Universum könnte man wohlwollend als kläglich bezeichnen. Weder habe ich es geschafft, als Mudokaner Abe mein Volk aus der Sklaverei zu befreien, sie so vor der Verarbeitung in 

New’n’Tasty-Fleisch zu bewahren, noch war es mir vergönnt, als Crash Bandicoot die Pläne von Doctor Neo Cortex zu vereiteln. Meine spielerischen Skills waren … mittelmäßig. Erst als kleiner lila Drache Spyro konnte ich ansehnliche Erfolge feiern und die älteren Drachen entsteinern – „Spyro the Dragon“ war übrigens für ein Playstation-One-Spiel zum damaligen Zeitpunkt bereits sehr gut vertont. Das für mich einflussreichste Franchise hingegen griff zu PS-One-Zeiten noch immer auf Unmengen von Textboxen zurück – das von Square entwickelte „Final Fantasy“ (FF).

Und das war auch gut so

Denn anders als herkömmliche „actiongeladene“ Spiele setzte das Uralt-Franchise auf eine Kombination aus Beobachtungsgabe, Erinnerungsvermögen, Charakterstärken und 

-schwächen sowie dem ultimativen Suchen und Finden, unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Superboss, ein überragendes Item oder eine gnadenlos gute Fähigkeit handelte. Eine derart umfassende und schlüssige, ab einem bestimmten Punkt meist frei begehbare Spielwelt wie sie die damaligen Square-Spiele boten, war für mich Neuland wie für andere das Internet. In FFVII verlor ich zu schnell die Orientierung und resignierte, sodass ich heute FFVIII das beste PS-One-Final-Fantasy nenne (VII habe ich zwar mittlerweile durch aber … naja). Die Storydichte der FF-Serie war immer gegeben – bis Teil 12 meinen Weg kreuzte. Was dieses Spiel an Looten und Leveln bot, büßte es an sympathischen und interessanten Charakteren ein. Das Gegenteil ergab sich dann im ersten PS3-Ableger. Final Fantasy 13 bezeichnen viele als den Untergang der Serie, meines Erachtens aber waren Charaktere sowie Story gut geschrieben – lediglich der Open-World-Aspekt wurde zugunsten einer schlauchförmigen Handlung in schlauchförmigen Dungeons und Arealen verworfen – Schande.

Game Over?

Vor kurzem betrat ich dann das erste Mal die Welt von Final Fantasy 15. Nach zehn Stunden Spielzeit erschloss sich mir noch immer nicht, warum ich mit einer depressiven J-Pop-Band nach Artefakten suche, deren Anwendung obendrein auch immer Nachteile mit sich bringt. Bye bye Belohnungssystem, bye bye Story. Aber: Der Retro-Service im Spiel ist allgegenwärtig. Leider trägt die Möglichkeit, die grandiose Musik aus Vorgänger-Titeln abspielen zu können, bei mir nur dazu bei, die alten Spiele wieder ausgraben zu wollen. Und das pflege ich auch einmal jährlich zu tun. Mittlerweile gibt es die beliebten Klassiker auch alle neu aufgelegt, in HD und mit zusätzlichen Möglichkeiten.                                 

 :Tobias Möller