Kommentar: Der Kurswechsel des Playboy berührt sein Grundproblem nicht
Mit mehr Bekleidung wird es auch nicht besser
Fotos: :bsz-Archiv (1968 – ’69)
Trendsetterin :bsz: Noch bevor es den „Playboy“ in Deutschland gab, druckten wir in den 60ern nackte Frauenkörper ab (wenn wohl auch mit etwas anderen Absichten) – und noch lange bevor Hugh Hefner sie aus seinem Heft verbannte, taten wir das Gleiche.  Fotos: :bsz-Archiv (1968 – ’69)
Trendsetterin BSZ: Noch bevor es den „Playboy“ in Deutschland gab, druckten wir in den 60ern nackte Frauenkörper ab (wenn wohl auch mit etwas anderen Absichten) – und noch lange bevor Hugh Hefner sie aus seinem Heft verbannte, taten wir das Gleiche.
Statt leicht bekleideten und nackten Frauen werden im US-„Playboy“ zukünftig nur noch leicht bekleidete Frauen zu sehen sein. Die Marke Playboy wird dadurch kompatibler mit den prüden Regeln der ausufernden Facebook-Matrix. Und die Frauenbilder im legendären Männermagazin gleichen dann mehr den allgegenwärtigen „sexy“ Frauenbildern in der Werbung. Doch war die im Playboy zu sehende Nacktheit ohnehin stets nur ein arg begrenzter und eintönig inszenierter Ausschnitt aus der weiblichen Erotik.
 
Der Playboy hat die westliche Kultur im 20. Jahrhundert mitgeprägt. Zum einen hat er die fotografische Darstellung weiblicher Nacktheit ein gutes Stück weit enttabuisiert. Zum anderen hat er für die erotische Inszenierung von Frauen in Medien stilistische Normen und Maßstäbe gesetzt: Für Akt- und Nacktbilder in Zeitungen, für lasziv dreinblickende Models in Werbeanzeigen, indirekt auch für schwül-erotisches Räkeln und realitätsfern-ästhetisierte Sexszenen in Filmen. Ein kritischer Geist erkennt anhand dieser Beispiele, dass die einseitige Playboy-Ästhetik problematischer Natur ist.

Einseitigkeit und Entfremdung

Die im Playboy und all seinen Nachahmungen abgebildeten Frauen entsprechen weitestgehend einem Schema und sind auf charakteristische Weise in Szene gesetzt. Damit ist nicht bloß gemeint, dass sie (unnötigerweise) alle schlank sind. Sie sind auch darüber hinaus äußerlich „makellos“, vom symmetrisch gebauten Körper bis zur straffen Haut. Und wenn doch ein „Fehler“ vorhanden ist, so wird dieser „natürlich“ per Bildbearbeitung korrigiert.
 
Weibliche Schönheit wird dadurch sehr eng definiert – und als ein unheilvoll-beschränktes Ideal vermittelt. Zudem werden Frauen austauschbar in einer standardisierten Ästhetik inszeniert, was künstlerisch-kulturelle Verarmung fördert.
 
Nun ist deswegen keineswegs jedes im Playboy erschienene Aktbild etwas Negatives. Insgesamt betrachtet führt die spezifische Einseitigkeit von Playboy und Co. jedoch zu einer starken Entfremdung der weiblichen Sexualität. Die meisten Frauen werden von dieser Art der erotischen Inszenierung (absurderweise) pauschal ausgeschlossen – und damit bedenklich weitgehend auch aus der allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmung von Attraktivität und Erotik. Die Playboy-Ästhetik vermittelt außerdem kontinuierlich eine Scheinwelt, die fern von realen erotischen Begegnungen von Frauen mit Männern (oder Frauen) liegt, was sich auf jene nur negativ auswirken kann.

Im Frauenbild nichts Neues

Im Kern macht es also wenig Unterschied, wenn ein Playboy nur noch bekleidete Frauen abbildet. Die verbreitete sexistische Werbung zeigt ja auch knapp bekleidete und „sexy“ inszenierte Frauen, welche sinnfrei als Blickfang gebraucht werden, um vom Eis bis zum Auto alles Mögliche anzupreisen. Insgesamt ist die medial allgegenwärtige, sterile Softerotik in ihrem Wesen ähnlich entfremdet, wie die vorherrschende Hardcore-Pornografie – bloß auf etwas andere Weise. Und gerade die bekleidete Variante dieser Softerotik ist in der heutigen Gesellschaft sehr kompatibel mit scheinheiligen wie patriarchalen Moralvorstellungen.
 
:Gastautor Patrick Henkelmann
 
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