Bena lost in Translation
Mit den Reichen und Schönen
Bild: bena

Kommentar. Teure Getränke, unbequeme Schuhe, schicke Roben und interessante Gespräche. Festivalvibes auf dem Hochschulball.

Ein Ball. In meinem Vokabular oftmals nur mit Sport verbunden. Und ja, das find ich ziemlich geil. Dieser hier ist aber kein Sportgerät, sondern eine Veranstaltung.
Eine von denen, die man in den Gazetten sieht und sich fragt, warum die Leute so viel für ein Kleidungsstück ausgeben, das nur für einen Tag benutzt wird. Nun gut. Ich bin bereit! In meinem 20 Euro Kleid und meinen 14 Euro Pumps mogel ich mich unter das gehobene Volk. Unter solche, die bei der Currywurst darüber reden, dass man kaum noch Auszubildende findet und dass das Unternehmen schon wieder eine Ausschreibung zugesagt bekommen hat. Das was man sich bei na guten Mitternachtscurrywurst ebenso sagt. Grundsätzlich gibt es hier so viele Attraktionen, dass ich gar nicht weiß, ob man es überhaupt Ball nennen darf.
 

Vom Walzer zum Freestyle

Eines wird auf jeden Fall getan: getanzt. Ich würde so gerne sagen, Jung und Alt sind ausgelassen über das Parkett geschwebt, leider war die Altersgruppe Jung, mit einigen Ausreißer*innen, so um die 40 Jahre. Von Student*innen keine Spur. Die jungen Leute, die ich anspreche, arbeiten dort. Schade eigentlich. Aber reicht auch mit depri Stimmung: Fancy Musik kommt aus der Kaffeebar und da sehe ich schon mein nächstes Problem. Der, der den Takt nicht kennt! Und dabei konnte Wilhelm so gut Walzer tanzen, denke ich mir, aber sobald es ein Popsong ist, ist der Takt verloren. Ich möchte tanzen, doch das taktlose Gezappel und Klatschen des Publikums neben mir irritiert mich und lenkt ab.
Es ist wie mit einem Katzenbaby: Ich finde es unangenehm, muss aber hingucken, weil ich nicht weiß, ob ich es süß oder einfach schrecklich finden soll. Ich mein, sollen sie fühlen, sie tanzen wenigstens und stehen nicht nur am Rand und beobachten Frauen mit diesem „Hmmm… Lecker Mädchen“ Blick, wenn sie sich auf der Tanzfläche bewegen. Am Ende tanz ich doch, Eurythmics ist zu gut und irgendwie muss ich ja meine vegetarischen Beilagen und das Brot vom pompösen Buffet abtrainieren.

:Abena Appiah