Nicht alle Förderungswerke wollen Umbenennung zu Studierendenwerk mitmachen
Ministerium schafft Studenten ab
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Beim Akafö muss nichts mehr geändert werden, es ist schon perfekt gegendert. Foto: joop
Beim Akafö muss nichts mehr geändert werden, es ist schon perfekt gegendert.

Das NRW-Wissenschaftsministerium will mehr Gendergerechtigkeit. Bis 2017 sollen Studentenwerke ihren Namen in Studierendenwerke ändern; denen ist die Umbenennung aber zu teuer und das Wort zu sperrig.

Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung argumentiert, die 50 Prozent weiblichen Studierenden müssten sich auch in der Bezeichnung von Organisationen widerspiegeln. Mit dem geschlechtsneutralen Begriff „Studierende“ werde somit der Gesetzeslage entsprochen. „Es genügt nicht, Studentinnen im Begriff einfach ‚mit zu meinen‘. Frauen und Männer sollen gleichermaßen angesprochen werden“, so Pressereferentin Birgit Lüke gegenüber der :bsz.

Das Studierendenwerksgesetz vom 1. Oktober 2014 setzt Studierendenwerk als neue gesetzliche Bezeichnung fest. Ihre entsprechend geänderten Satzungen haben die Studentenwerke nun dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt. Doch in Dortmund zum Beispiel will man beim Namenswechsel nicht mitmachen.

„Der Verwaltungsrat des Studentenwerks Dortmund hat sich in seiner letzten Sitzung dazu entschieden, den tradierten Namen ‚Studentenwerk‘ beizubehalten“, so eine Stellungnahme. Das Festhalten am alten Namen sei auch in die beim Ministerium eingereichte Satzung aufgenommen worden. Grund seien die hohen Kosten einer Umbenennung.

Ein Heidenaufwand

„Es ist letztendlich ein Heidenaufwand“, sagt Jörg Lüken, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Studentenwerke NRW sowie Geschäftsführer des Akafö (Akademisches Förderungswerk) in Bochum, das Dank seinem Namen bei der Umbenennung fein raus sei. Die Kosten für die Studentenwerke gingen in die Hunderttausende. Briefköpfe, Logos, Internetauftritte müssten sie ändern, später die Beschilderungen von Räumen und Wohnheimen.

Trotz der Kosten für die Studentenwerke werde sich aber für die Studierenden nichts ändern. „Die Leistungen werden dadurch nicht eingeschränkt“, versichert Lüken. Die Frage sei aber, wenn die Politik solche Änderungen wolle, wer diese bezahle.

Das Land bezuschusse die Studentenwerke schon direkt mit 44 Millionen Euro, so der ministeriale Einwand gegen Forderungen nach weiteren Kostenübernahmen. Eine gleich hohe Summe entspricht der Übernahme von Verwaltungskosten zusammen mit der unentgeltlichen Nutzung von Flächen für Mensen und Cafeten. Die gehandelten Umbenennungskosten von Hunderttausenden Euro sind laut Ministerium nicht nachvollziehbar, da viele Änderungen in Zeiten der Digitalisierung kostengünstig zu machen seien, so Ministeriumssprecherin Lüke. Zudem gebe es bis 2017 eine lange Übergangsfrist. Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände mit alten Bezeichnungen, wie Briefpapier, könnten noch aufgebraucht werden. An anderen Stellen könnten beispielsweise Gravuren und Aufdrucke dann aktualisiert werden, wenn sie ohnehin ersetzt werden müssten.

Sperriger Begriff

Doch es geht nicht nur um die Kosten, sondern auch um den Begriff. „Studierendenwerk“ gehe schlecht über die Zunge, ist sich Lüken vom Akafö einig mit Petra Karst vom Studierendenwerk Essen-Duisburg.

„Es macht durchaus Sinn, genderpolitisch zu agieren“, so Sprecherin Karst zur :bsz. „Es muss einen Gong geben, damit etwas geschieht.“ Ohne die geschaffene gesetzliche Basis würde sich gar nichts ändern. „Aber der Begriff ist so sperrig, dass wir beschlossen haben, ihn langfristig nicht zu benutzen.“ Die Umbenennung in Studierendenwerk Essen-Duisburg gilt dort also nur übergangsweise. Im Laufe des Jahres soll ein neuer Name gefunden werden, am besten in Abstimmung mit den anderen Studentenwerken im Dachverband. „Der Name Studentenwerk ist ja schon eine Marke.“ Wenn sie eine gemeinsame neue Bezeichnung – als Alternative zu Studierendenwerk – fänden, könnten die Studentenwerke damit geschlossener auftreten.

:Johannes Opfermann

Kommentar zum Thema von Stefanie Lux