Schluss mit Tradition, her mit Industrie!
Metzgerei Müller schließt
Bild:kiki
Wurst: Ausdruck für etwas, wenn es egal ist oder Schaubild für die Probleme einer Industrie

Fleisch. Personalmangel, fehlende Kaufkraft oder einfach nicht in der Lage sein mit einer immer größer werdenden Industrie in Konkurrenz zu stehen. Die Probleme der Fleischindustrie sind vielschichtig. Hier erfahrt Ihr das Problem mit der Schließung kleiner Metzgereien.

In Wattenscheid macht nach 96 Jahren eine Metzgerei zu. Anfänglich wirkt das vielleicht nicht wie eine besonders aufsehenerregende Nachricht. Über die Jahre machen immer mehr Metzgereien zu - meistens aus ähnlichen Gründen. Zum einen gibt es ein Problem mit dem Nachwuchs. Es gibt zu wenig Gesell:innen, die die verschiedenen Metzgermeister:innen unterstützen können. Somit müssen diese oftmals den ganzen Betrieb alleine vorantreiben, was nur in manchen Fällen gut funktioniert. Das ist auch der Fall bei Metzgerei Müller. Ein 68 Jahre alter Mann kann den Betrieb nicht mehr aufrechthalten, also wird der Laden geschlossen. Doch was bedeutet das genau und wie lässt sich die Schließung einer Metzgerei auf die Fleischindustrie ausweiten?  

Die Industrialisierung des Fleisches so wie heute ist keine so neue Erfindung wie angenommen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es große Schlachtfabriken, wie in Chicago die Union Stock Yard Transit Company. Vergleicht man die Anfänge einer solchen Industrialisierung, wie sie damals mit dem generellen wirtschaftlichen Wandel vorangegangen ist, mit dem Umgang von Fleisch in der heutigen Zeit, sieht man schnell Parallelen. Viele Problematiken, die wir von heute schon kennen, gab es auch schon damals wie zum Beispiel, die Ausbeutung von Arbeiter:innen oder mangelnde Hygiene. Wo sich andere Industrien durch Gewerkschaften und Regulierungen weiterentwickelt haben, blieben in der Fleischindustrie die Strukturen relativ gleich. Vor allem die Ausbeutung der eigenen Arbeiter:innen scheinen dabei besonders hervorzustechen. Der letzte Corona Ausbruch in der Fleischfabrik in Tönnies ist dabei nur eins von vielen Beispielen, die Mängel in den Arbeitsbedingungen der eigenen Arbeiter:innen aufweisen. Doch was hat das mit Metzgereien zu tun? 

Metzgereien stechen vor allem dadurch hervor, dass sie das, was möglicherweise in einem großen Fabrikgelände außerhalb einer Stadt stattfindet, aufbrechen. Viele kleine Unternehmen teilen sich auf eine größere Fläche auf und könnten somit viele Probleme, die es im Moment mit der Industrie gibt, beseitigen. Zum einen ist es die Entscheidung des:der Metzgermeister:in, wie viel sie:er ihren:seinen Mitarbeiter:innen zahlt. So wird das Problem unfairer Bezahlung zwar nicht an allen Stellen abgeschafft, aber zumindest ist es nicht mehr abhängig von großindustriellen Interessen. Zum anderen gäbe es keine sonderliche Abhängigkeit mehr von einem großen Unternehmen, das im Falle seiner Schließung eine ganze Lieferkette aufhält – hier kommt einem auch noch einmal das Unternehmen Tönnies in den Sinn. So kann es in einzelnen Metzgereien durchaus an Hygiene fehlen, was zu ihrer Schließung führen müsste, aber wäre dies nur eins von vielen Unternehmen mit wenigen wirtschaftlichen Folgen. Der letzte Punkt wäre, dass die Strukturen für solch eine Verschachtellung einer großen Industrie bereits existiert haben. Metzgereien waren vor der großen Industrialisierung der Fleischindustrie in Deutschland Anfang der 50er Jahre überall. Mit jeder Schließung solcher Unternehmen schrumpft jedoch auch die Chance einen vernünftigeren Umgang mit Fleisch zu finden. Eins steht fest. Wie es im Moment weitergeht, hat Fleisch keine Zukunft, was nicht wirklich schlimm wäre, jedoch gäbe es durchaus einen Weg einen besseren Umgang mit der Thematik zu finden.

                  :Gerit Höller