Satire: Förderung religiöser Feiern: Jesus, Jedi-RitterInnen und Fliegendes Spaghettimonster suchten FSVK heim
Metaphysisches Schattenboxen im AZ
Karikatur: ck
Gleichberechtigung bei religiösen Festen: Auch Jedis und das Fliegende Spaghettimonster wollen an die Fördertöpfe. Karikatur: ck
Gleichberechtigung bei religiösen Festen: Auch Jedis und das Fliegende Spaghettimonster wollen an die Fördertöpfe.

„Na, auch hier?“, raunte das Fliegende Spaghettimonster (FSM), als neben ihm mehrere verstorbene Jedis als blau schimmernde Gespenster erschienen. Die Gruppe übernatürlicher Wesen schwebte in der hinteren Ecke des Raumes, war aber für alle anderen Anwesenden ohnehin unsichtbar. „Warum wir hier sind?“, fragte Yoda und wies auf die gut zwei Dutzend jungen Leute, die angeregt diskutierten: „Das nicht ist Senat der Republik.“ – „Nein, wir sind hier im AusländerInnenzentrum der RUB, die jungen Leute dort, das ist die FachschaftsvertreterInnenkonferenz oder kurz FSVK. Naja, und die diskutieren quasi über Religionsfreiheit, und in dem Zusammenhang haben sie uns genannt.“ Yoda verdrehte die Augen. Das FSM hielt ihm eine Tüte hin: „Popcorn?“

Ja tatsächlich, die FSVK diskutierte über Religionsfreiheit oder zumindest so ähnlich. Es versammelten sich immer mehr GöttInnen, Heilige und Fabelwesen im AZ, um die spannende, sie alle betreffende Debatte nicht zu verpassen. Bald stießen auch literarische sowie Film- und Comic-HeldInnen dazu; selbst ein Drittel der Dreifaltigkeit kreuzte auf. Der Raum wäre viel zu klein gewesen, wenn es sich bei den ZuschauerInnen um reale Personen gehandelt hätte. Als immaterielle Entitäten stapelten und schoben sie sich jedoch problemlos ineinander. Halb amüsiert, halb staunend lauschten sie der Diskussion.

Jesus und Jedis ratlos

Ein eigentlich simples Anliegen trug ein Fachschaftsvertreter seinen KollegInnen vor, nämlich ob die Zuschüsse, die für Weihnachtsfeiern innerhalb von Fachschaftsräten bereitstehen, nicht auch anderen religiösen Feiern ebenso zustünden. Konkret ging es um ein muslimisches Fastenbrechen in einem FSR, das auch Nicht-MuslimInnen offenstand und zugleich als Teambuilding-Maßnahme dargestellt wurde.

Dass grundsätzlich alle Religionen und ihre religiösen Feste gleichbehandelt werden sollten, da war sich die FSVK einig. Man konnte jedoch auch ein deutliches „aber“ in der Diskussion vernehmen: Hätten an einer Uni mit Studierenden aus so vielen Kulturen nicht sämtliche religiösen Gruppen Anspruch auf Förderung ihrer Feste? Reicht dazu das Geld? Dann könnten auch sämtliche christliche Namenstage gefeiert werden, und Jedi-Jünger und Pastafarians (AnhängerInnen des Spaghettimonsters) dürften ebenso Fördergeld beantragen.

„Ernst meinen die das?“, wollte Yoda vom Fliegenden Spaghettimonster wissen. Grübelnd kratzte sich das FSM an den Fleischbällchen: „Ich glaube nicht. Any thoughts, Jesus?“ – „Die meisten haben ein komisches Verhältnis zur Religion, so zwischen Ablehnung, Unverständnis und ironischer Distanz“, erklärte Jesus. „Eigentlich eine gesunde Einstellung, aber die können sich gar nicht mehr vorstellen, dass andere Leute überhaupt religiöse Gefühle haben.“ – „Aha“, macht Yoda. „Durch Kakao gezogen fühlen sich einige müssen, wenn Jedi und Spaghettimonster in Diskussion über religiöse Feste werden genannt?“ – „Amen, mein junger Padawan!“ sagte Jesus.

Alle gleich unterdrücken

„Ha, geil“, lachte das FSM. „Jetzt sagt einer, Weihnachten ist gar kein religiöses Fest und die Fachschaften machen nur Jahresendfeiern. DDR, oder was?“ – „Naja, so richtig religiös ist es nicht mehr“, seufzte Jesus. „Nur noch Kommerz. Ostern sollten die mal feiern. Ist eh das wichtigere Fest.“ – „Wegen der Eier oder der Karnickel?“ fragte das FSM. – „Nein, du alter Heide“, zischte Jesus. „Auferstehung von den Toten. Verglichen mit ’ner Geburt ist das echt mal’n Kunststück. Bin schon gespannt, wie sie in der nächsten Staffel ‚Game of Thrones‘ den einen Typen reanim …“

„Boah, Jesus, Du Arsch, nicht spoilern“, schrie das Plenum metaphysischer Gestalten den Heiland nieder. Jetzt hatten sie ganz verpasst, wie die Diskussion der FSVK weiterging.

„Ich glaub, die haben jetzt doch entschieden, FSR-intern lieber gar nichts Religiöses oder Kulturelles mehr zu fördern“, sagte das FSM.

„Sehr weise, dann werden wenigstens alle gleich unterdrückt, äh, behandelt“, nickte Jesus zufrieden.

„Kommunist!“, rief das FSM.

„Wie auch entschieden sie haben, möge die Macht mit ihnen sein“, resümierte Yoda.

„Macht?“, prustete das FSM. „Du alte Ulknudel. Das ist ein studentisches Gremium.“

:Johannes Opfermann