Psychische Erkrankungen während der Coronakrise
Mental Health
Bild:bena
Telefon-Hotlines, Beratung per Video-Chat und Onlineprogramme: Menschen mit psychischen Problemen können auch von zuhause Hilfe finden.
Telefon-Hotlines, Beratung per Video-Chat und Onlineprogramme: Menschen mit psychischen Problemen können auch von zuhause Hilfe finden.

Psychische Gesundheit. Während der COVID-19 Pandemie haben einige Personengruppen mit Schwierigkeiten zu kämpfen; dabei kann die Psyche oft darunter leiden. Wir haben mit einem Experten darüber gesprochen, warum psychisch erkrankte Menschen aktuell verstärkt Probleme haben und wo sie Hilfe finden können. Außerdem haben wir Euch befragt, was Euch als Studierende momentan besonders psychisch belastet.

,,Die mit dem Corona-Virus verbundenen Ängste und Einschränkungen stellen für psychisch erkrankte Menschen große Herausforderungen dar. In der Depression werden immer bestehende negative Lebensaspekte, zurzeit zum Beispiel die Corona-Pandemie, aufgegriffen, vergrößert und ins Zentrum gerückt. Die Situation wird also noch schlimmer erlebt‘‘, erklärt Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Universität Frankfurt am Main. ,,Die Menschen haben keine Energie, um sich auf die neue Situation einzustellen. Es fällt Ihnen sehr schwer den Tag zu strukturieren.‘‘ Dies könne beispielsweise dazu führen, dass sie sich ins Bett zurückziehen; ebenfalls eine fehlende Schlafroutine sei ein Faktor, der Depressionen negativ beeinflusst (Mehr zu Schlafstörungen in der :bsz 1243). ,,Auch die mit dem Virus einhergehenden Maßnahmen machen Menschen mit Depression zu schaffen‘‘, so Hegerl.

Neben der verstärkt belastenden Situation gibt es auch weniger Hilfsangebote für psychische erkrankte Menschen. Hegerl erklärt: ,,In der Corona-Krise wurde die Versorgung für depressive Menschen runtergefahren. Kliniken haben vorübergehend Patienten entlassen und viele Patienten trauten sich aus Angst vor einer Ansteckung nicht zum Psychotherapeuten.‘‘ Es  gibt auch einige Empfehlungen zur Selbsthilfe. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veröffentlichte ,,Hinweise an Depression erkrankte Menschen während der Corona-Krise‘‘. Eine ausführliche Liste finden Interessierte unter deutsche-depressionshilfe.de/corona. Auf die Nachfrage, ob es speziell für Studierende mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen Empfehlungen gebe, sagt Hegerl: ,,Hilfreich ist es, einen festen Schlaf-Wachrhythmus einzuhalten, sich sorgfältig Gedanken machen, was man sich für den Tag und die ganze Woche vornimmt und die Krise auch als Chance sehen, Dinge zu tun, die bisher durch die größere Geschäftigkeit liegen geblieben sind, oder Neues auszuprobieren.‘‘ 

Anlaufstellen in Bochum und Deutschland

  • Die psychologische Studienberatung der RUB bietet aktuell keine Beratung vor Ort an. Jedoch sind die Mitarbeiter*innen täglich in Ihrer Sprechstunde von 10 bis 11 Uhr über 0234 32 23860 für Euch da; dabei können auch Videoberatungen und über psychberatung@rub.de Termine zur ausführlichen telefonischen Beratung vereinbart werden.

 

  • Das Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit der RUB bietet montags bis freitags eine anonyme Hotline an, an die sich RUB-Angehörige sowie Bochumer Bürger*innen wenden können, wenn sie aufgrund der Coronakrise unter psychischem oder familiärem Stress leiden. Erwachsene können sich von 18 bis 20 Uhr über 0234-3221100, Kinder, Jugendliche und Eltern von 16 bis 18 Uhr über 0234-3221101 beraten lassen.

 

  • Das LWL-Uniklinikum Bochum bietet ebenfalls eine Corona-Hotline an, bei der sich Bochums Bürger*innen montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr über 0234 50774567 melden können.

 

 

  • Das kostenfreie Online-Programm ,,iFightDepression‘‘ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe wird normalerweise unter ärztlicher oder psychotherapeutischer Begleitung verwendet, ist aber bis Ende Juni auch ohne Begleitung zugänglich. „Das digitale Angebot unterstützt Menschen mit leichteren Depressionsformen ab 15 Jahren beim eigenständigen Umgang mit der Erkrankung. Durch Übungen lernen sie zum Beispiel, den Tag zu strukturieren, negative Gedankenkreise zu durchbrechen und bei sich selbst den Zusammenhang zwischen Schlaf und Stimmung am nächsten Tag zu verstehen‘‘, erklärt Hegerl.

 

  • Auch das anonyme, kostenlose Online-Programm ,,moodgym‘‘ (moodgym.de) kann bei der Selbsthilfe gegen Depressionen oder ängstlichen Beschwerden helfen. Es wird von der psychologischen Studienberatung der RUB empfohlen.               

:leda

:bsz fragt!

Corona, Studium und Mental Health: Wir haben nach Euren Erfahrungen gefragt. Hier sind einige anonymisierte Antworten.

"Der Workload ist zu hoch! Ich bin seit Semesterbeginn am Schreibtisch festgenagelt. Die Abwechslung und der Ausgleich  fehlen komplett!"

 

 

 

 

 

 

 

"Wenn das Internet funktioniert, kann ich an einigen Zoomseminaren teilnehmen, aber mein Problem liegt eher zuhause: Ich würde gerne ausziehen, kann dies aber nicht tun, da ich dafür nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfüge. Die Situation ist nicht einfach."

 

 

 

 

 

 

 

"Ich verspüre erhöhte Empfindlichkeit und geringeres Selbstbewusstsein. Zudem habe ich das Gefühl, unsozialer zu sein als andere."

 

 

 

 

 

 

 

"Für manche reichen jetzt Referate nicht mehr, sondern es werden wöchentliche Abgaben gefordert."

 

 

 

 

 

 

 

:bena

Co-Autor(in):