Was macht eigentlich das frisch gewählte Autonome AusländerInnen-Referat?
Menschliche Internationalisierung
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Vermitteln zwischen den Kulturen: AAR-Mitglieder (von links) Donald Sejine, Thi Hoai Pham und Ömer Avci. Foto: mar
Vermitteln zwischen den Kulturen: AAR-Mitglieder (von links) Donald Sejine, Thi Hoai Pham und Ömer Avci.

In der vergangenen Woche waren Wahlen: Die Mitglieder des Autonomen AusländerInnen-Referates (AAR) der Ruhr-Universität stehen fest. Die Wahlbeteiligung war dabei aus verschiedenen Gründen erschreckend niedrig. Ihre Stimme abgeben durften alle, die an der RUB eingeschrieben sind und keinen deutschen Pass haben. Auch deutsche Studierende dürfte die Arbeit des AAR interessieren – nicht nur, weil sie es mitfinanzieren. Die :bsz sprach mit dem Referenten Donald Sejine und der Referentin Jisra Najras über die Wahl, ihre Arbeit und die Aufgaben des Referates.

Die meisten Gremien an der Uni sind zumindest von studentischer Seite demokratisch legitimiert. Es wählen entweder die Studierendenschaft, die Angehörigen einer Fachrichtung oder indirekt ein Gremium VertreterInnen eines anderen. Das ist etwa beim Vorstand des Allgemeinen Studierendenauschusses (AStA) der Fall, der vom Studierendenparlament (StuPa) gewählt wird. Das Autonome AusländerInnen- Referat wird zwar vom AStA – und damit von der gesamten Studierendenschaft – finanziert, hat aber bei der Verwaltung dieses Budgets freie Hand, und wird von ihrer Zielgruppe, ausländischen Studierenden, gesondert gewählt; daher der Namenszusatz „autonom“. Diese Wahlen fanden von Montag, den 20. Januar, bis Mittwoch, den 22. Januar, statt. Ob man bei 49 abgegebenen Stimmen (immerhin mehr als letztes Jahr) tatsächlich von einer demokratischen Legitimierung sprechen könne, sei dahingestellt. Dass das Referat aber für eine Minderheit unter den Studierenden, die für die Internationalisierungspläne der Universität unabdingbar ist und immer größer werden dürfte, unverzichtbare Arbeit leistet, steht außer Frage.

Maues Interesse

Dass die Wahl so schleppend verlief, hat, so Referent Donald Sejine, viele Ursachen: Zum Einen ist die Wählerschaft ohnehin nicht so groß, zum anderen ist die Wahlbeteiligung an der RUB ohnehin auch eher gering (bei der StuPa-Wahl vor zwei Wochen waren es 14,57 Prozent). Hinzu kommt, dass sich die beiden antretenden Listen – die Multikultiliste, für die Donald angetreten ist und die mit der Linken Liste (LiLi) zusammenarbeitet, sowie die Internationale Liste – darauf geeinigt haben, keinen Wahlkampf (gegeneinander) zu führen. Es gehe ja um die gleichen Ziele. Außerdem sei eine Art Wahlmüdigkeit eine Woche nach den StuPa-Wahlen zu beobachten.

Multikulturelle Starthilfe

Die nun gewählten sieben ReferentInnen sehen ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung junger Menschen, die zum Studieren nach Bochum gekommen sind oder noch kommen wollen. So kümmert sich das Referat etwa um die Voranmeldung in den entsprechenden Konsulaten, damit die Studierwilligen ein Visum für Deutschland bekommen. Donald möchte die Hilfe, die er vor Ort erhalten hat, als er vor drei Semestern aus Kamerun für sein Maschinenbaustudium nach Bochum gekommen ist, weitergeben. Er kümmert sich um die französisch sprechenden Studierenden, insbesondere aus der Subsahara. „Ich helfe ihnen dabei, sich hier zurechtzufinden. Die Sprache lernen, ein Konto eröffnen, die ganze Bürokratie“, erzählt er. „Ich weiß, wie ich es gemacht habe, bei mir hat alles gut geklappt und das will ich anderen zeigen.“ Die anderen ReferentInnen sind ebenfalls als AnsprechpartnerInnen für Zugezogene da, nach Möglichkeit aus den entsprechenden Kulturkreisen. Im Referat gibt es französische, englische, türkische, kurdische, vietnamesische, chinesische und arabische MuttersprachlerInnen, die zur Not auch weitere Fremdsprachen – etwa spanisch – sprechen. Daneben organisiert das Referat möglichst kulturell vielfältige Veranstaltungen wie den afrikanisch-kurdischen Abend im Januar.

Viel Kohle für Sprachkurse, Hilfsfonds, Arbeit, Kultur

Jisra Najras, die sich in ihrem Studienfach SoWi auf Migrationssoziologie spezialisiert hat, unterstreicht die Bedeutung der Informationsarbeit des Referates. Das AAR hilft, sich mit Studienordnungen und deutschen Gesetzen auseinanderzusetzen. Es werden Anlaufstellen vermittelt, Kontakte hergestellt und auch Interessen nach außen vertreten. So sieht sich das Referat nicht nur als Mittler zwischen Studierenden und Uni-Verwaltung oder auch Konsulat, sondern auch als ausländische Interessenvertretung gegenüber dem AStA, etwa wenn es um die umstrittene Finanzierung der Deutschkurse für Studierende aus dem Ausland geht. Diese seien laut Jisra „die günstigsten“ und seien gleichzeitig „sehr gute“ Kurse. Ohne eine Finanzierung durch den AStA könnten sich viele AusländerInnen ein Studium hier gar nicht erst erlauben. Auch ohne die Kosten für einen Sprachkurs kann es (nicht nur) bei ausländischen Studierenden zu finanziellen Engpässen kommen. Um auch da auszuhelfen, hat das AAR einen Hilfsfonds eingerichtet, aus welchem Bedürftige im Semester 200 Euro beantragen können. Das tun im Monat laut dem Kameruner durchschnittlich zehn Studierende. Der Topf speist sich vor allem aus Spenden von Lehrenden der Uni und Organisationen. Die ReferentInnen selbst bekommen eine Aufwandsentschädigung für ihre Arbeit.

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