Kommentar: 70 Jahre UNO: Brauchen wir die Institution überhaupt noch?
Mehr UNO, weniger Alleingänge!
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Klare Antworten für eine Reform – aber auch für die Wichtigkeit dieser Institution: "taz"-Journalist Andreas Zumach. Foto: tims
Klare Antworten für eine Reform – aber auch für die Wichtigkeit dieser Institution: "taz"-Journalist Andreas Zumach.
In diesem Jahr feiern die Vereinten Nationen ihr 70-jähriges Bestehen, doch Grund zur Freude gibt es kaum. 260 Kriege seit 1945, die Bürgerkriege in Syrien, Libyen und im Irak unter dem allgegenwärtigen Islamischen Staat. „Wo ist die UNO?“, fragt sich nicht nur Andreas Zumach, Volkswirt und Journalist der „taz“, als er im Rahmen des Friedensforums Essen sein Buch vorstellt. 
 
Wird die Friedensorganisation übersehen? Hat sie überhaupt noch eine Funktion und wo war sie, als syrische Geflüchtete auf die Essensrationen der UNO warteten und den Vereinten Nationen das Geld ausging? Eine Reform ist unumgänglich, damit sich die Organisation neu aufstellt. Über die generelle Rolle darf es dabei keine zwei Meinungen geben: Sie ist trotz der gegenwärtigen Krisen wichtiger denn je!
 
Kennt Ihr eigentlich die UNO? Wisst Ihr, was sie tut beziehungsweise nicht tut und welchen Einfluss sie hat? Ihre Rolle ist für Laien, aber eben auch für SozialwissenschaftlerInnen nicht direkt ersichtlich. Und darin besteht auch das Grundproblem dieser Institution, die eigentlich erste Ansprechpartnerin bei internationalen Konflikten sein soll. Und davon gibt es genug. Das Jahr 2014 war von internationalen Katastrophen bestimmt und nicht nur gefühlt eines der krisenreichsten Jahre, die noch nicht gelöst sind.

Reform und Rolle rückwärts

Kofi Annan, ehemaliger UN-Generalsekretär, hatte schon 2005 Reformvorschläge gemacht, die bis heute noch nicht ansatzweise umgesetzt wurden. Abgesehen von einer chancenlosen Neugestaltung des UN-Sicherheitsrates mit möglicher deutscher Beteiligung gibt es eine Reihe von Vorschlägen, die umgesetzt werden könnten: Eine transparente Finanzpolitik, um den Doppelhaushalt der Institution klarer darzustellen, besseres Katastrophen-Management, um Hungerkrisen in Flüchtlingslagern (zuletzt in Syrien) zu vermeiden und eine bessere Kooperation mit der NATO und den Mitgliedsstaaten, um Alleingänge der Veto-Mächte wie im Irak, Syrien, Libyen oder in der Ukraine zu vermeiden. Kooperieren, koordinieren und agieren!
 
:Tim Schwermer