Studie liefert Daten
Mehr Betrug bei Online-Klausuren
Symbolbild
Schummeln vor den Bildschirmen: Durch die Pandemie hatten Studis mehr Möglichkeiten zu mogeln.

Prüfungen. Erste Zahlen zeigen, was Unis und Studis bereits vermuteten: Während der digitalen Lehre nahmen die Betrugsversuche zu.

Mit dem Beginn der Onlinesemester stellten sich vielen Studierenden und Dozierenden schnell die Frage, ob Online-Klausuren zum Schummeln einladen. Die Ruhr-Uni führte daher im vergangenen Sommersemester eine Kamerapflicht bei Online-Klausuren ein (:bsz 1278). Auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) sprach sich für Klausurformate aus, die weniger betrugsanfällig sind um die Rechtssicherheit der absolvierten Prüfungen sicherzustellen (:bsz 1279). Nun liefert ein Vorabdruck einer Studie von Forschenden der Universitäten Mannheim, Koblenz/Landau und Augsburg erste Daten, die den Verdacht bestätigen. So haben 61,7 Prozent der etwa 1.600 Studierenden, die an der Studie teilnahmen, angegeben, dass sie während Online-Klausuren betrogen haben, beispielsweise indem sie unerlaubte Hilfsmittel verwendeten oder sich per Smartphone mit anderen Studierenden austauschten. Dies entspricht etwa doppelt so viel wie bei Präsenzklausuren: dort gaben rund 31,7 Prozent der befragten Studis zu, gemogelt zu haben. Dies habe negative Auswirkungen auf die akademische Integrität, insbesondere wenn der Eindruck bestehe, dass Täuschungsversuche ungeahndet bleiben, so die Studienverfasser:innen.
Hochschulen müssten nun Methoden finden, Online-Prüfungen sicher zu gestalten, heißt es von Wissenschaftler:innen. Eine Möglichkeit sei die Videoüberwachung. Dabei fehle es Unis jedoch noch an Anwendungsregeln und der nötigen Ausstattung. Andere Methoden wie das sogenannte Proctoring bringen zudem erhebliche Datenschutz-Probleme mit sich.

Die hohe Zahl der Betrugsfälle ist jedoch keine Neuigkeit. Denn in vorherigen Studien haben die Mehrheit der Studierenden angegeben, geschummelt zu haben. Nicht immer wird dies auch erkannt. Doch wie aktuell der Fall der ehemaligen Familienministerin Franziska Giffey (SPD) zeigt, bleibt nicht jeder Betrug unentdeckt. Giffey wurde nun der Doktorgrad entzogen, nachdem sich Textpassagen ihrer Dissertation als Plagiat herausstellten. 

:Stefan Moll

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