Vorträge zu „Whiteness“ bei dreitägiger Konferenz in Bochum und Dortmund
Mehr als nur eine Hautpigmentierung
Foto: Mulungu95
Die (historischen) Auswirkungen von Privilegien für Weiße: Apartheid in Südafrika. Foto: Mulungu95
Die (historischen) Auswirkungen von Privilegien für Weiße: Apartheid in Südafrika.

Weiß ist nicht nur eine Farbe oder ein Abgrenzungsmerkmal, sondern auch ein (politisches) Identitätskonstrukt, das sich sozio-kulturell ausprägt. Die Konferenzbeiträge am 12. Januar beleuchteten, wie Weiß-Sein in verschiedenen Medien behandelt wird und welche Auswirkungen es auf diejenigen hat, die aus der Kategorie herausfallen.

Gleich zu Beginn der Konferenz stellte Dozent Matt Wray die Kategorie des Weiß-Seins in Frage, indem er bezweifelte, dass weiße AmerikanerInnen eine einheitliche Gruppe darstellten, die sich vor allem durch ihren „privilegierten Status und ihre meritokratische Einstellung“ auszeichne. Stattdessen fächerte er das weiße Amerika soziologisch auf und wies auch auf die (weißen) unterprivilegierten AmerikanerInnen und ihre Anti-Establishment-Haltung hin.

Dass Weiß-Sein allein auf die Mittelschichten zu beschränken ist, stellte auch Katrin Becker von der Universität Hamburg mit ihrem Beitrag „White = Middle Class?! The Intersection of Ethnicity and Class in Postcolonial Fictions by Contemporary British Novelists“ in Frage. Sie thematisierte, wie britische AutorInnen wie Zadie Smith die Konstruktion des Weiß-Seins anhand von ethnischen Kategorien sowie dem Zusammenhang zwischen der ethnischen und der sozialen Klassenzugehörigkeit darstellen.

Weiß-Sein nicht nur im anglophonen Raum Thema

Den Sprung aus dem anglo-amerikanischen Raum wagte die Doktorandin der Amerikanistik Anne Potjans, deren Vortrag sich mit afro-deutschen Kindern in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft am Beispiel des Buches „Daheim Unterwegs“ von Ika Hügel Marshall auseinandersetzte. Mit ihrem Beitrag machte Potjans deutlich, dass Weiß-Sein und die mit dem Konzept verbundene Aus- und Abgrenzung historisch geprägt und verwachsen sind, was die Konferenz aus ihrem sonstigen Gegenwartsbezug heraushob. Zudem zeigte sie, dass „Rassismus und rassistisches Gedankengut in der Bundesrepublik auch nach 1945 fortbestanden“.

Ähnlich wie Potjans analysierte auch Christi van der Westhuizen, Privatdozentin in Prätoria, den nicht-anglo-amerikanischen Raum, indem sie sich mit dem Fortleben und der Neuaneignung von rassistischen Diskursen durch die weiße Mittelschicht im Post-Apartheid-Südafrika beschäftigte.

Ein kritischer Blick auf das eigene Selbstverständnis

Die Konferenz bestach insgesamt durch ihre inhaltliche Vielfalt und ihre Analyse von verschiedenen Medien wie Film, Fernsehen und Literatur. Sie war dabei breit und interdisziplinär aufgestellt. Insgesamt analysierte die Konferenz das Weiß-Sein in seinen vielfältigen Ausprägungen und Facetten und lieferte eine gegenwartsbezogene Bestandsaufnahme, mit gelegentlichen historischen Rückblicken. Sie bewies damit, dass Weiß mehr ist als eine Hautpigmentierung. Angesichts von Trump und Brexit warfen die Beitragenden einen kritischen Blick auf das weiße Selbstverständnis und wie es weiterhin die Welt formt und strukturiert.

Gastautor :Jan Freytag

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