Monopolismus und Konsum: Die Folgen der Maßlosigkeit
Müssen wir jeden Tag Fleisch essen?
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Tönnies-Imperium: Hier wird geschlachtet, was das Zeug hält. Foto: tims
Tönnies-Imperium: Hier wird geschlachtet, was das Zeug hält.

Die Weihnachtszeit ist vorbei und mit ihr auch die Völlerei, der unbegrenzte Fleischkonsum: Zwischen dem obligatorischen Gänsebraten und dem Fleischsalat mit einem Brühwürstchen passten bestimmt noch die Rinderrouladen und die Hühnersuppe in den Magen. Es offenbart die Ausmaße des westlichen Fleischkonsums, doch ist sie nur der jährliche Höhepunkt einer perversen Entwicklung: Die Gier nach billigem Fleisch ohne Rücksicht auf die beängstigenden Folgen für Tier und Mensch.

Bertolt Brecht wusste schon 1931, dass eine einseitige und monopolistische Fleischproduktion nur einer Person helfen wird: Dem Monopolisten selbst, dem Fleischkönig! In seinem Roman „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ hieß dieser Pierpont Mauler, der die Fleischpreise diktierte, seine Belegschaft systematisch ausbeutete und eine amerikanische Gesellschaft ins Verderben führte. Die 1930er Jahre waren auch in der wirklichen Welt der Beginn der industriellen Fleischproduktion, die ihren Weg aus den USA auch nach Deutschland, ins ostwestfälische Rheda-Wiedenbrück gefunden hat. Der Fleischkönig von heute heißt nicht Mauler, sondern Clemens Tönnies, der mit seinem Familienbetrieb innerhalb der letzten 20 Jahre zu Europas größtem Fleischproduzenten aufgestiegen ist und das mit einem Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro.

„Ringsum versinken Menschen und keiner schaut her!“...

… schreibt Brecht und man fragt sich: Wie konnte das passieren? Durch den Einsatz von modernsten Schlachtmethoden mit Hightech und vor allem durch die billige Arbeitskraft einer Schattenarmee aus Osteuropa, die bei Tönnies für einen Hungerlohn arbeitet, am Rande der Stadt in ArbeiterInnen-Kaschemmen ein sozialversicherungsfernens Schattenleben führt, damit wir,  die KonsumentInnen, jeden Tag in den Genuss von Antibiotika verseuchten Fleischwaren kommen, die günstiger sind als jegliches gesundes Gemüse, das sich weniger gut verdienende Menschen schwierig leisten können. Der Fleischpreis ist durch Effizienzsteigerung und der Produktionsausweitung in den letzten 50 Jahren gleich geblieben, Geld verdienen kann man nur durch Masse – mehr Vieh in kürzester Zeit mit dem Einsatz von prekären Arbeitsverhältnissen kombiniert mit einem Schuss Antibiotika – Willkommen im Fleischland Europas Nr.1.

„Sorgt doch, dass ihr die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern eine gute Welt!“

Was sind die Folgen? Abgesehen von einem gewollten Massensterben der Schweine entwickeln sich resistente Keime, gegen die kein Antibiotikum hilft, was wiederum dem Gesundheitssystem schadet. Vielleicht sollte man sich darüber bei zukünftigem Fleischkonsum Gedanken machen. Clemens Tönnies baut sein Imperium weiter aus und steigt in die Pharmaindustrie ein. Er vertreibt nun den Grundstoff für den Blutgerinnungshemmer Heparin – welch perverse Ironie.

:Tim Schwermer