Kommentar: Da kreischen die Deutschen: „Germany’s next Topmodel“ geht in die elfte Runde
Mögen die Spiele beginnen!
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Auf die High Heels – fertig – los: Heidis Modepüppchen stöckeln wieder um die Wette. Illustration: Designed by Freepik
Auf die High Heels – fertig – los: Heidis Modepüppchen stöckeln wieder um die Wette.

Eine Horde dünner Teenies in High Heels kämpfen um den Traum, wandelnder Kleiderständer der Nation zu werden – Heidis Modelfabrik hat wieder Einzug in deutsche Wohnzimmer gehalten. Am  4. Februar ging es in der Auftaktshow um Fashion Battles, zu gut deutsch: Modekämpfe. Drama. Das der JurorInnen, der „Määäääädchen“ und nicht zuletzt das große Battle Fans vs. KritikerInnen der Castingshow.

Neues Jahr, „neues“ Konzept: Zwei Teams kämpfen gegeneinander unter der Führung der Juroren Thomas Hayo und (neu dabei) Michael Michalsky – natürlich steht Modelmama Heidi als „neutrale Instanz“ über dem Ganzen. Welch innovative Idee, die man natürlich nicht aus Shows wie „The Voice of Germany“ oder der nach einer Staffel abgesetzten Vox-Show „Das perfekte Model“ (in der Michalsky rein zufällig damals Gastjuror war) kennt …

Sugar-Model-Daddy

In der Auftaktshow „battelten“ sich erstmal die beiden männlichen Juroren um die angehenden Models. Irgendwie pervers, wenn sich zwei Männer mittleren Alters um junge Mädchen streiten, die nicht mal halb so alt sind wie sie selbst – und letztlich die Madame (pardon, Modelmama) den Herren ihre Lolitas zuteilt … Und wie die Mädchen sich freuen und „ihrem“ Model Daddy in die Arme fallen!

Gefundenes Fressen jedenfalls für KritikerInnen der Castingshow, tadeln sie doch seit Jahren die fragwürdigen Werte, die die Sendung an junge Mädchen vermittelt: Möglichst dünn sein, lächelnd auf High Heels durch die Gegend stöckeln, immer brav auf Kommando die Kleidung fallen lassen und am besten jedeN abknutschen, der/die die Karriere in Schwung bringen könnte.

Gleich und gleich ...

Im „Express-Yourself-Walk“ durften die Mädchen Abschied von ihrem wahren Selbst nehmen, bevor sie im weiteren Verlauf der Show in brav funktionierende Kleiderdrohnen umgewandelt werden. Ach nee, denn der Michalsky findet Individualität ja ganz toll, deswegen fällt ihm bei jeder wieder ein: „Und genau sowas buche ich immer!“ Gravierende Unterschiede kann man bei den meisten angehenden Models allerdings nicht erkennen – die eine ist eben blond und fröhlich-verrückt, die andere brünett und schüchtern. Hübsch sind sie eigentlich alle.

Vergleicht man die deutsche Show mit dem amerikanischen Original, sieht man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine viel größere Diversität: Am auffallendsten sind natürlich die männlichen Models, die seit 2013 mit den Mädels konkurrieren dürfen. Aber auch Models, die nicht den gängigen Maßen entsprechen – die zum Beispiel älter als 25, 160 cm klein oder 1,89 cm groß sind oder sich im Plus-Size-Segment bewegen – sieht man bei America’s Next Top Model regelmäßig. Von sowas kann Heidi wohl nicht mal träumen – bei den diesjährigen Mädchen findet sich so etwa die unglaubliche Größenspanne von 174 bis 180 cm.

Welche Kandidatin sich wohl in welche(n) JurorIn verliebt, wer über wen lästert, ob die Kandidatinnen mit Anfang 20 zu alt zum Laufen lernen sind? Diese und weitere spannenden Fragen werden wir wohl über die nächsten Wochen beantwortet kriegen … ob wir wollen, oder nicht!  

:Stefanie Lux

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