Werksquerschnitt des Avantgarde-Künstlers Kasimir Malewitsch noch bis Juni in Bonn
Kunst zum Quadrat
Kasimir Malewitsch
Zwei Selbstportraits von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (1879–1935): links an der Schwelle zum Kubofuturismus, rechts mitten im Suprematismus.
Zwei Selbstportraits von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (1879–1935): links an der Schwelle zum Kubofuturismus, rechts mitten im Suprematismus.

Kreise und Rechtecke, Kreuze und Dreiecke in verschiedenen Farben sind auf einer Leinwand arrangiert: gleich mehrere solcher sogenannten „suprematistischen Kompositionen“ von Kasimir Malewitsch bilden das Herzstück einer Ausstellung, welche die Bonner Bundeskunsthalle dem Avantgarde-Künstler gewidmet hat. Noch bis 22. Juni dauert die Ausstellung, ein Ausflug in die alte Bundeshauptstadt – mit freier Fahrt dank NRW-Ticket – lohnt sich.

Die Ausstellung „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ führt in dreizehn Räumen chronologisch durch alle Schaffensphasen Malewitschs (1879–1935) und zeichnet seine Laufbahn als Künstler nach, von impressionistischen Anfängen über den Kubofuturisums hin zum Suprematismus (lat. supremus – der höchste), einer von ihm theo­retisch begründeten Kunstrichtung. Unter diesem Begriff verstand er Folgendes: „Der Suprematismus ist der Beginn einer neuen Zivililsation. Schöpfung existiert nur dort, wo die Malerei Formen präsentiert, die nichts von dem nehmen, was in der Natur erschaffen worden ist.“ Von naturalistischer Malerei hatte sich Malewitsch über zunehmend abstrakte Formen immer weiter entfernt hin zu jenem radikalen Kunstprogramm, das sich in den Jahren vor der russischen Revolution entfaltete und mit offizieller Förderung in der jungen Sowjetunion seine Blüte erreichte. Die russische Avantgarde nahm zu ihrer Zeit eine künstlerische Vorreiterrolle ein, bis sie der von Stalin propagierten Kunstnorm des sowjetischen Realismus weichen musste. Diesem versuchte sich Malewitsch in seinem Spätwerk wieder ein Stück weit anzunähern, ohne den Suprematismus gänzlich zu verwerfen. Beispiele dieses sogeannten Supranaturalimus finden sich auch im letzten Teil der Ausstellung.

Das berühmteste Werk fehlt

Am bekanntesten dürften aber Malewitschs suprematistische Kompositionen sein – sein berühmtestes Bild ist das „Schwarze Quadrat“. Gerade dieses fehlt in der Bonner Ausstellung, was schade ist, wird es doch im Audio-Guide mehrfach genannt, und spielt es doch so eine zentrale Rolle in Malewitschs Kunstprogramm.
Dennoch ist es bemerkenswert, wie viele Bilder von Malewitsch aus unterschiedlichen Sammlungen und Museen für die Bonner Ausstellung zusammengetragen wurden; diese war zuvor in etwas umfangreicherer Form in Amsterdam zu sehen. Das „Schwarze Kreuz“, das „Rote Quadrat“, auch dreidimensionale suprematistische Konzepte, Architektone genannt, werden ausgestellt. Dazu gibt es zahlreiche Skizzen und Notizen sowie didaktische Schaubilder aus Malewitschs Lehrtätigkeit.

Malewitsch-Fokus erschwert Einordnung

Andere Avantgarde-VertreterInnen waren hingegen kaum vorhanden, was angesichts des zweiten Teils des Titels – „und die russische Avantgarde“ – überraschen mag. Malewitschs herausragende Rolle, nicht nur als Künstler, sondern auch als Theoretiker, wird deutlich. Dennoch macht die etwas zu starke Fokussierung auf ihn eine Einordnung schwer. So verweist der Audio-Guide beispielsweise an einer Stelle auf die Avantgarde-Künstlerinnen Alexandra Exter und Ljubow Popowa, aber nur ein einzelnes Exponat der Letzteren wird zwischen Schriften und Entwürfen von Malewitsch in einer Tischvitrine ausgestellt. Ohne Vorwissen fällt es daher schwer, Malewitschs Position innerhalb der Avantgarde und in der Kunstgeschichte zu beurteilen.

Es sollen sich aber keineswegs nur diejenigen angesprochen fühlen, die sich zum Beispiel als Studierende der Kunstgeschichte oder der Russischen Kultur schon mit der Avantgarde beschäftigt haben. Ohne Vorwissen können die Bilder dann vielleicht sogar eine stärkere Wirkung auf die BetrachterInnen ausüben. Die revolutionäre Sprengkraft von Malewitschs gegenstandsloser Malerei lässt sich dabei freilich nicht rekreieren – ebensowenig wie der Skandal, den seine erste Ausstellung auslöste; er hatte die Bilder so arrangiert wie eine traditionelle russische Ikonenecke.

Museumsguide monolingual

Es ist in jedem Fall zu empfehlen, sich mit einem Audio-Guide durch die Ausstellung zu bewegen, der für Studierende auch ermäßigt ist. Unverständlich hingegen bleibt, dass der Audio-Guide nur auf Deutsch verfügbar ist. Das internationale Publikum mag zwar schon die Amsterdamer Malewitsch-Ausstellung besucht haben, aber die dort sicher vorhandene englische Version hätte man auch für Bonn anpassen können. Die alte Bundeshauptstadt ist es zwar nicht gerade einen Katzensprung von Bochum entfernt, aber Dank NRW-Ticket für Studierende kostenlos zu erreichen. Es lohnt durchaus, die freie Fahrt auch jenseits des Ruhrgebiets zu nutzen, um Malewitsch in der Bundeskunsthalle einen Besuch abzustatten, oder auch einem der anderen Museen entlang der Museumsmeile.

:bszinfo

Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde

noch bis zum 22. Juni 2014

Bundeskunsthalle
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4

Di., Mi. 10–21 Uhr
Do. - So., an Feiertagen 10–19 Uhr

Eintritt: 10 Euro / 6,50 Euro erm.
Audioguide: 4 Euro / 3 Euro

Weitere Infos unter:
www.bundeskunsthalle.de