Das Akronymicon – :bsz knackt den Gremiencode XI: ASR – Politische Kontinuität durch Unabhängigkeit vom AStA
Konsens statt Kristallkugel
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Sebastian vom Schwulenreferat: Schmeißt den Laden zusammen mit seinem Kollegen Dennis. Foto: USch
Sebastian vom Schwulenreferat: Schmeißt den Laden zusammen mit seinem Kollegen Dennis.

Vier AStA-unabhängige Autonome Referate (ARs) setzen sich an der Ruhr-Uni verstärkt für die Interessen gesellschaftlicher Gruppen ein, die immer noch mit Diskriminierung und mangelnder Gleichstellung zu kämpfen haben. In der letzten Ausgabe haben wir Euch bereits das Autonome AusländerInnenreferat vorgestellt. Gerade im Aufbau befindet sich zudem das neu gegründete AR für Menschen mit Behinderungen und sämtlichen Erkrankungen, während das Frauen- und Lesbenreferat gerade eine Umstrukturierung diskutiert. In den Blick nehmen möchten wir diesmal die Aktivitäten des Autonomen Schwulenreferats (ASR).

Was die Arbeit in Autonomen Referaten spannend macht, ist der Fokus auf ihre Eigenständigkeit. Während die hochschulpolitischen Stimmungslagen im AStA jährlich wechseln können, wird somit sichergestellt, dass gruppenspezifische Interessen kontinuierlich vertreten werden. Bereits seit über drei Jahrzehnten kann daher ein Referat wie das ASR seinem leitenden Gründungsgedanken entsprechend darauf hinwirken, „Diskriminierung gegen Schwule abzubauen und auf die Gleichberechtigung und -stellung von Schwulen hinzuarbeiten“ und somit „politische Veränderungen, die auch über den Unibereich hinausgehen, zu erreichen“, sind sich die ASR-Referenten Dennis und Sebastian im Gespräch mit der :bsz einig.

Geschlechterklischees überwinden

„In den letzten Jahren hat das ASR die erwähnten Absichten auf alle sexuellen Lebensweisen erweitert und richtet queere inhaltliche Veranstaltungen aus, bei denen es darum geht, das Verhältnis von Geschlechtern, Geschlechterrollen und -klischees in bestimmten Kontexten neu zu denken“, fügen die beiden Referenten hinzu. Dies geschehe zum einen „durch Aufklärung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Präsenz in der Unilandschaft“.

„Mitmachen kann jeder. Von der Ausrichtung von Workshops bis zur Partyvorbereitung freut sich das ASR über jede Unterstützung“, ergänzen Dennis und Sebastian. Die ASR-Arbeit ist nicht nur auf Bochum beschränkt: „In diesem Jahr haben wir die Ehre, das 31. Bundestreffen schwuler, schwul-lesbischer und queerer Hochschulreferate und -gruppen im Mai auszurichten“, freuen sich die ASR-Referenten. „Passend zum 50. Jubiläum vertritt so das ASR seine und die Ideale der Ruhr-Universität auch auf nationaler Ebene.“

Kein Sekt ohne AStA?

Insbesondere im Hinblick auf die künftigen Vorhaben hoffen die ASR-Referenten, „dass der neu gewählte AStA offener, hilfsbereiter oder zumindest kommunikativer ist, wenn es um studentische Belange geht – welche wir wie andere Gruppen vertreten“, wünschen sich Dennis und Sebastian. So habe sich der AStA bislang auch nicht erfolgreich für eine Verbesserung der Veranstaltungssituation auf dem Campus eingesetzt und „die Zukunft des Legendären schwulen Sektempfangs“, der im Wintersemester nach vielen Jahren erstmals ausfiel (siehe :bsz 1019), bleibe somit „weiterhin ungewiss“. Zur Arbeit im ASR gehört es nämlich auch, Partys zu organisieren – so war der Sektempfang jahrelang eine super Gelegenheit, schwule und nichtschwule Studierende zusammenzubringen.

Konfliktarm und überwiegend basisdemokratisch gestaltet sich die referatsinterne Struktur des ASR: „Wenn die Kristallkugel mal schlechten Empfang hat, werden Entscheidungen möglichst im Konsens und mit dem Plenum getroffen“, sind sich die Referenten einig.

 

:bsz-Info

Wer das Autonome Schwulenreferat (ASR) kennenlernen oder sich dort einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, am 6. Februar ab 18 Uhr beim Semesterabschluss-Grillen im AStA-Innenhof im Studierendenhaus vorbeizuschauen oder die Sprechzeiten donnerstags von 12 bis 14 Uhr im ASR-Büro (SH 014) wahrzunehmen.

Auch im Sommersemester laden die Referenten dorthin zum Mittwochscafé von 14 bis 16 Uhr ein.

Weitere Infos zum kommenden Semesterprogramm findet Ihr bald im Netz unter: www.schwulenreferat-bochum.de

In der Reihe „Das Akronymicon“ deckt die :bsz gnadenlos auf, welche Gremien sich hinter obskuren Abkürzungen verbergen, wie viel Macht sie besitzen und was sie vorhaben.