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Kommentar: Kein Uni-Vergewaltiger
Foto: kac
Vermeintlicher Tatort: Diese Szene ist kein üblicher Ausblick auf dem Campus
Vermeintlicher Tatort: Diese Szene ist kein üblicher Ausblick auf dem Campus

 

 

Ereignen sich in einer Gegend mit moderaten Kriminalitätsstatistiken schwere Straftaten, ist die mediale Aufmerksamkeit groß. Reißerische Überschriften und unsaubere Implikationen füllen die Titelseiten.

All das ist – im Rahmen beweisbarer Tatsachen – auch zulässig. Hysterische Halbwahrheiten jedoch nicht. Als sich in Bochum im vergangenen Herbst zwei schwere Straftaten ereigneten, reagierten Medien auf das Interesse der Bevölkerung mit entsprechender Informationsbereitschaft. Wie damals kommt auch jetzt, da die Staatsanwaltschaft Anklage erheben wird, kaum ein Informationskanal in seiner Berichterstattung ohne geografische Einordnung aus. „Uni-Vergewaltiger“ klingt eben noch etwas dramatischer. Vergleiche werden zu einem ähnlich gelagerten Fall in den 1990er Jahren gezogen, als 21 angezeigte Taten in Sprockhövel und der Region Bochum demselben Täter zugeschrieben wurden. Gefasst wurde er nie, was zum Mythos beiträgt.

Und nun wieder

„Gibt es ein neues Uni-Phantom?“, fragen daraufhin überregionale Zeitungen. Taten, die sich Auf dem Kalwes und an der Max-Imdahl-Straße ereigneten, also jeweils knapp vier Kilometer entfernt, werden rhetorisch auf den Campus verschoben. Dass beide Opfer Studentinnen waren, scheint ein schwacher Zusammenhang, der es nicht rechtfertigt, von „Uni-Nähe“ und „Campus-Täter“ zu sprechen. Natürlich ist eine Auslegung des  Nähebegriffs meist subjektiv. Eine Gleichsetzung des HZO mit Sprockhövel wundert allerdings. Da von Übergriffen in unmittelbarem Zusammenhang mit der RUB nichts bekannt ist, sind Artikelbilder, die das Studierendenhaus zeigen, daher unpassend. Es mag kleinlich erscheinen im Rahmen fundierter Berichterstattung, solche Details anzuprangern. Doch machen wir bitte unsere wunderbare Bildungsstätte nicht zu einem Tatort, sofern es nicht zutrifft. Alltägliche Skandale haben wir schon genug. Stoppen wir die implikative Diskussion – bevor aus der vermeintlichen Suizid-Uni eine Vergewaltigungsuni wird.

:ksz
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