Das Vorgehen am LiLi-Tisch wirft Fragen über die Campus-Kultur auf
Kommentar: Erdoğan wäre stolz auf die RUB

Die unpolitische Doktrin der Uni, die politische Inhalte auf Campusfesten untersagt, ist für eine pluralistische Studierendenschaft nicht haltbar.

Für Sicherheitsdienst und Rektorat eine denunzierende Notiz am Rande: Bei so manchen bierseligen Runden hat man sich auf dem Campusfest zu später Stunde heimlich politische Witze ins Ohr geflüstert. Dass Studierende sich über das, was so in der Welt geschieht, auch kritisch austauschen, sollte zu einem fröhlichen Campusfest nicht im Widerspruch stehen. Selbst wenn das an den Ständen von Listen oder anderen Organisationen geschieht. 

Doch genau das untersagen die Auflagen der Universität für das Campusfest. Zu was das führen kann, hat der Vorfall am Stand der Linken Liste bewiesen: Vor dem Hintergrund von Erdoğans blutiger Verfolgung der KurdInnen wirkt der Ausschluss von Symbolen kurdischer Selbstorganisation – gelinde gesagt – ungeschickt bis pietätlos.

Was für eine Uni wollen wir?

Diese Vorschriften unpolitischer Menschen griffen zuletzt auch bei der Blaupause – mit der kurios-peinlichen Einschätzung sexistischer und rassistischer Burschenschaften und Verbindungen als nicht-politisch...Eine gänzlich ernstzunehmende, unpolitische Veranstaltung waren also beide Partymeilen nicht. Wer politisch und nicht-politisch ist, entscheiden letztendlich die „unpolitischen“ VerantwortungsträgerInnen aus Rektorat und UV.

Dass Oppositionslisten und der AStA etwa mit YXK, dem Verband Studierender aus Kurdistan, zusammenarbeiten, ist dagegen mehr als zu begrüßen. Es sollte aber auch zum pluralistischem Selbstverständnis gehören, diesen und anderen Gruppen ebenso auf Feierlichkeiten einen Raum zu gewähren. 

Rektorat und Co. sind eine Erklärung für den Eklat schuldig und an der  Studierendenschaft liegt es, dringend mehr Selbstbestimmung zu erkämpfen. Denn den Vorfall kann man getrost als Tiefpunkt bezeichnen, den Studierende nicht schulterzuckend hinnehmen sollten: Eine kurdische Gruppe wird während der großen RUB-Sause bürokratisch ausgeschlossen. Gute Nacht, politische Campus-Kultur. Aber danke für die nette Party.

:Benjamin Trilling