Klausuren unter Corona-Bedingungen
Klausurphase in der Pandemie
Bild:kiki
Symbolbild

Interview. Madeline studiert an der Uni Duisburg-Essen und hatte bereits Anfang Juni die ersten Klausuren unter Pandemie-Auflagen. Der :bsz hat sie erklärt, wie das ablief und an welchen Stellen sie sich bessere Kommunikation gewünscht hätte.  

:bsz: Inwieweit beeinflusst die Pandemie Dein Studium in diesem Semester? 

Madeline: Die Pandemie hat mein Studium sehr beeinflusst. Im Prinzip sind alle Veranstaltungen als Online-Veranstaltungen eingeführt worden. Es gibt dieses Semester Freiversuche, das heißt Fehlversuche werden nicht angerechnet, sondern behandelt als wäre man nicht dabei gewesen. 

Wie wirkt sich das Onlinesemester auf Dein Lernverhalten für Klausuren aus?  

Generell funktioniert das gut mit dem bereitgestellten Stoff. An manchen Tagen fällt es schwerer sich aufzuraffen, aber eigentlich klappt das gut bei mir. Manche Profs geben sich natürlich mehr Mühe das Material zugänglich zu machen, hinterlegen Powerpoints mit Videos oder Voiceaufzeichnungen, oder geben Lektüreempfehlungen. Andere geben sich weniger Mühe. Teilweise sind die Aufbereitungen so schlecht, dass man gar nicht die Möglichkeit hat das aufzuarbeiten. Teilweise fehlt da auch die Unterstützung des Lehrstuhls. Also selbst wenn man Kontakt aufnimmt, lassen Antworten teilweise zu Wünschen übrig. Grundsätzlich ist es gut gemacht, und viele sind bemüht und offen für Feedback, manche sind da weniger flexibel. Die Zugänglichkeit war ok, wenn man die technischen Probleme mit Moodle außer Acht lässt. Das war teilweise schon eine ziemliche Bremse im Lernablauf. Aber auch Seminare waren sehr angenehm, weil die Atmosphäre lockerer war. Es war nicht so schlimm, wenn man mal eine Woche nicht up-to-date war.  

Wie transparent ist der Prüfungsablauf? Wusstest Du früh genug, wann die Klausuren stattfinden und wo? Gab es kurzfristige Änderungen in Raum oder Uhrzeit, die für Dich schwierig umzusetzen waren? 

 Anfangs habe ich gedacht, dass es gar keine Auswirkungen haben wird. Wie üblich gab es recht früh einen vorläufigen Plan mit Uhrzeiten. Als es absehbar war, dass es organisatorisch größer wird, ist das Ganze undurchsichtiger geworden. Uhrzeiten haben sich geändert, Klausuren wurden auf mehrere Termine aufgeteilt, um die Gruppengröße gering zu halten. Da war es schwierig die neuesten Informationen zu finden. Manchmal wusste ich auch einfach nicht ob ich gerade die aktuelle Info hatte, oder eine, die schon zwei Wochen alt ist. Einmal war es wirklich schwierig. Ursprünglich war eine Klausur vormittags angesetzt, hat sich dann aber auf den Nachmittag geschoben, wodurch ich gezwungen war, für den Tag kurzfristig Urlaub einzureichen. Es war aber eine ziemliche Sucherei an die Informationen zu kommen, weil es keine zentrale Anlaufstelle für Änderungen gab, sondern ich mir alles auf den einzelnen Lehrstuhlseiten zusammensuchen musste. 

Wie läuft so eine „Corona Klausur“ grundsätzlich ab?  

Man versucht im Moment das Ganze sehr strukturiert zu machen. Für Klausuren, bei denen es viele Anmeldungen gibt, gibt es zwei Uhrzeiten, um die Gruppengröße gering zu halten. In den BWL-Klausuren war die Sitzplatznummer sehr wichtig. Es gab feste Warteplätze für den Einlass. Maskenpflicht gab es, bis man den Platz erreicht hatte, beziehungsweise das Gelände wieder verlassen hatte. Während der Klausur gab es keine Pflicht, bei Kontakt mit der Klausuraufsicht musste die Maske aber wieder angelegt werden. Die Gruppen wurden nochmal unterteilt und hatten jeweils feste einzelne Wege zu den Tischen, die wirklich mit Flatterband abgesperrt waren. In den Räumen war das Personal sehr bemüht. Außerhalb der Räume war es da weniger präsent. Hände desinfizieren musste man sich aber nicht. Das Angebot war da, es gab Spender, aber die Nutzung war jedem selbst überlassen. Es gab vorher tolle Erklär-Videos zum Verhalten während der Klausuren, allerdings waren die sehr versteckt und ich glaube nicht, dass viele Studis die gesehen haben. Im Raum selbst war es gut organisiert, davor eher weniger. Aber man hatte das Gefühl, dass es ein Konzept gibt. Grundsätzlich war das Personal sehr streng auf die Einhaltung der Regeln bedacht, nur vor den Klausurräumen war es etwas chaotischer und weniger streng beobachtet. 

 Wie sehr weicht der Prüfungsablauf von dem einer normalen Klausur ab? Hast du das Gefühl gehabt, durch Corona einen Nachteil in den Prüfungen zu haben oder siehst du etwas Positives durch die Pandemie im Prüfungsablauf? 

Der Prüfungsablauf war nicht sehr viel anders als eine normale Prüfung. Das einzig Erkennbare war wirklich das Aufhalten in den Wartebereichen, die eingezeichnet waren und, dass man sehr sortiert und geordnet rein und raus gegangen ist. Am Ende wurde die Klausur nicht eingesammelt, sondern musste in Briefumschläge gesteckt werden. 
Positiv sind natürlich die Freiversuche. Die halte ich auch für absolut notwendig. Es ist nicht sichergestellt, dass ein einheitliches Niveau da ist, allein schon, weil die Lehrstühle selbst organisiert haben, wie sie mit der Situation umgehen wollen. Ich glaube schon, dass da inhaltliche Probleme entstanden sind. Auch Tutorien waren sehr frei gestaltet und es wurde wenig drauf geachtet, dass die sich nicht mit Vorlesungen überschneiden. Teilweise haben sich Vorlesungen verschoben und manchmal konnte man das Tutorium dann halt nicht besuchen. Das beeinflusst natürlich das Lernen. Auch die Qualität der Materialien wirkt sich natürlich auf das Studium aus. Manche Studis haben Schwierigkeiten bei fehlenden Rahmenbedingungen organisiert zu bleiben. Aber auch da ist wieder Transparenz und Kommunikation schwierig gewesen. Es ist nicht klar, in welchen Fällen die Regelung zu den Freiversuchen greift. Von anderen Unis weiß ich zum Beispiel, dass Drittversuche dabei ausgenommen sind. Ich habe selbst einige Klausuren im Drittversuch und weiß bis heute nicht ob die Regelung bei mir greift oder nicht. Auch da wäre eine konkrete klare Ansage hilfreich. Leichter sind die Prüfungen aber auf keinen Fall geworden. Die Klausuren, die ich geschrieben habe, waren sehr viel detaillastiger als die Klausuren der vergangenen Semester 

:Kendra Smielowski