Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht Ernährungsreport 2017
Keine Zeit und darum TK-Junkie
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TK-Fischstäbchen oder knackiges, frisches Gemüse? Laut Studie greifen immer mehr Deutsche zu ersterem. Collage: tom
TK-Fischstäbchen oder knackiges, frisches Gemüse? Laut Studie greifen immer mehr Deutsche zu ersterem.

Tiefkühlprodukte werden immer beliebter. Laut Ernährungsreport 2017, vom Marktforschungsinstitut forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchgeführt, greifen bis zu 55 Prozent der Deutschen der langen Haltbarkeit und einfachen Zubereitung wegen gern auf TK-Pizza und co. zurück.

„Essen ist weit mehr als eine bloße Nahrungsaufnahme, es gehört zum kulturellen und sozialen Wir-Gefühl“, erklärt Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, am 3. Januar auf der Pressekonferenz zum Ernährungsreport 2017. Er betont, dass seine politischen Entscheidungen an den erkennbaren Trends und Werten aus der Studie ausgerichtet sein werden. Dazu zählt sicherlich auch, dass sich 90 Prozent der Befragten verbindliche Qualitätsstandards für das Essen in Kitas und Schulen wünschen. Während sich 80 Prozent für eine steuerliche Begünstigung für das Essen aussprechen, sind sogar 67 Prozent bereit, selbst ins Portemonnaie zu greifen und gesundes Essen zu fördern.

Ernährung als Fach

Infolge eines besseren Ernährungsangebots finden auch 89 Prozent der Befragten es wichtig oder sehr wichtig, dass Ernährung als Fach in Schulen angeboten wird. „Neu ist, welcher Stellenwert einem Schulfach Ernährung mittlerweile zugemessen wird. Neun von zehn Deutschen sehen Ernährungsunterricht auf der gleichen Stufe wie Deutsch, Mathe und Physik“, sagt Christian Schmidt. Er erklärt, dass dies auch eines seiner zentralen Anliegen sei und er sich in diesem Zusammenhang im Gespräch mit den KultusministerInnen der Länder befinde.

Schnell oder gut essen – oder beides?

Die zweite große Erkenntnis aus dem Report: Deutsche wollen beim Zubereiten ihrer Speisen Zeit sparen, während es gleichzeitig immer noch gesund und lecker sein soll. Außerdem nimmt die Kochlust weiter ab. „Besonders die 19- bis 29-Jährigen (72 %) haben keine Zeit zu verlieren“, heißt es in der Studie. Eine Altersgruppe, in die Studis nur allzu gut reinpassen. 

Wie ernähren sich denn Studis bei uns? Sowi-Master-Student Tim legt auch Wert auf eine schnelle Zubereitung, verzichtet aber seit knapp vier Jahren auf beinahe jegliche vorgefertigten Produkte: „Es ist ein Trugschluss, dass gesundes Essen nur mit aufwendiger Zubereitung möglich ist. Das Gegenteil ist der Fall – und schmeckt auch einfach besser.“ Einmal die Woche sucht er den Markt am Schauspielhaus auf, um sich mit lokalem Obst und Gemüse einzudecken. Selbst an stressigen Tagen plant er für die Zubereitung von Essen 20 bis 40 Minuten ein. 

Anglistik-Student Timo sieht das etwas gelassener: „An stressigen Tagen ist die schnelle Zubereitung definitiv ein wichtiges Kriterium und dafür verzichte ich auch auf einen höheren Nährwert.“ Er schätzt, dass er pro Woche zwei bis drei Mahlzeiten mit vorgefertigten Produkten ergänzt und legt dabei mehr Wert auf Geschmack (wichtigstes Kriterium der in der Studie Befragten mit 99 Prozent) denn auf Qualitätsstandards. Mit ähnlicher Häufigkeit bereitet er vollkommen frische Gerichte zu, „allerdings sollte die Zubereitung dieser nicht länger als eine Stunde dauern“. 

:Tobias Möller