Einfach mal kennenlernen
Kein Sex zum Gewinn
Bild: bena
Nur ein Flirt? Oder doch mehr als ein Frosch?

Netflix. Das Spiel mit der Liebe hat sich in vielen Love-Formaten auf das Körperliche reduziert. Bei Too Hot To Handle soll es für die Teilnehmenden, die sich genau an ein solches Verhalten gewöhnt haben, um das Emotionale gehen. 

Sommer, Sonne, Singles und trainierte Körper: Das klingt nach dem typischen Dating-Format á la Ex on The Beach oder Love Island. Oft geht es hier darum, das perfekte Match für sich zu finden. Mittlerweile scheinen die hitzigen Knutsch- und Sexszenen für die Zuschauenden zum Alltag zu gehören. Doch bei „Too Hot To Handle“ oder auf Deutsch „Finger weg“ will man von dem ganzen oberflächlichen Handeln erst mal nichts wissen. 

Die Teilnehmenden, die aus den verschiedensten Ländern nach Mexiko finden, sind im Glauben, dass sie bei einer versexten Datingshow landen. Doch weit gefehlt, in der ersten Folge wird ihnen beigebracht, dass sie bei „Too Hot To Handle“ gelandet sind und der sexuelle Kontakt gemieden werden muss. Da sie sich in der zweiten Staffel befinden, wissen die Singles, was auf sie zukommen wird. Jeder sexuelle Kontakt wird vom Preisgeld, das die Kandidat:innen gewinnen können, abgezogen. Wie in der ersten Staffel handelt es sich bei den verbotenen Kontakten der Singles untereinander um Küssen, heavy Petting, Sex und was sonst noch unter der Decke abspielen könnte.
Jeder Kontakt wird anders bestraft, so kostet ein Kuss zum Beispiel 3.000 $ und ist damit eines der günstigeren Vergehen.  

Was die Singles nach der Hiobsbotschaft noch nicht wissen, ist, dass es in diesem Jahr nur eine:n Gewinner:in geben kann, der:die mit dem Gewinn nach Hause darf. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass die Singles das Ganze erst mal nicht Ernstnehmen und das Spiel mit den Regeln ausreizen wollen, was natürlich für Streit sorgt. Natürlich versuchen die Teilnehmenden, es zu vertuschen und hoffen, dass es die allwissende Stimme „Lana“, der Smart Speaker, einfach nicht mitbekommt. Doch weit gefehlt, Lana schult die Singles und bestraft sie gnadenlos für jeden Regelverstoß.
Wenn Lana merkt, dass der Funke wirklich überspringt, dann bekommen die Singles ein Go und sie können sich annähern und das ganz ohne Strafe, aber nur solang das grüne Licht leuchtet. Genau das Versuchen die Teilnehmenden krampfhaft zu erreichen, um endlich mit ihrem potenziellen Crush den Körperkontakt zu intensivieren. Doch nicht mit Lana, das grüne Licht bekommen nur Pärchen, die bewiesen haben, über die emotionale und nicht erotische Ebene zu gehen. 

Die Macher:innen der Sendung erhielten ihre Inspiration für dieses Format von einer Seinfeld-Folge aus dem Jahre 1992, in der es um einen Wettkampf ging, wer am längsten ohne Masturbieren aushalten könne. In Zusammenhang mit einer brutal empfundenen Dating-Kultur rund um Tinder und Badoo, soll die Sendung den Fokus auf die inneren Werte legen. Das oberflächliche Verhalten der Singles wird tatsächlich auf die Probe gestellt und Singles, die sich nicht dem Konzept fügen, werden aus dem Format geschmissen. Es scheint so, als wäre Lana, die Stimme des Hauses, in dieser Staffel strenger als in der letzten. Doch was bleibt am Ende? Die Singles zeigen sich in den klassischen Mustern, nichts Verbindliches eingehen zu können und verstecken sich hinter den Bindungsängsten, die sie aus ihrer Vergangenheit mitgenommen haben. Doch einige lassen sich auf die Retreats ein, in denen sie sich mit ihren Gefühlen auseinandersetzen und schaffen damit einen besseren Zugang auf der emotionalen Ebene. Ist Too Hot to Handle oberflächlich? Bestimmt, doch es nimmt uns auch mit in die Entwicklung der Singles. Warum ist er ein Fuckboy? Warum möchte sie sich nicht binden? Eins ist klar, ob es nun die Angst ist sich zu binden oder man sich zu jung fühlt, die Teilnehmenden gehen auf eine Reise der Reflektion.            

    :Abena Appiah