Wie sich Frauen und Männer vor Übergriffen schützen können
Kein Opfer mehr sein
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Simulation: Referent Daniel Greger agiert als Täter und wird überwunden. Foto: kac
Simulation: Referent Daniel Greger agiert als Täter und wird überwunden.

Der erste Selbstverteidigungskurs für Frauen und Männer an der RUB startete am 2.März. Bei der Kooperation, motiviert durch eine Studentin der RUB, zwischen dem AStA und dem Opferhilfe-Verein Weisser Ring lernen TeilnehmerInnen unter der Leitung von Dipl. Psychologe und Wing Tsjun Trainer Aaron Küster, sich in Ausnahmesituationen effektiv zur Wehr zu setzen.

Daniel Greger, Referent im verantwortlichen AStA, hatte von einer befreundeten Studentin, Katharina Cygan, von drastischen Erfahrungen im Bereich Nötigung und Belästigung im Bermuda3Eck erfahren. „Die gingen nochmal ein gutes Stück über das hinaus, was man selber so mitkriegt und von Freundinnen hört“, so Greger. Seitdem habe Cygan sich stark mit diesem Thema auseinandergesetzt und auf einen Selbstverteidigungskurs und eine bessere Beratung auf dem Campus gepocht.

 Da das Thema sexualisierte Gewalt für Greger ohnehin ein „Wutthema“ sei, das damit einherginge, Menschen „gewaltsam  ihrer Autonomie zu berauben“ und über kurz oder lang eine „ganze Person zu negieren“, versprach er, sich darum zu kümmern.

Die Nachfrage ist „explodiert“

Mit diesem Wort kommentiert Trainer Küster die Resonanz auf derartige Kurse. „Seit der Silvesternacht in Köln und der folgenden medialen Auswirkung verzeichnen Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionskurse großen Zulauf“, erläutert der Psychologe weiter und ist erfreut darüber, dass bei dem angebotenen Kurs mehr Anmeldungen als verfügbare Plätze eingingen. „In diesem Kurs sollen die TeilnehmerInnen lernen, sich vor und in Gewaltsituationen zu schützen.“ 

Motivation der Teilnehmerinnen

Viele Teilnehmerinnen haben Gewalt bereits erlebt, „sei es nun am eigenem Leib, in der Familie oder im Freundeskreis“, so Cygan, die das Projekt weiterhin betreut.

 Um dieser bei erneuter Konfrontation vorzubeugen, wurden in den ersten beiden Veranstaltungen vorwiegend theoretische Ansätze erprobt, auch um laut Küster ein für den Kurs, so notwendiges „effektives und gemeinsames Zusammenarbeiten“ zu ermöglichen. 

Allerdings wurde auch praktisch geübt, beispielsweise bei dem Klarmachen der persönlichen Distanzgrenze durch ein Heben der Arme vor den Brustkorb und dem Aussprechen der Worte: „Halt, nicht weiter!“ Dies diene dazu, Menschen vom Näherkommen abzuhalten und eine Konfrontation zu vermeiden, Cygans Erfahrungen zufolge eine sehr effektive Methode. Um möglichst realitätsnah zu trainieren, wird normale Kleidung getragen und in gewöhnlicher Umgebung unterrichtet.

Durchweg positives Feedback

Küster erhält nur gute Rückmeldung: „Schon bei der ersten Stunde wurde das Eis gebrochen.“ Auch die konstant bleibende Teilnehmerinnenzahl sieht er als Bestätigung. 

Eine der Teilnehmerinnen (25) erläutert ihre Motivation und hält fest: „Ich mache hier mit, weil ich nach einer körperlichen Belästigung nie wieder untätig sein möchte; Ich möchte lernen, mich in realistischen Situationen effektiv zu verteidigen. Bis jetzt finde ich den Kurs super, da wir viel zu Handlungsmöglichkeiten lernen.“ 

 

:Tobias Möller