Glosse: Bloß nicht farblos wirken: OB-Prätendent Eiskirch macht auf Chamäleon
Kandidat Kunterbunt
Fotos: joop
Alternatives Farbschema zum üblichem SPD-Rot: Eiskirch als grünes Ampelmännchen, Eiskirch beim Blaumachen, Eiskirch à l`Orange. Fotos: joop
Alternatives Farbschema zum üblichem SPD-Rot: Eiskirch als grünes Ampelmännchen, Eiskirch beim Blaumachen, Eiskirch à l`Orange.

Lebewesen tarnen sich, um nicht gefressen zu werden oder leichter Beute zu machen, schlicht um die Überlebenschancen zu vergrößern. Was bewegt aber politische Wesen wie den Oberbürgermeister-Kandidaten Thomas Eiskirch (SPD) dazu, auf Plakaten den kompletten Farbfächer durchzuprobieren?

Die blauen und orangenen SPD-Poster stechen sofort ins Auge, machen aufmerksam und verwirren zugleich: Von welcher Partei ist der jetzt? Zunächst schien der SPD-Kandidat zumindest den Grünen – unterhalb des Bundes immerhin LieblingspartnerInnen der SPD – die namensgebende Parteifarbe zu überlassen, aber dann sind doch grüne Eiskirch-Plakate zu entdecken. Vielleicht ist es für einen Roten sogar farblich sinnvoll, sich grün zu geben, das wirkt frisch, modern. Bei Rot allein ist die Verwechslungsgefahr mit der klassische sozialdemokratische Werte vertretenden Linken zu groß. Grün passt da als Komplementärfarbe – kleiner Farblehre-Exkurs – optisch perfekt zum Sozi-Rot. Doch der chamäleonhafte SPD-OB-Prätendent treibt es noch bunter, fügt seiner Palette die – zueinander ebenfalls komplementären – Farben Orange und Blau hinzu. Zufall?

Breit gefächert: Von Azzurro bis Oranje

Orange beanspruchten einstmals die Piraten für sich, aber auch die traditionell schwarze Union setzt schon länger auf die grelle Signalfarbe. Was nimmt dann der SPD-Genosse, wenn die CDU sich in Orangenschale wirft? Natürlich blau. Dumm nur, dass neben der CSU noch eine andere Partei auf Azurblau setzt – dazu mit geschwungenem roten Pfeil. Sähe ein blaues SPD-Plakat mit rotem Quadrat im Winkel dem nicht zu ähnlich? Also vorsichtshalber orangene Plakate dazu, um die blauen zu kontrastieren, zu neutralisieren. Der Oranje-Mimikry gehen bestimmt genug kurzsichtige CDU-WählerInnen auf den Leim, solange das rote Kästchen der SozialdemokratInnen nur gut versteckt ist.

Ähnlichkeit rein zufällig? Na Logo.

Orange ist ebenso die Farbe von Wölfi Wendlands Wahlkampf-Werbung, also wäre denkbar, dass Eiskirch selbst dem Wölfi-Lager Stimmen abluchsen will. Wendland ist es übrigens hoch anzurechnen, dass er seine abgeschlossene Berufsausbildung als Medienvorlagenhersteller bisher nicht als Trumpf beim Plakat-Design ausgespielt hat. Das wäre schon arg unfair. Vielleicht ist das Layout der Wölfi-Propaganda einfach gewollt schlecht, sprich Punk, so wie das eiskirchsche Plakat-Layout gewollt schlicht ist, sprich modern. Darin erinnert es frappierend an den neu designten Dachmarken-Look der Stadt Bochum. Nur das Buch-Logo fehlt, ansonsten ist die optische Ähnlichkeit, gerade auf blauen Postern, verblüffend. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Suggeriert Eiskirchs Farbenspiel nun, dass er ein OB für alle ist, ungeachtet der politischen Couleur? Will er sich präventiv des Eindrucks der Farblosigkeit erwehren oder per Tarntaktik in anderen Revieren des Farbspektrums wildern? Da scheint es logisch, die erfolgreichere Konkurrenz zu imitieren. Folgerichtig wurde auf gelbe Plakate verzichtet. Allerdings, warum dann noch rote?

:Johannes Opfermann