Dreitägiger Streik bei Amazon: Keine Tarifverhandlungen in Sicht
Kampf gegen Weihnachts-Goliath
Foto: Medien-gbr, Wikimedia Commons (CC BY-SA-3.0)
Stillstand überall. Seit drei Tagen werden die Amazon-Logistikzentren, wie hier in Leipzig, bestreikt. Foto: Medien-gbr, Wikimedia Commons (CC BY-SA-3.0)
Stillstand überall. Seit drei Tagen werden die Amazon-Logistikzentren, wie hier in Leipzig, bestreikt.

Die Gewerkschaft Ver.di ruft eine Woche vor Weihnachten zu einem dreitägigen Streik beim Online-Versandhändler Amazon auf. Während der Versandhändler KundInnen eine pünktliche Lieferung verspricht, kritisieren Beschäftigte die Arbeitsbedingungen beim Unternehmen und fordern einen neuen Tarifvertrag.

Innerhalb weniger Stunden soll es da sein: Das verspricht Amazon den KundInnen, die zur Weihnachtszeit noch ein Geschenk suchen. Doch der Versandhandelsriese könnte mit dem Versprechen nun ins Schwitzen kommen. Denn nach einem Streikaufruf von Ver.di legen Belegschaften der Amazon-Standorte Bad Hersfeld, Leipzig, Graben (Bayern) und in den beiden NRW-Städten Werne und Rheinberg den Betrieb für drei Tage lang lahm. Denn wie der Konzern seit Jahren den schnellen und günstigen Versand gewährleistet, wird seit genauso langer Zeit aus der Kritik von ArbeiterInnen und GewerkschaftlerInnen ersichtlich. Schon seit mehr als ein Jahr fordert Ver.di für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzelhandels. Das untermauert auch „Amazon-Ver.di“, wo Beschäftige von Amazon gewerkschaftlich organisiert sind: „Wir kämpfen für die Bezahlung nach dem Tarifvertrag des Versandhandels. So wird verhindert, dass sich Unternehmen durch niedrige Löhne im Wettbewerb besser stellen.“  Bisher weigerte sich Amazon, Tarifverhandlungen aufzunehmen und bezahlt die bundesweit 10.000 MitarbeiterInnen als LogistikerInnen, da in der Logistikbranche niedrigere Löhne ausgezahlt werden. Das kritisiert auch Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: „Amazon weigert sich weiterhin kategorisch, das Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag anzuerkennen, und hält Gewerkschaften für überflüssig.“

Kritik befristeter Verträge

Neben den geringen Löhnen kritisieren Beschäftigte wie „Amazon-Ver.di“ die befristeten Verträge vieler MitarbeiterInnen: „Noch nicht einmal ein Drittel der z.B. über 4.600 Kollegen in Bad Hersfeld hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag.“ Über 80 Prozent sollen nur befristete Verträge haben.  „Das eigene Leben ist so kaum planbar. Wir fordern deshalb klare Zusagen für die Übernahme von Mitarbeitern und Übernahme-Kriterien, die für jeden nachvollziehbar sind.“

Verhandlungen mit Ver.di lehnt Amazon bisher ab. Stattdessen ist das Unternehmen damit beschäftigt, KundInnen zu versichern, dass die Bestellungen rechtzeitig ankommen, wie Amazon-Sprecherin Anette Nachbar bestätigte: „Die Päckchen kommen pünktlich an.“ Weihnachten sei damit gerettet. Zumindest für die KundInnen.

:Alexander Schneider und :Benjamin Trilling