Gesundheitssystem im Jemen bricht durch Corona zusammen
Jemen
Bild:bena
Symbolbild

Seit 2004 wütet im Jemen der Krieg. Ausgelöst durch die versuchte Verhaftung des religiösen Führers Hussein Badreddin al-Huthi begannen seine Anhänger, Huthi-Rebellen genannt, einen Aufstand, der zu einem Bürgerkrieg eskalierte und die militärische Intervention einer multinationalen Koalition zur Folge hatte. Die durch den Konflikt ausgelöste Hungersnot sowie der durch diverse Epidemien ausgelöste Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen zu einer der schwersten humanitären Krisen. 

Nach Jahren von Chaos und Gewalt gelang es den schiitischen Huthi-Rebellen Anfang 2015 den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Sanaa einzunehmen, woraufhin sie das Parlament auflösten. Sie setzten Präsident Hadi und die Regierung unter Hausarrest und übernahmen so de-facto die Herrschaft über das Land. Nachdem Präsident Hadi in saudi-arabische Obhut flüchtete, begann im März 2015 unter dem Namen „Decisive Storm“ eine militärische Intervention unter der Führung Saudi-Arabiens, um das Land von den Rebellen zu befreien und Präsident Hadi wieder einzusetzen. Der Militärkoalition schlossen sich Ägypten, Bahrain, Katar (bis 2017), Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien und Marokko (bis 2019), sowie Sudan und Senegal an. Unterstützt wird die Koalition logistisch von den USA, Frankreich und Großbritannien. Ebenfalls in den Krieg involviert sind Ableger von al-Qaida und dem IS, die zwar eigene Ziele verfolgen, aber ebenfalls die Huthi-Rebellen bekämpfen und den Vormarsch der Militärkoalition nutzen, um die von den Rebellen gesäuberten Gebiete unter ihre Kontrolle zu bekommen. 

Die von der Koalition durchgeführten Luftangriffe sorgten immer wieder für Kritik von Seiten von humanitären Organisationen. Die Angriffe hatten häufig zivile Einrichtungen, aber auch Flüchtlingslager, als Ziel. Tausende Zivilisten sind durch diese Angriffe ums Leben gekommen, zusätzlich verschlechterte sich die Versorgung und humanitäre Lage der Bevölkerung durch die Zerstörung. Auch die Seeblockade des Jemens durch Saudi-Arabien und seine Verbündete sorgt für Kritik. Für die sich immer weiter verschlimmernde humanitäre Katastrophe wird vor allem eben diese Seeblockade verantwortlich gemacht. UNICEF beschreibt die Lage für Kinder im Jemen als „living hell“. 

Während die USA, Frankreich und Großbritannien offiziell logistische Unterstützung liefern, sind auch deutsche Waffen in den Krieg involviert. Seit Jahren gehören die Golfstaaten zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Rüstungsexporte. Dabei soll Saudi-Arabien auch deutsche Waffen an dschihadistische Gruppierungen wie al-Qaida und den IS-Ableger im Jemen weitergeben, da diese ebenfalls die Huthi-Rebellen bekämpfen. Zwar wurde im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ein deutsches Waffenembargo gegen Kriegsparteien im Jemen-Konflikt verhängt, doch dieses Embargo wurde von Seiten der Bundesregierung bereits im September 2018 gebrochen, als eine umfangreiche Liste von Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate genehmigt wurde. 

Wie es um die Zukunft des Krieges steht, ist zur Zeit noch offen. Nach fünf Jahren Krieg ist die Koalition um Saudi-Arabien ihrem Ziel kaum näher gekommen. Einer der wichtigsten Koalitionspartner, die Vereinigten Arabischen Emirate, haben bereits ihre Truppen aus dem Jemen abgezogen. Es zeichnet sich langsam ab, dass Saudi-Arabien eine Exit-Strategie sucht, um sich aus dem Konflikt zurückziehen zu können. Dies könnte dafür sorgen, dass sich die Lage im Land wieder entspannt und die Huthi-Rebellen als legitime politische Kraft und damit auch ihr Herrschaftsanspruch von Seiten der Golfstaaten
anerkannt wird.
Egal wie es weitergeht, es bleibt zu hoffen, dass sich die Lage für die Menschen im Jemen, gerade für
die Kinder, so schnell es geht verbessert. 

  :Philipp Kubu

 

Hungersnot

Rund 80 Prozent (24 Millionen Menschen) der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Durch den anhaltenden Konflikt zwischen Huthi-Rebellen und der durch Saudi-Arabien geführten Militär-Koalition hat sich der Zugang zu Nahrungsmitteln verschlechtert. Laut dem Yemen Humanitarian Report der UNICEF sind rund 7,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelunterstützung angewiesen und rund 3,2 Millionen Menschen akut unterernährt.
 Tendenz steigend.

Cholera 

Im September 2016 kam es zum Ausbruch der Cholera im Jemen. Aufgrund von Müll und eines nicht funktionierenden Abwassersystems verbreitete sich die bakterielle Infektion Cholera unter der Bevölkerung. Die Krankheit ist eigentlich nicht tödlich, jedoch durch die starke Unterernährung im Land, vor allem bei Kindern, und mangelnder Behandlungsmöglichkeiten breitet es sich wie eine Epidemie aus und fordert unzählige Menschenleben. 

Covid-19 

Laut einem Bericht von Ärzten ohne Grenzen heißt es, dass das Gesundheitssystem durch Corona vollständig zusammengebrochen sei. Auf rund 2,5 Millionen Menschen kommt ein Sauerstoffzylinder, zudem fehlen Ärzt:innen, Medikamente und sauberes Wasser. 
Offizielle Zahlen sind schwierig zu bekommen, da es dem südlichen Gesundheitsministerium an Testkapazitäten mangelt und das nördliche Gesundheitsministerium die offiziellen Zahlen nicht herausgibt. So seien bis Ende Mai lediglich vier Infektionen erfasst worden von denen nur eine tödlich endete.

:Abena Appiah

 

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