Ein Rundgang – viele Geschichten
Jüdisches Leben im Rundgang
Bild: luq
Wolfgang Dominik vor dem ursprünglichen Eingang der Synagoge von 1863.

Eine Reise durch verschiedene Aspekte der jüdischen Geschichte und des Lebens vor, während und nach dem Faschismus in Bochum.

Bei dem Rundgang durch die Innenstadt von Bochum am 07.11.2021, der von dem ehemaligen Lehrer Wolfgang Dominik durchgeführt wurde, machte man an verschiedenen Plätzen, Stolpersteinen und Stelen halt, um über die Geschichten dahinter zu sprechen. Es sollte auf die Diskriminierung, die Verfolgung, die Flucht oder Deportation und Ermordung jüdischer Bochumer:innen aufmerksam gemacht werden. 

Zu Beginn wurde erklärt, dass es circa 500.000 jüdische Menschen im Deutschen Reich vor 1933 gab. In Bochum waren es etwa 0,3 Prozent der grob 300.000 Einwohner:innen. Der Rundgang startete an der Glocke vor dem Rathaus und von hier aus erzählte Wolfgang Dominik von der ersten Probe der Faschisten, wie weit sie mit den Juden gehen könnten. Das war am 01.04.1933 der so genannte Juden-Boykott, bei dem viel von “normalen Leuten”  und Nachbarn eingeleitet worden sei, um jüdische Menschen zu diffamieren. Die Faschisten wollten wohl sehen, wie die Bevölkerung und das Ausland darauf reagieren würde und es war in jeder Hinsicht ein Erfolg gewesen. 

Die nächste Probe war am sich gerade gejährten 09.11.1938, an dem dann die endgültige Entrechtung vollzogen wurde. Aber nicht nur auf die Zeit während des Faschismus wurde während des Rundgangs eingegangen. Im Mittelalter wäre die jüdische Bevölkerung nicht dazu berechtigt gewesen, in den Städten unter den Burgen zu wohnen wie normale Bürger:innen. Stattdessen seien sie mit Karren herumgereist und hätten auf dem Weg bei der ländlichen Bevölkerung Halt gemacht, um dieser Gegenstände zu verkaufen. Dabei hätten die Bauern wohl auch um Aufschub der Kosten gebeten, aber da die jüdische Bevölkerung nicht immer nur von Aufschüben leben konnte, musste sie energisch ihr Geld verlangen, was das Gerücht der geldgierigen Juden:Jüdinnen erklären könnte. 

Außerdem wurde Halt an der Christkirche gemacht, wo es darum ging, dass die Kirche im Allgemeinen für die Faschisten gewesen sei und sogar 15 Prozent der Pastoren in der NSDAP gewesen seien. Danach wurden mehrere Stolpersteine besucht und den Ort der ehemaligen Synagoge und zwei Stelen auf dem Dr.-Ruer-Platz, welcher nach dem bis 1933 amtierenden Oberbürgermeister der Stadt Bochum benannt ist.

 

:Lukas Simon Quentin