:bsz-Nebenjob-Serie: „Alles außer kellnern“ – Teil I
Internet auf Rädern
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Nutzt ihre Fähigkeiten zum Helfen und Geldverdienen: IT-Studentin Jessica hat sich auch mal einen unserer Redaktionsrechner gründlich angesehen. Foto: mar
Nutzt ihre Fähigkeiten zum Helfen und Geldverdienen: IT-Studentin Jessica hat sich auch mal einen unserer Redaktionsrechner gründlich angesehen.

IT-StudentInnen als NachhilfelehrerInnen für ältere Semester außerhalb der Uni – dieses Konzept verfolgt die Firma Student @ Home aus Erfurt. Seit diesem Jahr ist die Geschäftsidee auch in Bochum angekommen. RUB-IT-Studentin Jessica Brinkmann und eine Kommilitonin machen Hausbesuche bei Menschen, denen World Wide Web und Kabelsalat über den Kopf wachsen.

Der Computer, das unbekannte Wesen, hat seine Freunde, den WLAN-Drucker und den Router, mitgebracht. Und die drei sind auf Ärger aus. Klingt vertraut? Dann ist vielleicht professionelle Hilfe vonnöten. Zum Beispiel die von RUB-Studentin Jessica. „Der Umgang mit Computern ist mir schon immer leicht gefallen“, sagt die 20-Jährige selbstbewusst. „Ich kenne mich gut aus, und wenn ich mal nicht weiter weiß, weiß ich immer, wo ich nachlesen kann.“ Die Gelsenkirchenerin hat ihre Begabung zur Berufung gemacht und studiert mittlerweile im dritten BA-Semester Angewandte Informatik. Jetzt kann sie auch kontaktiert werden, wenn die Technik im Haus Probleme bereitet. Software installieren, Geräte anschließen, Virencheck – ein kleiner Schritt für Jessica, ein großer für viele andere.

Von der Familie zu Fremden

Erst seit einem Monat ist die Expertin im Bochumer Hilfeteam. Privat hat sie sich schon lange auf ihren neuen Job als Technik-Guru vorbereitet: „Ich habe schon ganz, ganz oft technische Hilfestellungen für Freunde und Familie gegeben“, verrät sie. Oft klingelte das Telefon, und am Rechner verzweifelnde FreundInnen oder Familienmitglieder baten um die Hilfe ihrer versierten Freundin. „Aber Fremde vorher noch nie!“ Das ändert sich mit dem neuen Teilzeitjob natürlich – anders als Jessicas Herangehensweise an die Arbeit: „Der einzige Unterschied ist, dass ich die Menschen jetzt nicht kenne. Sonst behandle ich alle Leute und Probleme gleich.“

Im ersten Arbeitsmonat war ihre Expertise zweimal gefragt. „Bisher war ich nur in Bochum unterwegs. Wir nehmen aber auch Aufträge im Umfeld – zum Beispiel in Herne, Witten oder Gelsenkirchen – an“, berichtet Jessica. Für sie waren die beiden Einsätze reine Routine: Ein E-Mail-Konto und ein Multifunktionsdrucker mussten eingerichtet und erklärt werden. 15 Euro zahlen NutzerInnen des Services, die sich zuvor nicht online registriert haben, für eine halbe Stunde ExpertInnenhilfe.

„Beim ersten Mal war der Kunde in den Vierzigern, die zweite Kundin war eine ältere Dame“, berichtet Jessica. „Wir sind aber schon darauf vorbereitet, dass unsere Kundschaft sich eher aus älteren Menschen zusammensetzen wird.“

Dabei ist ihr wichtig, die Aufgaben, die sie mit links erledigt, auch für die Hilfesuchenden transparent zu lösen. Das gern bemühte Bild vom mundfaulen Informatiker oder der Fachidiotin widerlegt sie gerne. „Ich erkläre alles kleinschrittig und in Ruhe. Ich bin nicht der Klischeeinformatiker, der in der Ecke sitzt und nur im Fachjargon spricht“, so Jessica. „Darum bin ich auch vor Ort und helfe nicht übers Telefon wie eine Hotline. Wenn ich da bin, kann ich auch mal etwas zeigen.“ Auch Fragen nach dem WLAN-Kabel oder herausgezogene Stecker werden nicht mit Häme quittiert: „Auch wenn ich IT-Studentin bin, lache ich keinen aus. Es gibt ja keine dummen Fragen. Ich nehme mir gerne Zeit, weil ich den Menschen gerne helfe.“

IT um zu helfen

Aus dieser Motivation heraus hat sich die RUB-Studentin auch entschieden, Angewandte Informatik zu studieren: „Technik ist mittlerweile im Alltag einfach unverzichtbar. Das fängt ja schon an, wenn man sich im Internet einen Fahrplan ausdruckt. Trotzdem gibt es so viele Menschen, die sich einfach nicht gut auskennen“, weiß sie. Menschen helfen durch Technik – das ist ihre Motivation. Auch wenn Jessica ihr Nebenjob Spaß macht, hat sie schon weitere Perspektiven im Auge: „Man kann auch mit IT helfen, indem man zum Beispiel Internetauftritte von Handwerkern so koordiniert, dass Leute die Dienstleistungen effizienter in Anspruch nehmen können. Auch Ärzte operieren heute teilweise am PC. Insgesamt gibt es so viele Schnittstellen zwischen Menschen und IT, dass ich mich nach drei Semestern noch gar nicht festlegen kann. Solange ich helfen kann, ist mir egal wobei.“