In der Weihnachtsknastbäckerei, ist so manche Strafe dabei
Insassen am Ofen
Karikatur: kac
Backe, backe Kuchen, der Wächter hat gerufen: Gefängnis-Konditorei in Italien. Karikatur: kac
Backe, backe Kuchen, der Wächter hat gerufen: Gefängnis-Konditorei in Italien.

Die Weihnachtszeit: von vielen geliebt, von anderen gehasst. Doch die meisten lieben weihnachtliches Gebäck. Was für uns in Deutschland der Christstollen ist, ist für die italienische Bevölkerung die Panettone, ein Weizensauerteig mit kandierten Früchten und Rosinen. In der Stadt Padua, die sich 30 Kilometer westlich von Venedig befindet, wird der aufwendige Kuchen in einer Bäckerei hergestellt, die sich im paduanischen Gefängnis befindet.

Zwar ohne weiße Weste, dafür backen in weißen Schürzen Räuber, Erpresser und Mörder nach traditioneller Rezeptur den fluffigen Mailänder Kuchen. Die Herstellungsdauer beträgt circa drei Tage, bis der Kuchen vollständig fertig ist. Die Mitarbeiter der Kooperativen Konditorei Giotto, die das Projekt ins Leben gerufen hat, sind allesamt Männer und verurteilte Straftäter, sie sind jetzt in der Weihnachtszeit im Backfieber. Ihre Spezialität, die Panettone, wird vorzugsweise zur Weihnachtszeit verspeist und zu heißen Getränken serviert. In diversen Interviews sprechen sich die Insassen sehr positiv über ihre Arbeit in der Bäckerei aus. Sie fühlen sich wieder als vollwertige Menschen und bemerken, dass man mit ordentlicher Arbeit zufriedener ist.

Neben der Ablenkung vom Gefängnisalltag bekommen die backenden Straftäter auch einen Lohn. Jeder Mitarbeiter, der in der Bäckerei arbeitet, bekommt zwischen 800 und 1000 Euro monatlich. Gute Arbeit in der Bäckerei kann sogar zur vorzeitigen Entlassung beitragen.

Wie sehen das die italienischen KonsumentInnen?

Die :bsz befragte einige Personen, die in Italien leben und zur Weihnachtszeit den beliebten Kuchen speisen. Anna ist zweifache Mutter und sieht kein Problem, den durch Straftäter gebackenen Kuchen zu kaufen. „Alles ist dort unter Aufsicht und was sollen die schon machen? Bisher haben wir keine Glasscherben oder sonstiges im Kuchen gefunden“, lacht Anna bei der Frage, ob sie Bedenken habe. Luca und Elena freuen sich, dass es solch eine Initiative gibt, in der sich die Häftlinge beweisen können.

Die Knast-Konditorei, in der ausschließlich Insassen backen, gibt es seit 2005 mit dem Hintergrund, die Häftlinge besser in einen normalen Tagesablauf zu integrieren. Und dieses Konzept scheint aufzugehen, denn nach Angaben der InitiatorInnen beträgt die Rückfallquote bei den Knast-Bäckern bei nur ein bis zwei Prozent. Bei den Restlichen hingegen liegt die Quote immer noch bei hohen 70 Prozent.

:Katharina Cygan