Black Creatives on Strike
Immer schön mit Quellenangabe
Bild: bena
Geklaut? Egal! Hauptsache es bringt Klicks!

Kommentar. Black Tik Tok is on strike, die viralen Tänze sind gerade in der Sommerpause und das hat einen Grund: Das Unsichtbarmachen von Schwarzen Menschen ist ein Trend, der Jahrhunderte anhält! 

Tik Tok-Fans kennen den Namen, wissen, wer Charlie D’Amelio ist. Die 16-jährige hat den größten Tik Tok-Account und ist durch ihre Tanzvideos berühmt geworden. Besonderen Ruhm bekam sie durch den „Renegade Tanz“, ein Tanz, der zum Song Lottery von K Camp auf Tik Tok viral ging und zu ihrer weltweiten Bekanntheit verhalf. Alles schön, alles gut! Nur war sie nicht wirklich Urheberin dieses Tanzes und machte zuerst auch nicht darauf aufmerksam, dass der Tanz nicht in ihrem Köpfchen entstanden ist. Jalaiah Harmon, eine Schwarze Tanzschülerin, kreierte besagten Tanz. Und während immer mehr Fame und Unternehmen Charlie kontaktierten sowie immer mehr Promis Jalaiahs Tanz tanzten, kämpfte sie krampfhaft darum, dass ihre Arbeit Anerkennung bekommt und der Tanz auf sie und nicht andere Contentcreator:innen zurückfällt. 
Durch Barrie Segal, Head of Content für Dubsmash, eine weitere Social App, bekam Jalaiah die Chance, mit der New York Times über ihren Tanz sprechen. Daraufhin meldete sich der Rapper des Songs und so schaffte Jalaiah es in die Ellen Show oder zum NBA-Allstar Game, wo sie auch das erste Mal auf Charlie traf. Die zuvor schon mit einem anderen Tik Tok Star Adisson Rae zum Slam Dunk-Contest Jalaiahs Tanz tanzte und Millionen Follower:innen generieren konnte. Wenn ihr Euch jetzt fragt: Und wegen so einem Kleinscheiß streiken Schwarze Menschen auf Tik Tok? Jein! Diese Geschichte ist über ein Jahr her! Aber es hat sich nichts geändert. Der Algorithmus bevorzugt immer noch Menschen ohne Schwarze Hautfarbe. Das heißt auch, wenn eine neue Tanzchallenge von Schwarzen Tänzer:innen kommt, werden wir wahrscheinlich das Video von einer Nicht-Schwarzen Person zuerst sehen. Und hier kommt auch schon das zweite Manko. Bei den Creator:innen ist die Gier nach Klicks einfach zu groß. Auf Tik Tok kann man ganz schnell viral gehen und das wissen mittlerweile auch die klassischen Medien, die vermehrt mit Tik Tok-Stars zusammenarbeiten wollen. Also warum was vom geklautem Fame abgeben?

Ich weiß, ich weiß, ihr denkt Euch, das ist doch nur Kindergarten, warum ist das wichtig? Schwarze Menschen müssen dreimal so viel arbeiten, um Anerkennung zu bekommen und werden bis heute unsichtbar gemacht. Und das betrifft vor allem Schwarze Darkskin Frauen und das nicht nur auf Tik Tok! Wer von Euch denkt zum Beispiel bei dem Begriff Intersektionalität an Kimberlé Crenshaw? Sie ist eine Schwarz-Amerikanische Juristin, die auf die Ungleichheit zum weißen Feminismus aufmerksam machte.  Gerne können wir auch über Musik sprechen, wie zum Beispiel Country oder Jazz, welche auch aus der Schwarzen Bewegung entstanden sind und mittlerweile kaum noch was mit dem Ursprung zu tun haben und wenn es Schwarze Künstler:innen gibt, wie Beyoncé oder Lil Nas X, die mit Country Songs zum Beispiel in die Charts wollen, klappt das nicht! Es sei denn, sie bekommen ein Feature durch weiße Country-Größen wie Billy Ray Cyrus oder die Dixie Chicks! Für weiße Menschen scheint dies alles nicht auffällig, doch für Menschen wie mich mit Schwarzer Hautfarbe ist es nervig! Andauernd muss ich auch in akademischen Räumen darauf aufmerksam machen, woher eine Begrifflichkeit wirklich kommt und warum es so wichtig ist, die Namen zu wissen. Ihr könnt Euch immer noch kein Bild machen? Dann empfehle ich Euch Girls United, ein Teenie Klassiker, der genau diese Thematik aus dem White Guilt thematisiert. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei und achtet doch mal demnächst darauf, wie oft etwas von einer Frau, gar einer Schwarzen Frau, ist, bei dem ihr immer dachtet, es kommt von ‘nem Kerl. Ich verabschiede mich mit einem Satz aus einem Disney Klassiker:
„A whole new world / A new fantastic point of view“

                                        :Abena Appiah