Kommentar: Gelabelt gleich Abgestempelt
Im Zweifel Meinungsfreiheit

Die Vorgeschichte zur Vorgeschichte: Die IYSSE (International Youth and Students for Social Equality), genauer die Jugendorganisation der Partei für soziale Gerechtigkeit und deren Hochschulgruppe an der HU-Berlin, nennt Jörg Baberowski wiederholt einen „rechten Professor“, der Osteuropaexperte bezeichnet die IYSSE im Gegenzug in verschiedenen Interviews als „stalinistische Sekte“. Zitate wurden aus dem Kontext gerissen, Veranstaltungen gestört, verunglimpfende Äußerungen getätigt – mit anderen Worten: Es herrscht dicke Luft. Der Bremer AStA schüttete mit dem Aufruf „Rechtsradikalen das Podium nehmen“ noch Öl ins Feuer.

Die Falle des Labels

Natürlich gibt es Schreihälse und ParolendrescherInnen, denen keine größere Öffentlichkeit geboten werden sollte. Einem anerkannten Universitätsprofessor, mit acht veröffentlichten Büchern, regelmäßigen Vorträgen, einer eigenen politischen Kolumne und zig öffentlichen Diskussionen, die Plattform nehmen zu wollen, scheint dagegen schon auf praktischer Ebene absurd. Baberowski vertritt in seinen vielen Veröffentlichungen eine diverse wissenschaftliche und politische Meinung. Diese erschöpft sich nicht an der Forderung nach restriktiverer Flüchtlingspolitik oder Kritik an politischer Korrektheit. Man macht es sich hier mit dem Label „Rechtsradikal“ viel zu einfach – gerade da Baberowski öffentlich und mit Argumenten gegen Vorwürfe vorgeht und sich wiederholt von rechtsradikalen Positionen distanziert hat. Das ist eben nicht das häufige diskutierte, kontrafaktische Gehetze gegen das der Ansatz „Keine Plattform bieten“ angewendet werden könnte.

 „Ich ändere nicht meine Argumente nur weil Rechte ähnliche benutzten. Ich überlasse den Rattenfängern nicht die Themen zum Hetzen.“ (Piratenpolitiker Ali Utlu)

Bloß, weil jemand ein Argument äußert, das ähnlich auch von Radikalen verwendet wird, ist jeneR noch lange keinE RadikaleR. Nur weil mit einer Meinung Hetze betrieben wird heißt das nicht, dass sich dahinter nicht irgendwo ein konstruktiv diskutierbares Argument verstecken kann.  Man sollte, wie es so schön heißt, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. 

:Frederik Herdering