AStA bringt Gregor Gysi an die RUB
Im Hörsaal mit Gregor Gysi
Bild: Jan Turek
Publikumsliebling: Gregor Gysi sorgte für Lacher und Applaus. Bild: Jan Turek
Publikumsliebling: Gregor Gysi sorgte für Lacher und Applaus.

Politische Bildung. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken war vergangenen Freitag (22. Juni) zu Gast an der Ruhr-Uni. Auf Einladung des AStA sprach er vor 400 Interessierten im HGC 10 über Krieg und soziale Gerechtigkeit.

„Politiker*innen im Hörsaal“ lautet der Name der neuen Veranstaltungsreihe des AStA-Referats für Politische Bildung. Große Namen der Politik werden an die RUB geholt, um diese den Studis näher zu bringen. Den Auftakt machte Linken-Urgestein Gregor Gysi.
„Gestern war ich schon in Bochum. Da hatte ich ein Gespräch mit Herrn Bosbach. Heute mit Ihnen: Das ist eine Qualitätssteigerung“, begrüßte der 70-Jährige das Publikum mit einem Seitenhieb auf den CDU-Politiker und hatte von Anfang an die Lacher auf seiner Seite. Im Gegensatz zu Christian Lindner im vergangenen Jahr, war ihm der überfüllte Saal wohlgesonnen. In seiner Rede plädierte der Jurist zuerst dafür, dass sich PolitikerInnen verständlich ausdrücken. Dann kam er auf Krieg und Frieden zu sprechen: Aufrüstung sei eine „Verschleuderung von Steuermitteln“, da es „nicht einen Staat“ gebe, „der die Absicht hat, Deutschland anzugreifen“. Darüber hinaus kritisierte er Rüstungsexporte, die ihm zufolge „nur neue Fluchtursachen“ schaffen: „Es gibt keinen Krieg, an dem Deutschland nicht mitverdient und ich finde, wir hätten 1945 beschließen müssen, nie wieder an Kriegen zu verdienen.“ Nachdem sich der Applaus gelegt hatte, widmete sich der Bundestagsabgeordnete der zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft und dem Neoliberalismus, dem „keine funktionierende Weltpolitik“ gegenüber stehe. Und in Bezug auf die Flüchtlingspolitik sei nur eine Bekämpfung der Fluchtursachen wirksam und darum eine Politik der Abschottung keine Lösung: „Die Linke darf sich das auch von den Rechten nicht aufschwatzen lassen“, kritisiert er implizit seine Fraktionsvorsitzende Wagenknecht. Nachdem Gysi sich noch zur Gleichstellung von Frauen und zu friedlichen Hausbesetzungen geäußert hatte, blieb nur noch wenig Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Für offene Debatten

Organisator Linus Stieldorf von den Jungliberalen zog ein positives Fazit: „Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Ich finde es schön, dass es so harmonisch abgelaufen ist und Gregor Gysi ist ein super Politiker – ein toller Rhetoriker mit Charme und Humor.“ Stieldorf, der auch FDP-Mitglied ist, sieht keinen Interessenkonflikt dabei, politisch Andersdenkende wie Gysi einzuladen: „Ich bin nicht in der Rolle als Jungliberaler, sondern in der Rolle als AStA-Referent für Politische Bildung. Meine persönlichen Thesen sind da irrelevant. Ich möchte eine liberale Debattenkultur. Niemand soll ausgegrenzt werden.“ Aus diesem Grund seien bewusst PolitikerInnen verschiedener Parteien eingeladen worden. Stieldorf ließ durchblicken, dass man sich momentan bemühe, im Wintersemester noch eine weitere Politikerin an die Ruhr-Uni zu holen: Angela Merkel.

Gastautor :Jan Turek

ZEIT:PUNKTE

KW 43 (Oktober): Peter Tauber (CDU)
12. November: Claudia Roth (Grüne)
16. November: Peer Steinbrück (SPD)
20. November: Andreas Pinkwart (FDP)
26. November: Anton Hofreiter (Grüne)
12. Dezember: Sahra Wagenknecht (Linke)
17. Dezember: Norbert Lammert (CDU)

 

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