Kommentar Contra: Warum die WM scheiße und gefährlich zugleich ist
Ich bin Team Anti-WM

Stell Dir vor, Du sitzt auf einer Wiese mit einem Kumpel, Ihr trinkt Bier und hört Euch Vogelgezwitscher an: „Piep, piep, piep“ zwitschern die Vögel, alles ruhig und entsp… „TOOOR!“ Und schon ist die Ruhe gestört. Alle Menschen fühlen mit, denn wir sind in Brasilien, wir haben gegen die USA ein Tor geschossen und wir sind die Nationalelf. Eben nicht!

Die Nationalelf sollte aus den besten Spielern der Bundesrepublik bestehen – sie besteht jedoch fast nur aus (Ex-)Bayern. Nicht wir haben Tore geschossen, sondern Klose, Götze, Müller und Hummels. Denn nur die Nationalelf ist in Brasilien und nicht wir alle. Die deutsche Doppelmoral beginnt auch jedes Mal bei der WM, so versteht sich der BVB-Fan als WM-Gucker mit dem Schalker, aber nur während Deutschland spielt; Sie umarmen sich bei jedem Tor, in der nächsten Bundesliga-Saison fangen sie jedoch wieder an zu streiten.

Aber die ganze Weltmeisterschaft ist auch ziemlich gefährlich. Dabei meine ich nicht die Sportverletzungen der Spieler oder die Kriminalität in den Armenvierteln von Rio, sondern den Verkehr in Deutschland! Vergangenen Donnerstag kurz vor 18 Uhr passierten auf der A40 zwei Unfälle, weil alle zum Spiel mussten. Es war eine Unfall-ception, ein Unfall im Unfall. Als wäre das nicht genug so, bin ich zeitgleich auf dem Weg zum Sport (denn ich mache welchen, WM-ZuschauerInnen schießen nur mental Tore), beinahe dreimal überfahren worden, denn ich besaß die Frechheit, meine grünen Ampeln zu nutzen, um die Straßen zu überqueren, und die gestressten AutofahrerInnen hatten es eilig, um zombiehaft vor der Flimmerkiste zu sitzen. Ich kann der WM nicht entfliehen, denn selbst in der Sporthalle fand ein „Public Viewing“ statt. Es war fast unmöglich, den Trainer zu verstehen, der ziemlich enttäuscht war, dass so wenige zum Training erschienen sind.

Der Heimweg war nicht viel schöner. Das Spiel war zwar vorbei, aber der Mageninhalt der Fans – ein Gemisch aus Bratwurst, Bier und Magensäure – begleitete mich bis vor die Haustür.