Cringe oder Cool?
Hypetime
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Symbolbild

Einen Hype kann es im Grunde genommen überall geben. Manchmal  wird ein Hype durch eine rechtmäßig große Erwartungshaltung an bestimmte Dinge oder Momente ausgelöst. Wenn zum Beispiel Musikstücke zum Hype werden, entstehen meistens die kulturellen Missgeschicke, die wir zehn Jahre später wieder vergessen wollen. Immer wieder bringt das Aufkommen neuer Subkulturen Fremdscham mit sich. 

Kultig: Baggypants und Arschgeweih 

Was haben wir uns eigentlich dabei gedacht, als wir in unserer Pubertät laut Martin Garrix über unsere Boxen Trümmern ließen und dabei versuchten, zu shuffeln. So cool wie es damals wirkte, ist es dann leider doch nicht und man muss sich eigentlich immer fragen, ob wir nicht auch jetzt nur Teil eines weiteren Hypes sind, den wir in fünf Jahren so gut es geht vergessen wollen, um ihn dann in zwanzig Jahren wieder aufleben zu lassen, weil es ja „voll retro“ ist.  

Sich über Hypes lustig zu machen, fällt leicht. Es ist einfach, im Nachhinein schlauer zu sein und solange man drüber lachen kann, ist es doch auch eigentlich egal, ob die langen schwarzgefärbten Haare über dem Auge eine wirklich gute Idee waren oder nicht. Der Hype ist aber auch wichtig. Jugendkulturen grenzen sich von der Norm ab und finden durch den Hype ihrer Generation eine Identität, die fernab von dem ist, was die Eltern cool finden. Und darum geht es doch, oder? Der Hype hilft uns, etwas zu finden, was uns ausmacht und uns trotzdem zugehörig werden lässt. Meine Liebe zum Hip-Hop ist entstanden durch Hype – dafür nehme ich auch gerne meine New Era Cap und Tiefsitzenden Jeans in Kauf. Hätte 50 Cent nicht damals „In da Club“ veröffentlicht, wäre ich wohl nie zu dem für die Unizeitung schreibenden Gangsterrapper geworden, der ich heute bin.  

Der Hype ist das, was unsere Kultur ausmacht. Seid gütig zum Hype! Lacht über ihn und schämt Euch nicht. Und vor allem: bleibt offen für neue Hypes!      

  :Gerit Höller

Movie Hypes

Wenn Filme von Fangruppen lange und heiß erwartet werden, wird ein Hype ausgelöst durch das, was vorher war. So wie bei einem der vergangenen großen Film-Hypes zum Finale der bisherigen Avengers-Saga, mit dem Film Endgame. Der vorangegangene Film Infinity War war ein spannendes Leinwandspektakel, das viele Fragen offenließ. Ebenso wurde die Wichtigkeit dieses Filmereignisses durch eine ewig lange Liste an darauf zulaufenden Filmen unterstrichen. Marvels Art (bezogen auf das MCU), ein Filmfranchise zu erzeugen, setzte somit einen Trend, der über einen organischen und langen Prozess entstanden ist, den viele andere Filmstudios jedoch auf die Schnelle nach-erzwingen wollten.  

Das unmittelbare Gegenbeispiel scheint hier der DC-Versuch, ein ähnliches Superheld:innenfilm-Universum zu konstruieren. Doch weil die Konkurrenz viele Jahre Vorsprung hatte, wollte man es in einer Hau-Ruck-Aktion aufbauschen. Die lange Bindung an die Fanbase, wie sie beim MCU durch den Film Iron Man bereits im Jahr 2008 geebnet wurde, wurde beim DCEU lediglich von ein paar wenigen Filmtiteln untermauert, die eher moderate Erfolge waren. Mit Ausnahme vielleicht von Wonder Woman, der Fans jedoch kaum die nötige Zeit in Erwartungshaltung verweilen ließ, sondern schnell mit DCs Avengers-Alternative Justice League getoppt werden sollte. Da das Interesse so noch nicht groß genug war griff man tief in das Marketing-Budget und klatschte die Superheld:innen von Justice League auf so ziemlich jedes Produkt im Supermarkt. Die Werbekampagne schien sehr viel wichtiger als der Film. Hauptsache Helden-Hype wie bei Marvel. Doch obwohl die Geschichte um den Film unspektakulär abgeschlossen wirkte, wurde der Hype nochmal aufgerollt. #ReleasetheSnyderCut – Bald auf HBO Max. Ist der Hype diesmal real?   

:Christian Feras Kaddoura

Hype zwischen Kalkulation und Zufall in der Gamesbranche

In fast keiner Branche ist Hype so sehr Teil des Programms, wie in der Gamingindustrie. Schon Monate oder teils Jahre vor Veröffentlichungen von Spielen werden Erwartungen für neue, große Releases geschürt. Nirgends tritt dies deutlicher zu Tage, als in den Sommermonaten der großen Spielemessen. Die E3, Gamescom, Tokyo Games Show ziehen jährlich Millionen von Fans an, die sich die neuesten Hypes präsentieren lassen. Einst als Fachmessen gedacht, sind die Großevents ein mediales Feuerwerk von spektakulären Trailern, großen Versprechungen, neuen Ankündigungen und Präsentationen, wegen denen Gamer:innen Nächte durchmachen. 

Aber dann gibt es auch noch die andere Form des Hypes, den organischen Hype. Weniger ein konzertiertes Medienereignis, in die Welt gebracht von millionenschweren Marketingkampagnen, sondern meistens zunächst unscheinbare Kleinprojekte, sind sie auf einmal einfach da. Das Kind der aktuellen Stunde: Among Us. Das Spiel, in dem eine Gruppe von Alienfiguren ein Reihe von simplen Aufgaben erledigen muss, während sich zwei Betrüger:innen unter ihnen befinden, deren Ziel es ist, den Rest der Gruppe auszuschalten. Das Spiel zieht Casual- bis Hardcore-Gamer:innen, komplette Neulinge und auch die ein oder anderen Politiker:innen an. Doch wie schnell ein Hype in dieser Branche vorbei sein kann, zeigt mit „Fall Guys“ jedoch ein weiteres aktuelles Beispiel. Vor wenigen Monaten begeisterte das Spiel noch unzählige Gamer:innen, Streamer:innen und Youtuber:innen. Mittlerweile kräht fast kein Hahn mehr danach. Denn so schnelllebig wie die Gameingindustrie ist, kann jeder Hype im Handumdrehen vorbei sein.                                                           

  :Stefan Moll

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