Eine treffende Analyse der Prostitutionsdebatten
Hurenstigma und Hurenbewegung
Foto: Patrick Henkelmann
Neue Gesellschaftskritik aus dem Hause Nautilus. Foto: Patrick Henkelmann
Neue Gesellschaftskritik aus dem Hause Nautilus.

Seit Ende 2012 wird hierzulande wieder kontrovers über die Prostitution diskutiert – und seit Ende 2013 endlich mit stärkerer Medienpräsenz der Sexarbeiterinnen selbst. An sachlichen, fundierten und seriösen Schriften zum Thema mangelt es jedoch. Erfreulicherweise ist ein aktuelles und wichtiges Grundlagenwerk zur Sexarbeit nun auch auf Deutsch erschienen: „Hure spielen“ von Melissa Gira Grant.

Die US-amerikanische Journalistin und ehemalige Sexarbeiterin beschreibt die Realität der Prostitution und analysiert den gesellschaftlichen Umgang mit jener – aus einem feministischen und gesellschaftskritischen Blickwinkel. Grant definiert Sexarbeit als das Spielen einer Rolle, bei dem es darauf ankommt, „Fachkönnen einzusetzen und innerhalb professioneller Grenzen eine empathische Beziehung zu jemandem aufzubauen“. Sexuelle Dienstleistungen zu erbringen sei dabei an sich weder etwas Negatives, noch etwas Emanzipatives, sondern einfach eine Form der Arbeit, mit der Frauen – aber auch Männer und überproportional viele Transsexuelle – ihr Geld verdienen.

Grant thematisiert kaum ihre eigene Tätigkeit als Sexarbeiterin, beschreibt dafür aber anschaulich die Entstehung der Hurenbewegung in den 1970er Jahren und die in den USA bis heute vorherrschende Kriminalisierung von SexarbeiterInnen, samt der damit verbundenen Repression und Polizeigewalt. Der Schwerpunkt des Buches liegt jedoch auf der stark verzerrten öffentlichen Wahrnehmung und medialen Darstellung der Sexarbeit(erInnen). Zudem auf den Mechanismen des Stigmatisierens, Abwertens und Entmündigens der Frauen in diesem Berufsfeld durch konservative wie feministische ProstitutionsgegnerInnen.

Gerade deshalb ist „Hure spielen“ angesichts der momentanen europäischen Diskussionen über die Prostitution eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Melissa Gira Grant stellt klar, dass die Frauen  in diesem Bereich keine selbsternannten RetterInnen brauchen – sondern wie alle SexarbeiterInnen Legalität und volle Akzeptanz für ihre Arbeit.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

Melissa Gira Grant:

„Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit“

Nautilus Flugschrift

192 Seiten, 14,90 Euro

 

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