Mietpreise: Ganz Berlin gentrifiziert?
Hip, cool, scheiße teuer – die Hauptstadt hat ihren Preis
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Teures Pflaster Prenzlauer Berg: Sanierte Prachtbauten in der Kastanienallee. Foto: tims
Teures Pflaster Prenzlauer Berg: Sanierte Prachtbauten in der Kastanienallee.

Noch vor 10 Jahren galt Berlin als das Mekka für Kreativität, Trend und Lifestyle und vor allem als günstiges Pflaster. Heute ist der Lebensraum in der Hauptstadt so teuer wie noch nie und für viele Einheimische nicht mehr bezahlbar. Im Prenzlauer Berg wurden aus Mietskasernen Prachtbauten, aus Straßen Alleen und der Immobilienmarkt für Eigentumswohnungen in Friedrichshain boomt und verändert das Leben. Urlaubszimmerbörsen wie „Airbnb“ befeuern diesen Trend.

Vorbei ist die Zeit, als man in Berlin in einer schönen 60-Quadratmeter-Altbauwohnung für unter 500 Euro seinem Studium oder seiner Arbeit nachgehen konnte und mit Verachtung auf das sündhaft teure München oder Köln schaute. Allein innerhalb des letzten Jahres sind die Mieten in Berlin um 23 Prozent gestiegen, vor allem innerhalb des S-Bahnrings. Viele Neu-BerlinerInnen und Studierende suchen in der zentralen Lage eine Wohnung, doch diese ist mittlerweile sehr teuer geworden. So gleicht sich Berlin mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 9,60 Euro pro Quadratmeter den anderen Metropolen des Landes an. Besonders teuer ist es in Mitte, dort kostet der Quadratmeter 13,20 Euro. Die vielen Modernisierungs- und Sanierungsprojekte der Stadt treiben den Preis in die Höhe; so sind auch die Stadtteile Schöneberg, Kreuzberg und Tiergarten mit 16 bis 20 Prozent mehr pro Quadratmeter kein günstiges Pflaster mehr. Durch die steigenden Mieten denken viele BerlinerInnen über Eigenheime nach.

Vor allem in Friedrichshain ist die Nachfrage nach Eigenheimen in Form von Eigentumswohnungen im Preissegment von 200.000 bis 300.000 Euro seit 2010 signifikant gestiegen. Das Viertel mit den meisten Kneipen und Cafés der Hauptstadt wird auf dem Immobilienmarkt zu einem großen Spielball, viele einheimische BerlinerInnen laufen Sturm gegen diese Entwicklung und müssen zum Teil ihre alten Wohnungen aufgeben. Durch Urlaubszimmerbörsen wie „Airbnb“ wird zusätzlich Wohnraum verknappt und somit verteuert.

Prachtbauten statt Platz für die Alten

Ein Sinnbild der Gentrifizierung der Stadt ist in den letzten Jahren der Stadtteil Prenzlauer Berg geworden. Einst noch das absolute Szene-Viertel der jungen KünsterInnen und Intellektuellen der Stadt, wird es heute von einer gutverdienenden Mittelschicht jenseits der Dreißig besiedelt. Aus den hippen Studierenden sind gutverdienende Eltern mit Kindern geworden, was man ihnen auch nicht verübeln kann. Dass jedoch durch diesen neuen Wohlstand vor allem die alteingesessenen BerlinerInnen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, ist die Kehrseite dieser Entwicklung.

Mietpreisbremse: Lösung aller Probleme?

Gestoppt werden kann dieser Trend durch staatliches Eingreifen; die 2015 in Kraft tretende Mietpreisbremse könnte ein solches Mittel gegen die steigenden Mieten sein. Studierende, die eventuell für den Bachelor oder Master nach Berlin gehen wollen, sollten sich früh auf Wohnungssuche begeben, denn so findet Ihr noch einige Wohnungen im bezahlbaren Bereich. Wedding und Neukölln liegen zum Beispiel im Mietspiegel noch unterhalb des Durchschnitts und auch viele Außenbezirke sind aktuell noch immer attraktiv.