Ein Ende der Einsamkeit in Sicht?
Hilfe für Studierende
Bild: CC0t

Studierende wurden in der Pandemie übersehen. Die Folgen machen sich nun bemerkbar: die psychologischen Beratungen sind massiv überlastet. 

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Peter-André Alt konstatiert, dass der Bedarf an psychologischen Hilfsangeboten an manchen Standorten um 85 Prozent angestiegen sei. Er vermisse eine Reaktion der Politik.

Um der steigenden Nachfrage nach psychologischer Unterstützung beizukommen, fordern Studentenwerke und die Hochschulrektorenkonferenz ein Sofortprogramm: Die psychologische Beratung müsse ausgebaut werden. 

Bund und Länder werden aufgerufen, zehn Millionen Euro auszurichten. Wann genau und inwiefern dieses Geld Verwendung finden wird, ist noch unklar. Allerdings: Ein erster Schritt ist gemacht – die Studierenden rücken wieder in den Kegel der Aufmerksamkeit. Während der Pandemie wurde die Belastung für Studierende falsch eingeschätzt. Viele litten und leiden immer noch und die Wartelisten der Psycholog:innen sind lang.  :Rebecca Voeste

 

Ein Tipp 

Falls Ihr dringend Unterstützung braucht, könnt Ihr Euch beispielsweise auch in ortsansässigen Kirchengemeinden umschauen. Dort gibt es, und das ist auch oft unbekannt, psychologische Beratungsangebote – die auch nicht unbedingt mit Religion zu tun haben. Die Kirchen sind meistens nicht ausgelastet und haben bessere Kapazitäten, um sich Eurer anzunehmen, als städtische Angebote oder Therapeuten.

 

Erste Hilfe bei Überlastung

Folgende Strategien können laut dem Hamburger Psychologen Ronald Hoffmann kurzfristig etwas Abhilfe schaffen, wenn Ihr Euch überlastet fühlt:

 

1. Struktur in Euren Tag bringen 

Studierende können sich schnell in einer Abwärtsspirale wiederfinden, wenn sie flexibel abrufbare Seminarinhalte wochenlang vor sich hinschieben. Ein Tagesplan mit To-Do-Liste kann dem entgegenwirken.

2. Pausen einlegen

Eure Aufmerksamkeitsspanne liegt ungefähr bei einer Stunde. Wenn Ihr viele kleine Pausen über den Tag verteilt einlegt, fördert Ihr Eure Leistungsfähigkeit. 

3. Kreative Belohnungen

Falls Ihr einen inneren Erwartungsdruck verspürt, ist es wichtig, gezielte Belohnungen durch einen Ausgleich in der Freizeitgestaltung einzubringen: Geht Euren Lieblingsbeschäftigungen nach.  

4. In Lerngruppen organisieren 

Diese sorgen dafür, dass Ihr mit anderen Studierenden in regelmäßigem Kontakt steht und nicht vereinsamt. Außerdem könnt Ihr Euch über Eure Unsicherheiten im Online-Semester austauschen. 

5. Psychologische Beratung suchen 

Leichter gesagt als getan: Wer sich über längere Zeit einsam und antriebslos fühlt, sollte sich an eine Beratungsstelle wenden. Viele Studierende wissen nicht einmal, dass es auch Hilfsangbote an der eigenen Universität gibt. Wie sich allerdings gezeigt hat, sind diese bereits überlastet.

 

Studi-Stimmen 

„Naja, ich habe keine Hilfsangebote in Anspruch genommen. Vergessen fühle ich mich jetzt auch nicht wirklich, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass meine Präsenztermine einerseits passend genau dann stattgefunden haben, als die Beschränkungen nicht besonders streng waren und andererseits mein jetziges Modul eh auf Computerarbeit beschränkt ist, die locker im Homeoffice erledigt werden kann.“ 

„Ich fühle mich vergessen in der Pandemie, weil die Digitale Lehre teilweise ein Desaster ist. An meiner Universität ist nichts einheitlich geregelt.“

„Von Hilfsangeboten habe ich nichts mitbekommen. Es wurde nichts kommuniziert! Die Tutorien fanden ganz normal statt, wurden aber nicht an die Pandemie angepasst.“

„Man kann halt gefühlt nichts lernen. Es verunsichert, weil man sich denkt: „Okay, cool, ich muss irgendwann meine Bachelorarbeit schreiben, aber hab gefühlt nichts gelernt.“

„Wenn es Hilfsangebote gibt, wurden sie an meiner Universität nicht angepriesen.“

„Ich persönlich hab durch die ständige Isolation einen Schaden davongetragen, bin jetzt in Therapie. Dass meine Universität psychologische Angebote hat, wusste ich nicht einmal. Ich hoffe, dass das in Zukunft offener kommuniziert wird.“