Die Thyssenkrupp AG will 2.000 Stellen streichen – Standort Bochum in Gefahr
Hast ’nen Pulsschlag aus Stahl

Kommentar. Stahl und Maloche gehören eben so zu Bochum wie Fiege und der VfL. Letzteres haben noch Zukunft, die Stahlarbeit nicht.

In Bochum kennt man das schon, aber so richtig gewöhnen kann man sich nie: Nach Nokia und Opel droht der Ruhrgebietsstadt nun der Verlust eines weiteren Global Players. Thyssenkrupp hat vergangene Woche die Fusion mit dem indischen Stahlkonzern Tata verkündet und so stehen mit einem Schlag mindestens 2.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland auf dem Spiel. Die IG Metall befürchtet noch mehr Stellenstreichungen, man fordert Standortgarantien und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Das sind große Worte, denen müssen auch große Taten folgen.

Auf der großen Demonstration am Freitag in Bochum (Seite 4) waren die Rufe nach einem Streik noch verhalten, doch mancherorts erhallten sie immer und immer wieder.  Und auch die Politik sieht die Konzernspitze in der Pflicht: Man habe sich an das Montan-Mitbestimmungsgesetz zu halten, die Belegschaft hat ein vollparitätisches Mitbestimmungsrecht in allen wichtigen Konzernfragen.

Solidarität notwendig 

Es ist einer dieser Konflikte: Solidarität mit der Belegschaft ist notwendig, der Thyssenkrupp-Konzern jedoch eine Qual. Groß geworden durch zwei Weltkriege, durch Kartellarbeit und Unterdrückung der ArbeiterInnenklasse ist der Stahlriese heute einerseits wichtiger Arbeitgeber im Ruhrgebiet, aber auch einer der größten Rüstungsexporteure. Ein Konzern, dem man aus antikapitalistischer Sicht nichts Gutes wünscht. Doch die Beschäftigten bei Thyssenkrupp sind auf ihre Jobs angewiesen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Wohl gemerkt nur an der Konzernbasis, die Spitze ist fein raus. Der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger verdient trotz – oder gerade wegen – Stellenstreichungen und Fusionierung bis zu 9 Millionen Euro pro Jahr; und tritt ArbeitnehmerInnenrechte und die Montan-Mitbestimmung mit Füßen.

Ob da der Arbeitskampf alleine ausreicht, um für Gerechtigkeit zu sorgen, ist fragwürdig. Für den momentanen Kampf um Arbeitsplätze ist er notwendig. Darüber hinaus bleibt abzuwarten, was mit dem Konzern geschieht, eine Syndikalisierung der Thyssenkrupp AG scheint nicht in Sicht.        

 :Justinian L. Mantoan