Wo wir jetzt stehen ...
Happy Pride
Bild:bena
Symbolbild

Riot for Freedom 

Revolution. Am 28. Juni 1969 wollte die Polizei routinemäßig das „Stonewall Inn“ an der Christopher Street räumen. Doch an diesem Abend lief alles anders und es wurde eine Revolution gegen die Diskriminierung und Kriminalisierung homosexueller Menschen gestartet. 

Krank, unsichtbar und ansteckend – so wurde vom „Public Service Announcement“ im amerikanischen Fernsehen vor Homosexualität gewarnt. Denn Menschen, die die gleichgeschlechtliche Liebe ausleben, wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als krank angesehen. In diesen Zeiten wurden homosexuelle Beziehungen in Amerika als illegal anerkannt. Und so konnten die Nachbarn und/oder die eigene Familie als Feindbild gesehen werden.  

Denn wenn man geoutet wurde, sollte man vermeintlich geheilt werden und das mit Mitteln der Zeit, sogenannte Elektroschocktherapien. Diese Schocktherapien ließen die „Patient:innen“ jedoch eher psychischen Schaden erleiden, als sich von der „Krankheit“ zu heilen. Auch in Kunst und Literatur war die Möglichkeit für ein positives Leben als homosexueller Mensch nicht angedacht. So starben viele Charaktere in Büchern oder begangen Selbstmord, wodurch ein positives Lebensmodell für Menschen aus der Community nicht vorstellbar war und man das Klischee verbreitete, dass „Schwule und Lesben ihr Leben lang leiden würden“, so Lee Zevy, Mitbegründerin des Identity Houses in New York.  
Clubs und Bars dienten den Menschen als Schutzort, wo sie sich nicht verstecken mussten und befreit unter Gleichgesinnten sein konnten. Um in diese zu kommen, gab es spezielle Regeln. 
In der Nacht vom 27. Juni auf den 28. Juni 1969 wollten sich Sylvia Rivera, Marsha P. Johnson und viele anderen Besucher:innen des „Stonewall Inn“ das nicht mehr gefallen lassen und setzten sich aktiv gegen die Razzia und  die anhaltende rassistischen, queer- und transfeindlichen Polizeigewalt zur Wehr. Sie begannen, Ihr das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und schreiben Geschichte. 
Nach den Krawallen erschien innerhalb der heute genannten LGBTQIA*-Community das Leben einfacher zu werden. Da viele Leute sich outeten, Homosexualität sichtbarer wurde und nicht mehr als Krankheit zu sehen war, sondern als eine Art „Normalität“. Auch wenn die Gesetze innerhalb der Vereinigten Staaten Amerikas kein freies Leben  garantierten, da die sogenannten „Sodomie Gesetze“ noch  Mitte der 80er Jahre vom höchsten Gericht in der USA bekräftigt wurden, fühlten sich viele Menschen freier.  

Deswegen ist „Stonewall“ bis heute als eine Nacht des Aufruhrs zu verstehen. Die Unruhen in der Christopher Street waren ein Anstoß für einen Wendepunkt und der Beginn von etwas Neuem. Es war der Grundstein für eine Revolution, das Land Veränderung über das Land  brachte und mehr Rechte sowie Akzeptanz homosexueller Menschen gegenüber. Aus diesem Grund ist der Juni ein wichtiger Monat für die Community, da in diesem an Widerstand und andere Erfolge, aber auch Missstände erinnert wird. So finden sich jährlich viele Menschen zusammen und zelebrieren gemeinsam den „Pride Month“ und die Paraden rund um denChristopher Street Day.                     

                      :Abena Appiah

 

LGBTQIA* heute: schon viel geschafft

Aktualität. Viele zentrale Themenschwerpunkte haben sich heutzutage verlagert. Hier ein kurzer Einblick.

21. April 2001: Die Niederlande verabschieden als erstes Land ein offizielles Gesetz, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Zuvor waren in einigen Ländern Konstrukte wie Lebenspartner:innenschaften für gleichgeschlechtliche Paare genehmigt. In Deutschland wurde selbst die Möglichkeit zur eingetragenen Lebenspartner:innenschaft für gleichgeschlechtliche Paare erst im August 2001, also nachdem die Niederlande bereits das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe verabschiedeten, erlaubt. Erst im Herbst 2017 verabschiedete Deutschland ein Gesetz, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte. Zuvor geschah dies bereits in vielen anderen Staaten, darunter Puerto Rico, den USA, Finnland, Frankreich, Neuseeland, Uruguay, Brasilien und Irland als erstes Land, in dem die Entscheidung durch ein Referendum fiel. Aktuell können Paare gleichen Geschlechts in 29 Ländern heiraten; zuletzt wurde dies in Costa Rica legalisiert. 

Auch wenn die Ehe für alle noch immer ein Ziel der LGBTQIA*-Community ist, reiht es sich heutzutage zu einer Vielzahl differenzierter Ziele ein. Meist setzen sich LGBTQIA*-Organisationen  und -Proteste für die Gleichstellung aller Menschen unabhängig ihrer sexuellen, romantischen oder geschlechtlichen Orientierung in allen Bereichen des Lebens ein. So spricht sich die Organisation Stonewall auf ihren Social Media-Kanälen für ,,Acceptance without exception for all LGBT people‘‘ aus und bezeichnet die folgenden vier Punkte als Prioritäten: „Empowering individuals“, „transforming institutions“, „changing hearts and minds“ und „changing and protecting laws“. Es geht also sowohl um die soziale Komponente und Individuen als auch die Gesetzesgrundlage und Gesellschaft als Ganzes. OutRight Action International, eine weitere gemeinnützige Organisation, beschreibt sich als ,,dedicated to human rights advocacy on behalf of people who experience discrimination or abuse on the basis of their actual or perceived sexual orientation, gender identity or expression“. 

Ein zentraler Aspekt, der erst seit Ende des 20. Jahrhunderts langsam in der Community sowie Gesellschaftsforschung anerkannt wird, ist der Unterschied zwischen ,,gender“ (Geschlechtsorientierung) und ,,sex“ (biologisches Geschlecht). Dies hebt traditionelle, binäre Trennung zwischen Mann und Frau auf und beschreibt, dass die Geschlechtsorientierung nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen muss und dass es Geschlechtsorientierungen gibt, die sich nicht mittels der binären Trennung definieren lassen – beispielsweise bei non-binären oder genderfluiden Menschen.
Außerdem werden langsam auch andere sexuelle Orientierungen neben Homosexualität als relevant angesehen. Dies betrifft zum Beispiel Bi- und Pansexualität sowie alle sexuellen Orientierungen, die sich auf dem Ace-Spektrum befinden (also: zum Beispiel Asexualität oder Demisexualität, bei der sich Menschen nur bei einer emotionalen Bindung sexuell angezogen fühlen können). Des Weiteren wird zwischen sexueller und romantischer Anziehung unterschieden. Das bedeutet, dass die romantische und sexuelle Orientierung sich gleichen können, aber nicht müssen.
Langsam werden also die Ziele und das Eigenverständnis der LGBTQIA*-Community vielfältiger. Dadurch erweitert sich der Fokus und verschiedene Organisationen legen ihre Schwerpunkte auf unterschiedliche Aspekte.

                                Ein Gastartikel von :Charleena Schweda