Die Golden Globes 2021 wurden verliehen.
Glamour im Wohnzimmer
Symbolbild
Schlabber-Look? Die meisten Promis gaben sich auch vor der Zoom-Kamera Mühe.

Awards. Mit den 78. Golden Globes gab es jetzt einen Vorgeschmack auf das Corona-Zeitalter der Preisverleihungen.

Vor etwas mehr als einem Jahr konnte Bong Joon-Ho sowohl bei den Oscars als auch zuvor bei den Golden Globes die Auszeichnungen für sein Meisterwerk „Parasite“ persönlich entgegennehmen. In Los Angeles waren beide Hallen jeweils wie gewohnt mit der Crème de la Crème der Filmkunst in vollem Glanz und Gloria gefüllt. Für die diesjährigen Preisträger:innen sah der Prunk etwas anders aus, denn die große Gala blieb diesmal natürlich aus. Stattdessen saßen die meisten der Stars in Ballkleid oder Anzug mal allein, mal mit Beistand der Familie, auf dem heimischen Sofa und wurden per Videokonferenz zugeschaltet. Die üblichen Probleme ließen natürlich auch hier nicht lange auf sich warten: Daniel Kaluuya, der für seine Rolle in „Judas and the Black Messiah“ als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, begann überglücklich mit seiner Dankesrede, ohne daran zu denken sein Mikrofon wieder einzuschalten. 

Die Verlesung der Nominierten konnte durch verschiedene bekannte Gesichter der Szene wie Laura Dern, Ben Stiller oder Christian Slater größtenteils vor Ort in der Halle stattfinden, was durch eine parallele Co-Moderation von Tina Fey aus New York und Amy Poehler aus Los Angeles ermöglicht wurde. Das Live-Publikum bestand diesmal, ähnlich wie schon beim Super Bowl, aus Vertreter:innen systemrelevanter Berufe. Im Vorfeld der Verleihung hatte es bereits Kritik an der Besetzung der Jury gehagelt, in der seit 20 Jahren kein einziges der 87 Mitglieder nicht weiß ist und die auch ansonsten verbreitet als überaltert und korrupt gilt. Die Moderatorinnen sprachen zwar zu Beginn der Show mit ein paar ironischen Witzen das Problem an, jedoch ist das meistens ein Zeichen dafür, dass man – wenn überhaupt – lediglich aus PR-Gründungen an Veränderungen denkt. Die Angelegenheit erinnert so etwas unglücklich an die Oscars 2016, als mit Chris Rock ein Schwarzer Moderator durch eine Preisverleihung führte, bei der nicht ein:e Schwarze:r Künstler:in nominiert war und immer wieder durch Anspielungen darauf aufmerksam zu machen versuchte, was das Problem an sich allerdings nicht schmälert. 

Dennoch wurden in diesem Jahr bei den Golden Globes einige großartige Künstler:innen ausgezeichnet, darunter auch der kürzlich verstorbene Chadwick Boseman, der sich in seiner Rolle als Black Panther einen Namen machen konnte und nun posthum als Bester Schauspieler in einem Drama für seine Arbeit in „Ma Rainey´s Black Bottom“ geehrt wurde. Unter den Filmen konnten drei sehr unterschiedliche Werke jeweils zwei Preise ergattern: der neue Pixar-Film „Soul“ von Pete Docter, der von der Seele eines New Yorker Jazz-Musikers handelt, gewann in den Kategorien Beste Filmmusik und Bester Animationsfilm. Die Fortsetzung „Borat Anschluss Moviefilm“ von Jason Woliner ist ein Mix aus gescripteten und dokumentarischen Szenen über das moderne Amerika wurde als Beste Komödie geehrt, während ihr Star Sacha Baron Cohen als Bester Hauptdarsteller in einer Komödie ausgezeichnet wurde. In den wohl wichtigsten Kategorien Bestes Drama und Beste Regie gewann „Nomadland“ von Chloé Zhao, der das Leben von modernen Nomaden in den USA zeigt und ebenfalls als ein großer Oscar-Favorit gilt. Unter den Serien stand die britische Produktion „The Crown“ über das Königshaus mit vier Auszeichnungen klar im Fokus.  

Insgesamt kann man die Verleihung als eher gelungenen Test für Veranstaltungen dieser Größe unter den gegebenen Bedingungen sehen, die Oscars werden sich ein Beispiel nehmen.  

  :Henry Klur

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