Der Einfluss von Maos Lehren an der RUB: die Anfänge
Getragen von RedakteurInnen, PolitikerInnen und ProfessorInnen
Quelle: :bsz-Archiv
Der Vorsitzende grüßt aus Zeitung: Ein ganzseitiges Mao Portrait in der :bsz vom 4. Juni 1970.  Quelle: :bsz-Archiv
Der Vorsitzende grüßt aus Zeitung: Ein ganzseitiges Mao Portrait in der :bsz vom 4. Juni 1970.
Die chinesische Kulturrevolution, die mit einer großangelegten Säuberungsmaßnahme gegen Staat, Partei und Bevölkerung einherging, wird fünfzig. Die totale Umkrempelung der Gesellschaft unter maßgeblicher Führung von Studierenden machten Mao und seine Ideen auch in der Bundesrepublik und an der RUB durchaus populär.
 
Maos Ideen bauen auf dem Konzept des von Karl Marx und Friedrich Engels erkannten Prinzips auf, dass die Geschichte aus Klassenkämpfen besteht. Wesentliche Unterschiede bestehen im Maoismus darin, dass die revolutionäre Praxis und nicht die Theorie im Vordergrund steht. Ebenso ist für Mao der Klassenkampf nicht mit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft abgeschlossen, sondern muss ewigwährend fortgesetzt werden. Hieraus ergeben sich die Notwendigkeit für die Kulturrevolution und die Attraktivität für Studierende auf der ganzen Welt.

Mao als Mitglied der Bochumer StudentInnenunion

1967, im Gründungsjahr der :bsz, waren die deutschen AnhängerInnen Maos noch weit weg in Berlin. Unter der Überschrift „Wird Berlin ein neues Berkeley?“ berichtete die Zeitung von Protesten des dortigen SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) gegen den Senat der Freien Universität Berlin. Die Berliner Boulevardpresse bezeichnete den SDS dabei als „Mao-Gruppe.“ Doch bereits ein Jahr später wurde die Zitatsammlung Mao Zedongs, besser bekannt als „Mao Bibel“, auch in Bochum eifrig gelesen.
 
Anlässlich eines "FAZ"-Artikels zur Unruhe der deutschen Studierenden, deren Ursache in der Verteilung von Mao Bibeln ausgemacht wurde, bekannte die :bsz: „Die Redaktion der BSZ gesteht zerknirscht, daß sie auch zu jenen ‚Kreisen‘ gehört die das rote Büchlein besitzt.“ Ebenso betrieben MaoistInnenen unter dem Namen Bochumer Studentenunion (BSU) fleißig Wahlkampf und versuchten die Studierenden mit dem Argument zu überzeugen, dass wenn Mao nicht Staatsratsvorsitzender in China wäre, er Mitglied der BSU wäre. Diese Werbung blieb zunächst noch erfolglos; im Wintersemester 1967/1968 trat die BSU zwar an, jedoch schloss sie der Wahlleiter wegen unvollständiger Unterlagen im Sommersemester 1968 von der Wahl aus.Mao und Protest: Eine Leserin mit ihrer roten Bibel in der :bsz vom  7. März 1968. Quelle: :bsz-Archiv

Die Worte des Vorsitzenden und die Wissenschaft

Die maoistischen Ideen manifestierten sich jedoch nicht allein in der :bsz und der Hochschulpolitik, sondern auch in der wissenschaftlichen Lehre an der RUB. So stellte der Rechtsprofessor Geilen einer Falldiskussion folgende Worte Maos voran: „Es gibt zwei verschiedene Einstellungen … Die eine ist eine dogmatische. Sie besteht darin, alles zu übernehmen, sei es für die Verhältnisse unseres Landes geeignet oder nicht. Das ist keine gute Einstellung. Die andere besteht darin, den Geist anzustrengen und alles zu erlernen, was den Bedingungen unseres Landes entspricht.“
 
Die hier gemachten Betrachtungen sind lediglich ein Einstieg in die reiche und kontroverse Geschichte des Maoismus an der RUB. Sie sind ein Beweis dafür, dass der Maoismus nicht den großen und traditionsreichen Universitäten überlassen blieb. Lest in kommenden Artikeln über den Aufstieg der MaoistInnen in den AStA und über die Übernahme der :bsz.
 
Gastautor :Jan Freytag 
 
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