Das interkulturelle Fastenbrechen an der RUB: Ein vielversprechender Abend mit Lichtblick für die Zukunft
Gemeinsames Fastenbrechen in der Mensa
Bild: mimo
Symbolbild

Am 21.04.2022 lud der ASta mit dem Autonomen Ausländer:innen Referat, passend zum Ramadan, zum interkulturellen Abendessen ein. Wir haben mit Fatima Azroufi gesprochen und klären auf warum es ein TikTok hit ist und worum es geht.

bsz: Seit wann gibt es das Fastenbrechen an der Uni? 

Fatima: Das Interkulturelle Abendessen gibt es seit 2008 und fand seitdem bis auf die letzten beiden Jahre jährlich statt. Zunächst in einem Zelt vor GA, dann in der GA Cafeteria, anschließend in der GB Cafeteria und seit 2013 in der Mensa.

 

Wie gestaltete sich die Organisation nach Corona? 

Im Grunde genommen war wegen des „Freedom Day“ die Organisation dieselbe wie vor Corona. Damit unsere Studis sich wohlfühlen, haben wir zusätzlich das 3G-Prinzip für die Veranstaltung angewendet.

 

Gab es Mach frangen der Studis, ob es wieder stattfindet? 

Nein. Dadurch, dass die Veranstaltung zweimal nicht stattfinden konnte, denke ich, dass viele Studis die Veranstaltung nicht mehr auf dem Schirm hatten oder vielleicht - so wie wir auch lange - nicht geglaubt haben, dass eine so große Veranstaltung stattfinden könnte. 

 

Warum denkst Du, dass es ein wichtiges Event an der Uni ist? Was macht es so besonders? 

Die Studierendenschaft der RUB ist sehr interkulturell und divers. Viele unserer Mitstudierenden muslimischen Glaubens fasten auch selbst im Ramadan. Da es dem AStA wichtig ist, in seinen regelmäßigen Veranstaltungen die kulturelle Diversität auf unserem Campus abzubilden, organisieren wir nun schon seit 14 Jahren dieses Interkulturelle Abendessen und sehen uns damit als Pioniere in diesem Bereich.

 

Und was ist Dein Fazit? 

Insgesamt sind wir mit dem Ablauf dieses Jahr zufrieden gewesen. Der Ansturm auf die Karten war zwar groß, dennoch wollten wir die Veranstaltung erstmal kleiner halten als üblich. Um zu schauen, wie solch eine Großveranstaltung nach Corona ankommt, haben wir mit 650 statt 1000 Gästen geplant und hoffen im nächsten Jahr wieder 1000 Gäste begrüßen zu dürfen. Das Feedback auf Social Media war jedenfalls sehr positiv - viele hoffen, nächstes Jahr mit dabei sein zu können.

:Abena Appiah

 

Das interkulturelle Fastenbrechen, an der RUB auch „Iftar“ genannt, ist auf TikTok viral gegangen. Wer nicht dabei gewesen ist, hat etwas verpasst, denn das Event zeigt: 

Zusammen funktioniert es besser! 

 

Was ist Ramadan überhaupt?  

Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders und dazu noch ein ganz besonderer Monat für Muslime. Muslime glauben, dass im Monat Ramadan der Prophet Muhammad die ersten Offenbarungen des heiligen Buchs der Muslime (dem Koran) erhalten hat. Doch nicht nur die Offenbarung des Korans macht den Ramadan besonders, sondern auch das Fasten.  Ramadan ist bekannt als der Fastenmonat der Muslime. Das Fasten im Islam bedeutet grundsätzlich von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang auf Trinken und Essen zu verzichten. Doch der bloße Verzicht auf Nahrung steht im Ramadan nicht im Vordergrund, sondern die Hingabe zum Schöpfer. Es ist die Zeit der Selbstreflexion, der Vergebung und der Reinigung der Seele. Muslime sollen sich intensiv mit ihrem Glauben beschäftigen und viel in der heiligen Schrift lesen, um die Verbindung zu Gott zu stärken. Viele Muslime nutzen den Monat, um Streitigkeiten zu schlichten, um Vergebung ihrer Sünden zu bitten, und sanfter mit Worten und Mitmenschen umzugehen. Diejenigen, die sich nicht mehr oder weniger mit dem Islam verbunden fühlen, versuchen aufrichtig, die Spiritualität, die einst hatten, wiederzuerlangen und diese zu stärken. Doch nicht nur die Spiritualität wird gestärkt, sondern besonders der Zusammenhalt von Familien und Frieden. Denn das Fasten bricht man ungern alleine. Familien, Freunde und Bekannte, die sich aus den Augen verloren haben, nehmen sich wieder Zeit für einander und treffen sich zum gemeinsamen Iftar. Eben so ein Iftar, wie das interkulturelle Fastenbrechen an der RUB. 

 

Miena meint:

Bereits um 18:30 trafen die ersten Student:innen in der Mensa ein und es dauerte nicht lange, da waren die Tische schon gefüllt und der Raum erfüllt mit einer fröhlichen Stimmung. Besonders viele Erstis befanden sich unter den Student:innen, denn der Abend bot auch eine perfekte Möglichkeit zur Knüpfung von Kontakten.  

Auf den Tischen befanden sich Wasser und Datteln, denn traditionell brechen Muslime das Fasten mit einem Schluck Wasser und Datteln nach dem Vorbild des Propheten Muhammad. Das Buffet bestand aus Salat, veganer Linsensuppe, Gemüselasagne, Geschnetzeltes in Pilzrahm (natürlich helal), Basmatireis/Spätzle und zum Nachtisch konnte man sich zwischen Mousse au Chocolat, Obstsalat und Baklava entscheiden.  

Für viele war es nicht nur das erste Iftar an der RUB, sondern ein Abend, der nicht in Vergessenheit geraten wird. Mit Sicherheit ist das Highlight des Abends der Gebetsruf, auch bekannt als „Adhan“ gewesen. Der „Adhan“ ist der arabische Aufruf zum Gebet und im Ramadan symbolisiert dieser auch die Zeit des Fastenbrechens. Den friedlichen Gebetsruf in der Öffentlichkeit zu hören, war für viele Anwesende eine schöne Abwechslung von der ganzen Islamophobie in den Medien. Viele haben zum ersten Mal erfahren, wie schön es sich anfühlt, wenn man nicht direkt schief angeschaut wird, nur weil man seine Religion ausleben möchte.  

Besonders machte den Abend auch, dass sich zum Fastenbrechen nicht nur Muslime, sondern viele Nichtmuslime in der Mensa versammelt haben. Eine schöne Gelegenheit, um Andersgläubigen oder allen, die keiner Konfession angehören nahezulegen, wieso der Monat Ramadan trotz all den Regeln für fast alle Muslime, den erholsamsten und friedlichsten Monat des Jahres darstellt und die Freude zu teilen. Ramadan ist für Muslime nämlich  so viel mehr als purer Verzicht - Es ist die schönste Zeit des Jahres.             

:Miena Momandi

 
Co-Autor(in):