Einfluss der türkischen Regierung auf Jugendarbeit?
Gemeinsam mit Extremist:innen?

DiTiB könnte in Essen Träger der freien Jugendhilfe werden. Doch gibt es Kritik, denn der Verein hat eine Geschichte voller Skandale.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, kurz DiTiB) ist ein religiöser Verein, der Träger vieler Moscheen und die größte sunnitische Organisation in Deutschland. Er untersteht dem türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten, welches direkt dem türkischen Präsidenten unterstellt ist. In unserer Nachbarstadt Essen könnte DiTiB nun Träger der freien Jugendhilfe werden, was auf Protest und Kritik stößt.

Träger der freien Jugendhilfe sind meist Organisationen wie Kirchen und Wohlfahrtsverbände und stehen den öffentlichen Trägern der Jugendhilfe – den Jugendämtern – gegenüber. Sie sollen gemeinsam jungen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen helfen und in den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und anderen Projekten miteinander kooperieren. Für die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach Paragraph 75 Sozialgesetzbuch 8 bedarf es unter anderem Abstimmung des Jugendhilfeausschusses. Diese soll im aktuellen Fall am 14. Dezember stattfinden. Das Mitglied des Integrationsrates der Stadt Essen, Delegierter im Landesintegrationsrat und Linken-Politiker  Civan Akbulut hat nun einen Aufruf gegen DiTiB gestartet. Man solle die Politik und Parteien darauf aufmerksam machen, dass DiTiB als Träger der freien Jugendhilfe nicht geeignet sei, und in dieser Rolle großen Schaden anrichten könnte. Doch was genau sind die Kritikpunkte am Verband?

DiTiB machte in der Vergangenheit immer wieder von sich reden: Zuerst einmal ist er ein direkt durch den türkischen Präsidenten kontrolliertes, staatliches Organ, das auf verschiedenste Arten in Deutschland Einfluss nimmt. Dazu gehörte neben der Ausbildung von Imamen auch oft die Einschüchterung von Kurd:innen und anderen verfolgten Gruppen, Volksverhetzung durch Funktionäre des Vereins und sogar Spionage von Kritiker:innen Erdoğans in Deutschland für den türkischen Geheimdienst. Wiederholt fiel der Verein durch Antisemitismus, Leugnung des Völkermords an den Armeniern durch die Türkei und das Nachspielen von Kriegsszenen auf. Der Verfassungsschutz prüft seit 2018, ob die DiTiB-Zentrale als Verdachts- oder Beobachtungsobjekt eingestuft werden kann. Auch enge Bindungen zu den rechtsextremen „Grauen Wölfen“, die mit 18.500 Mitgliedern die größte rechtsextreme Organisation Deutschlands ist und immer wieder mit Gewalttaten, Drohungen und menschenfeindlicher Propaganda aufgefallen. 2020 forderte der Bundestag die Bundesregierung dazu auf, ein Verbot dieser Organisation zu prüfen.

Sollte DiTiB nun also in Essen Träger der freien Jugendhilfe werden, bedeutet das auch einen verstärkten Einfluss rechtsextremen, islamistischen Gedankenguts auf die Jugendlichen und eine Bedrohungssituationen für alle diejenigen – Kurd:innen, Frauen, LGBTQI*-Personen –, die nicht ins Weltbild dieser Gruppen passen, und durch sie Gewalt und Unterdrückung erleben, ob in der Türkei, Deutschland, Syrien oder anderswo. Ein guter Grund dem Aufruf von Civan Akbulut zu folgen, und die zuständigen Personen auf diese Skandale aufmerksam zu machen.

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