Weltweit zu antisemitischen Ausschreitungen nach Trump-Entscheidung
Gegen jeden Antisemitimus!
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Antisemitismus in Deutschland: Ein Problem, das endlich behoben werden muss. Symbolbild
Antisemitismus in Deutschland: Ein Problem, das endlich behoben werden muss.

Kommentar. Donald Trump hat seinerseits Jerusalem als Hauptstadt Israels bestimmt. Nun entlädt sich weltweit Wut. Nicht auf den Präsidenten der USA, sondern auf Menschen jüdischen Glaubens. Diese antisemitischen Auswüchse sind nicht auszuhalten.

Sicher war es ein politisches Zeichen, das Donald Trump mit seiner Entscheidung setzen wollte, vielleicht war es auch eine Kampfansage gegen die muslimische Welt, das wäre dem alten Mann im Weißen Haus durchaus zuzutrauen. Doch dass nun weltweit Menschen auf die Straße gehen, jüdische Symbole verbrennen und teilweise Brandanschläge auf besuchte Synagogen verüben, ist keine Reaktion auf die Politik der USA und kein Protest gegen die rechtsnationale Regierung unter Netanjahus Likud, sondern einzig Ausdruck von purem Antisemitismus. 

Gewiss war die Teilung Jerusalems in ein israelisches und ein palästinensisches Stadtgebiet eine Hoffnung für die Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten und vielleicht wurde diese Hoffnung mit der Entscheidung aus Washington um Jahre, vielleicht Jahrzehnte zurückgeworfen. Doch was haben Jugendliche jüdischen Glaubens in Schweden mit dieser Entscheidung zu tun? Warum müssen diese jungen Menschen vor Brandsätzen in den Keller ihrer Synagoge fliehen? Es scheint noch immer so einfach zu sein, Menschen jüdischen Glaubens die Schuld zuzuschieben. Egal welche Schuld. Diese niederträchtige Denkweise muss endlich aufhören!

„Importierter Antisemitismus“? 

Nur wenig leiser als die Stimmen gegen Menschen jüdischen Glaubens sind europaweit diejenigen zu vernehmen, die geflüchteten Menschen und MigrantInnen die Schuld am momentan grassierenden Antisemitismus zusprechen wollen. 

Zwar belegt eine vom American Jewish Committee (AJC) in Auftrag gegebene Studie, dass antisemitische Ressentiments und eine kategorische Ablehnung des Staates Israel unter geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern weit verbreitet ist. Totzdem sind Aussagen über einen angeblich importierten Antisemitismus nichts anderes als Unsinn. Da hilft es auch nicht, wenn rechte und rechtsradikale Parteien und PolitikerInnen ständig auf dieses angebliche Problem aufmerksam machen. Spätestens, wenn solcherlei PolitikerInnen dann mit Palästina-Flaggen in Ratssitzungen posieren und aus ihrem antisemitischen und israelfeindlichen Weltbild keinen Hehl machen, ist es sowieso vorbei mit der Mär vom fremden Antisemitismus.

Ein deutsches Problem 

Wenn heute gegen Menschen jüdischen Glaubens gehetzt wird, sind es noch immer Deutsche, die ganz vorne mitmischen, egal ob Jakob Augstein, die alte und neue Rechte oder die zutiefst antisemitische BDS-Kampagne (:bsz 1130). Der Antisemitismus ist in Deutschland weder besiegt, noch klein zu kriegen. Dabei sollte den Deutschen bewusst sein, worin es enden kann, wenn Davidsterne brennen, Synagogen angegriffen werden und Menschen mit Kippa nicht mehr sicher über die Straße gehen können. Deutschland trägt schwer am Erbe des eigenen Antisemitismus, doch man weiß hierzulande nicht mit diesem Erbe umzugehen. Als Theodor W. Adorno 1966 forderte, dass Auschwitz nie wieder sei, dachte er, diese Forderung nicht begründen zu müssen. In diesen Tagen wird wieder einmal deutlich, dass in Deutschland nichts gelernt oder wenigstens viel zu viel vergessen wurde.

:Justinian L. Mantoan