Princess of Pop
#freeBritney …
Bild: bena
Symbolbild

Hollywood. Zu Zeiten, in denen Mental Health noch belächelt wurde, hatte die Princess of Pop einen Nervenzusammenbruch. In „Framing Britney Spears“ geht es darum, wie die Medien dies dokumentierten und Treiber eines fremdbestimmen Lebens waren. 

Das Beurteilen eines anderen Lebens scheint so einfach: So musste sich Britney Spears Jahre lang von anderen richten lassen, ehe sie 2007 einen Nervenzusammenbruch hatte, an dem wir alle teilnehmen durften. Die einzige und logische Konsequenz schien damals jene zu sein, dass ihr Vater Jamie Spears ihr Vormund wird und über sie und ihr Einkommen entscheiden kann. So entschied ein Gericht am 1. Februar 2008 darüber, dass die „Princess of Pop“ nicht in der Lage sei, für sich selbst zu entscheiden. Doch wie konnte es so weit kommen? Britney Jean Spears ist ein Urgestein in der Medienwelt, denn mit drei Jahren wurde sie auf die Glamour- und Showbiz-Welt vorbereitet. Ihre Eltern, vor allem ihre Mutter, stellten die Weichen ihrer Karriere früh auf kalkulierbaren Erfolg. Durch Gymnastik-, Tanz- und Gesangsunterricht und die zahlreichen Teilnahmen an Wettbewerben und Talentshows spielte Britney schon in jungen Jahren in einem Musical mit und war Mitglied im „Mickey Mouse Club“. Der Traum der Eltern wurde schnell auch ihrer und das Ziel Popstar schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Mit 18 Jahren brachte sie ihr Debütalbum „Baby One More Time“ raus, welches auf Anhieb auf die Spitze der US-Billboard-Charts schoss; mehr noch, zu einem weltweiten Erfolg wurde. Der Traum vom Erfolg, er war geschafft. Doch zu welchem Preis? Die Presse und die Fans wollten mehr Britney, mehr von ihrem Idol. Dieses Verhalten wird nun kritisch beäugt. Regisseurin Samantha Stark hat mit „Framing Britney Spears“ die Frage aufgestellt, wie wir und die Medien die Karriere von Spears` beeinflusst haben und wie es Britney geprägt hat. Der Fokus dieser Dokumentation liegt nicht auf der Sichtweise der Künstlerin oder der ihrer Familie, sondern vielmehr darauf, wie über sie berichtet wurde und wie in dieser Berichterstattung ein Bild einer Person geformt wurde, das die Sängerin nachhaltig prägte und ihr bisheriges Leben als fremdbestimmt zeigt. Vom American Sweetheart, dann der sexy Vamp und Feindbild der Konservativen mit Morddrohungen, da sie sich mit einer Schlange bei den VMAs zeigte und ein ganzes Land provozieren wollte. Aber auch die Trennung von Justin Timberlake, der mit „Cry me a river“ seine Solokarriere als betrogenes Liebesopfer startete. Alles ausgehend aus der Liebesbeziehung mit Spears. Während sich Justin Timberlake von der „Framing Britney Spears“-Dokumentation ermutigt fühlte und sich knapp 20 Jahre nach der Trennung bei Brit und Janet Jackson entschuldigte, sahen sich auch andere Prominente gezwungen sich nun zu entschuldigen. 

Für die Hardcore Britney Spears-Fans war jedoch klar: sie müssen eine  Freiheitsaktion für Britney starten. Unter dem Hashtag #freebritney gab es schon in den letzten Jahren immer vereinzelt Vermutungen darüber, dass die Sängerin ein nicht lebenswertes Leben habe, da sie mit Ende 30 nicht über ihre Finanzen bestimmen kann. Der Streit zwischen den beiden Parteien geht so weit, dass Britney, solang ihr Vater Kontrolle über ihre Karriere, ihr Vermögen und ihr Leben hat, nicht mehr als Sängerin auftreten wollen würde. Durch die Doku fühlen sie sich bestätigt und glauben sogar, dass sie gefangen gehalten werde. Starks schafft es in ihrem Film, aufzuzeigen, wie der Zusammenhang einer Depression, die von den Medien ausgeschlachtet wurde, zu einem erweiterten Kontrollverlust der Künstlerin führte. Durch das übergriffige Zerpflücken in der Yellow Press wurde das Leben eines Popstars zu einem fremdbestimmten. „Framing Britney Spears“ ist aktuell noch nicht in Deutschland verfügbar. Mit „Star“ auf dem Streamingdienst Disney+ könnte sich dies jedoch bald ändern.                            

                  :Abena Appiah