Spiele - Kurze Ballerei: Nach fünf Stunden ist alles vorbei
Fortschrittliche Kriegsführung?
Screenshot: Activision (Trailer), YouTube
Freund oder Feind? - Die digitale Version von Kevin Spacey im neuen Call of Duty - Advanced Warfare - Screenshot: Activision (Trailer), YouTube
Freund oder Feind? - Die digitale Version von Kevin Spacey im neuen Call of Duty - Advanced Warfare

Seit der vergangenen Woche können ZockerInnen das neue „Call of Duty“ spielen, welches mit dem Untertitel „Advanced Warfare“ daherkommt. Doch wer neben einer „fortschrittlichen Kriegsführung“ eine abwechslungsreiche Geschichte und spannende Missionen erwartet, wird abermals bitter enttäuscht sein. Auch das neue „Call of Duty“ erfindet das Rad nicht neu. Interessant sind lediglich die kurzweiligen Auftritte von Oscar-Preisträger Kevin Spacey, der als digitalisiertes Alter Ego den Chef eines global operierenden Sicherheitskonzerns mimt.

Recht schnell drängt sich die Frage auf, ob die EntwicklerInnen mit dem hochkarätigen Hollywood-Schauspieler über das hinwegtäuschen wollen, was „Call of Duty – Advanced Warfare“ eigentlich ist – ein kurzweiliger Ballerspaß von fünf Stunden, für den man je nach Plattform zwischen sechzig und siebzig Euro hinblättern darf. Als aufgerüsteter Ex-Marine kämpft man sich in einer dystopisch anmutenden Zukunft durch schlauchartige Levels und schießt dabei alles über den Haufen, was einem vor die Flinte kommt. Zeitlupen und eine gehörige Portion Pathos dürfen in diesem Potpourri der Zerstörungswut ebenso wenig fehlen wie die Dialoge, die auch aus der Feder eines Michael Bay hätten stammen können.

Auch technisch lässt der neuste Teil der Reihe zu wünschen übrig. Optisch macht das Spiel zwar einen guten Eindruck, kann aber nicht mit der Bildgewalt und dem Umfang eines zwölf Monate älteren „Battlefield 4“ mithalten. Lediglich die technischen Gimmicks, mit denen die virtuellen Soldaten hantieren, entfachen kurzweilige Begeisterung – leider verschwindet diese genauso schnell, wie sie gekommen ist.

Ebenso kurzweilig ist die Freude, die einem das schnöde Geballere bereitet. Letztlich möchte man die vorhersehbaren und lästigen Passagen, in denen man tatsächlich zum Controller oder zu Maus und Tastatur greifen muss, nur schnell hinter sich bringen. Schließlich wird man im Anschluss immer wieder mit aufwendigen Zwischensequenzen belohnt, die wohl der Hauptgrund sind, warum man das neue „Call of Duty“ – wenn überhaupt – spielen sollte.
Wer Kevin Spacey sehen möchte, sollte lieber „House of Cards“ schauen.

Diese Rezension bezieht sich nur auf die Kampagne des Spiels und nicht auf den Multiplayer.

:Christian Kriegel