Kommentar: Zwischen Berlin und Bochum: Schnäppchen-Märkte boomen in ganz Deutschland
Flippe Flohmarkt-Fraktion
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Nicht ganz so hip wie KlimBim oder Mauerpark, dafür ganz viele Schnäppchen: der Flohmarkt auf dem Parkplatz der HS Bochum. Foto: tims
Nicht ganz so hip wie KlimBim oder Mauerpark, dafür ganz viele Schnäppchen: der Flohmarkt auf dem Parkplatz der HS Bochum.
Nicht nur im hippen Berlin wachsen Flohmärkte wie Pilze aus dem Boden und locken mit günstigen Sammler-Innenstücken die BesucherInnen, welche die Märkte aber auch als Freizeitbeschäftigung sehen. Auch in Bochum wird der Trend immer beliebter und schafft einen Gegenpol zu ebay-Kleinanzeigen, Kleiderkreisel und Co. Haben wir Sehnsucht nach der guten alten Zeit?
 
Der Flohmarkt – ein Ort, an dem im späten französischen Mittelalter die LumpenhändlerInnen mit den abgetragenen Kleidern der Reichen Handel betrieben. Aufgrund der damals hygienischen Bedingungen haben sich dann gerne auch Flöhe in der abgelegten Garderobe eingenistet. So die eine Version. Die andere geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück und bezieht sich auf einen unbekannten Mann, der in den Pariser Gassen aufgrund des vielen vorhandenen Trödels konstatierte: „Das sieht ja aus wie auf dem Markt der Flöhe.“
 
Welche Version auch stimmen mag, spielt im aktuellen Zusammenhang keine Rolle, denn Flohmärkte sind in Deutschland überregional beliebt. Seit 1967 in Hannover der erste deutsche Flohmarkt unter der Regie des Aktionskünstlers Reinhard Schamuhn stattfand, hat sich die Märktegemeinschaft auf rund acht Millionen regelmäßige BesucherInnen drastisch vermehrt.

Touri-Trend Mauerpark

Die einen sehen in Flohmärkten die Möglichkeit, ein Schnäppchen zu machen: eine coole Sonnenbrille oder eine Vintage-Tasche zu ergattern. Ob Schallplatte, Retro-Möbel oder aktuell ganz gerne auch Musikinstrumente: Die KonsumentInnen möchten im besten Fall ein hippes und zugleich günstiges Mitbringsel ergaunern – und das in einer angenehmen und coolen Location. 
 
Dass es zum Beispiel auf dem von Touris beliebten Berliner Mauerpark-Flohmarkt gar nicht mehr um den Flohmarkt als solchen geht, sondern vielmehr darum, einen  entspannten Sonntag mit FreundInnen zu verbringen, ist der Beliebtheit dieser Märkte geschuldet. Sehen und gesehen werden steht genauso auf der Tagesordnung wie das Lauschen der musikalischen Darbietung der Sonntags-Karaoke. Und nebenbei noch die kulinarische Vielfalt genießen. Lifestyle und überfüllter Flohmarkt vereint. Wer in Berlin noch wirkliche Schnäppchen von privaten  
 
HändlerInnen machen möchte, sollte lieber auf den Boxhagener Markt gehen.

KlimBim vs. HS Bochum  

Auch in Bochum gibt es eine Reihe von Flohmärkten, die mit ähnlichen Konzepten die BesucherInnen anlocken. Während „klassiche“ HändlerInnenmärkte auf den Real-Parklätzen von Vintage-LiebhaberInnen seltener besucht werden, sind zum Beispiel der beliebte „KlimBim“-Mädchenflohmarkt, der am Wochenende im Bermuda3Eck stattfand, ein Anlaufpunkt und zugleich ein Statement, das den Zeitgeist trifft: mehr Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Konsumgütern, zugleich auch eine soziale Komponente, die Verkaufsportale wie ebay-Kleinanzeigen oder auch Kleiderkreisel (neuerdings mit nervigem Bezahlsystem) nicht bieten können. 
 
Es ist eine Sehnsucht der Menschen, wieder aktiv echte soziale Netzwerke jenseits der Internet-Blase aufzubauen. Auch wenn der Verkauf von Produkten nicht die Spende ersetzt, so profitieren auch viele BesucherInnen mit weniger Geld im Portemonnaie auf den hiesigen Flohmärkten von den Preisen.
 
:Tim Schwermer