Duisburger Zeltstadt-Skandal: Wohnraum unter freiem Himmel
Flüchtlingsghetto auf dem Ascheplatz?
Foto: USch
Eingezäunter Ascheplatz Walsum: Erstes Flüchtlingsghetto im Revier?

Selten schafft es Walsum in die überregionalen Medien – doch seit Mitte August ist der 1974 eingemeindete nördlichste Duisburger Stadtbezirk kein weißer Fleck mehr auf der medialen Landkarte: Mit der Errichtung einer Zeltstadt für Asylsuchende auf dem stillgelegten Ascheplatz der Sportfreunde Walsum 09 hat es der Stadtteil inzwischen sogar in die Frankfurter Allgemeine Zeitung geschafft: „Überfordert mit der Hilfe“, titelte das Blatt vergangene Woche.

Überfordert zeigt sich auch der Duisburger Stadtdirektor und Sozialdezernent Reinhold Spaniel, der von einem „dramatischen Anstieg“ der Zahl aufzunehmender Flüchtlinge spricht: Etwa 130 Asylsuchende monatlich müsse die Stadt künftig aufnehmen. Derzeit leben rund 1.500 AsylbewerberInnen in Duisburg. Oberbürgermeister (OB) Sören Link hat inzwischen einen „Runden Tisch Asyl“ einberufen, der die angespannte Situation abmildern soll.

Am ‚Runden Tisch‘ fanden sich letzten Donnerstag neben RepräsentantInnen aus den politischen Gremien auch VertreterInnen aus Sozialverbänden, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Organisationen zusammen. Die Versammlung mit etwa 40 Teilnehmenden habe bereits einen positiven Impuls gebracht. OB Link zeigte sich in einer ersten Reaktion „sehr zufrieden über diesen ersten, motivierenden Meinungsaustausch und die konstruktive Diskussion, wie wir gemeinsam die aktuellen und noch bevorstehenden Probleme lösen können.“ Das Signal mache Mut, um nun „geeignete Unterbringungsmöglichkeiten und Wohnraum“ „gemeinsam erschließen“ zu können, wird der Oberbürgermeister aktuell im Netzportal lokalkompass.de zitiert.

Erste Wohnangebote zur Unterbringung von AsylbewerberInnen seien bereits eingegangen. „Damit keines der Angebote, keine Idee und Initiative verloren geht, habe ich im Bürgerbüro meines Dezernats eine direkte Anlaufstelle eingerichtet“, wird Sören Link auf ‚Lokalkompass‘ wiedergegeben. „Geeignete Unterbringungsmöglichkeiten und Wohnraum werden wir nur gemeinsam erschließen können“, so Link weiter. „Nur so wird es möglich sein, die vielen hilfesuchenden Menschen intensiv zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben und sie in unsere Stadtgesellschaft zu integrieren.“

Linke gegen Massenunterbringung

Hierzu bedürfte es jedoch eines grundlegenden Politikwechsels – dies zumindest meint Die Linke im Duisburger Stadtrat: „Wir möchten eigentlich keine Großunterkünfte“, wird Carmen Hornung-Jahn, Ratsmitglied der Linken, in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zitiert. Im Vergleich zu dezentralen Unterbringungen seien diese „viel schwieriger zu handhaben“. Ihre Fraktion halte es vielmehr für geboten, AsylbewerberInnen proportional auf die Stadtbezirke zu verteilen – dies entspreche auch der Beschlusslage des Stadtrats.   

Leerstehenden Wohnraum nutzen!

Ob der „Runde Tisch Asyl“ ein geeignetes Mittel ist, um die Beschlüsse des Rates auch in Zeiten steigender Flüchtlingszahlen umzusetzen, ist jedoch fraglich. Angesichts sinkender Bevölkerungszahlen und zahlreicher Leerstände in Duisburg und anderen Ruhrgebietsstädten erscheint es jedenfalls verwunderlich, dass erst ein Arbeitskreis gegründet werden muss, um menschenwürdige Unterbringungen für AsylbewerberInnen zu sondieren. Skeptisch ist auch Pfarrer Heiko Dringenberg, der am ersten Runden-Tisch-Treffen teilnahm. „Die Ankündigungen der Teilnehmenden waren völlig unverbindlich – die entscheidende Frage, wann die Zelte abgebaut werden, blieb bislang unbeantwortet.“ Für Pfarrer Dringenberg jedenfalls ist klar: „Die Zelte dürfen niemals bezogen werden.“ Ansonsten würde Duisburg eine ungute Vorreiterrolle für eine unwürdige Unterbringung von Flüchtlingen im Ruhrgebiet  spielen.